Morcheeba (foto: Fiege)

Live: Morcheeba in Frankfurt

Nichts verlernt: Die britischen Trip-Hop-Legende von Morcheeba haben am Sonntag Station in der Frankfurter „Batschkapp“ gemacht. Im Gepäck hatte die Kapelle dabei auch Songs ihres neuesten Albums „Blackest Blue“. Es waren die Highlights des Abends.

Morcheeba haben in ihrer langen Bandhistorie ja schon den einen oder anderen Neuanfang gewagt. Das Trio – Skye Edwards und die Godfrey-Brüder Ross und Paul – setzte 1995 zu seinem Siegeszug an, landete 2000 mit „Rome Wasn’t Build In A Day“ seinen größten Mainstream-Hit, ehe sich die Band dann zerstritt – und die Godfrey-Brüder ihre Sängerin rauswarfen. Die beiden Brüder machten dann mit wechselnden Gastsängern weiter, ehe Skye 2009 überraschend zurückkehrte. Mit dem Comeback-Album „Blood Like Lemonade“ setzte bei Morcheeba der zweite Frühling ein, dann aber verließ Paul die Kapelle, um die verbliebenen zwei dann obendrein auch noch einem elendig langen Rechtsstreit zu unterziehen. Zwischenzeitlich mussten Ross und Skye den Namen Morcheeba sogar ablegen.

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Mittlerweile haben sie ihn wieder – und durchleben sozusagen ihren dritten Frühling. Das unterstrich auch das überaus gelungene 2021er Album „Blackest Blue“, das deutlich stärker als seine letzten beiden Vorgänger war. Die perfekte Pandemie-Platte, wunderbar zum Abschalten. Selten war der Signature-Sound der Band – ein Mix aus Downbeat, Chill, Electro-Pop und Soul, garniert mit dem honigsüßen Gesang von Skye Edwards – passender.

Neue Songs gehören zu den Glanzlichtern der Setlist

Man kann der Pandemie ja viel vorwerfen, aber dass es wegen Corona beinahe keine Morcheeba-Tour zu „Blackest Blue“ gegeben hätte, ist unverzeihlich. Denn die neuen Songs, die Morcheeba an diesem Abend in Frankfurt mit dabei hatte, gehören zu den besten des Abends. Skye und ihre Kollegen haben spürbar Lust, das neue Material den Fans endlich vorzustellen. „Cut My Heart Out“ durfte gleich den Opener geben. „Oh Oh Yeah“ kommt live genauso episch wie auf Platte (und gibt Skye die Möglichkeit, das Publikum miteinzubinden). „Sounds of Blue“ und „The Moon“ reihen sich nahtlos in die Phalanx grandioser Morcheeba-Songs ein. Und die gefühlige Ballade „Say It’s Over“ entpuppt sich als eines der großen Glanzlichter des Abends. Die Nummer geht unter die Haut. Und das, obwohl Skye aus dem Duett (auf dem Album singt sie den Song mit Brad Barr von The Barr Brothers) hier einen Alleingang macht. Völlig zu Recht wird das Lied erst in den Zugaben gespielt. Damit verdrängt es sogar „Rome Wasn’t Build In A Day“ von seinem angestammten Platz.

Nicht die einzige Überraschung. Dass Morcheeba am Ende den Rolling Stones mit einem Cover von „Gimme Shelter“ huldigen, hätte kaum jemand erwartet. Aber es passt natürlich in die Zeit. Die Stones sangen „Gimme Shelter“ damals unter dem Eindruck des Vietnam-Kriegs. Morcheeba beziehen sich auf den Krieg in der Ukraine. Auch „Get Along“, das die Briten ebenfalls auf die Setlist nahmen, war da eine direkte Ansage. Wäre die Welt doch mehr wie ein Morcheeba-Konzert. Gechillt. Laid back. Honigsüß. Es wären bessere Zeiten.

Am Ende: „Blindfold“. Ein würdiger Abschluss eines rund zweistündigen Konzertabends, der sich kurzweilig anfühlte. Nein, die Band hat nichts verlernt. Wir freuen uns auf Frühling Nummer vier.

Morcheeba bei „Slow Down“. (foto: Fiege)

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