Dick Brave kehrt auf die Bühne zurück. Im Interview mit Benjamin Fiege spricht sein Schöpfer Sasha über die Figur, das neue Album „Back for Good“, Zukunftspläne − und Ärger mit der Mafia.
Dick Brave war lange von der Bildfläche verschwunden. Wo hat er denn gesteckt?
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Dick Brave war auf der ganzen Welt unterwegs, ist sehr erfolgreich getourt, hat sich aber immer wieder Auszeiten genommen, um zu gucken, was er sonst noch so machen könnte – außer Musik. So hat er beispielsweise auf einer Schlangenfarm in Indien gearbeitet, oder als Rodeo-Reiter und Cowboy auf einer Farm. Stuntman bei einer Motorrad-Show war er ebenfalls. Letztlich hat er aber festgestellt, dass die Musik das einzige ist, das ihn wirklich happy macht.
Man liest, er sei auch unschön mit der Mafia in Kontakt gekommen …
Das war nicht so leicht. Ich bin nach Las Vegas gefahren, um Dick Brave zurück nach Deutschland zu holen, um endgültig zu beweisen, dass wir nicht ein und dieselbe Person sind. Vor Ort stellte sich heraus, dass Dick Ärger mit der Mafia hat. Er hatte offenbar einen Vertrag für eine Las-Vegas-Show unterschrieben, und nicht genau hingeschaut, was da eigentlich von ihm erwartet wird. Letztlich sind wir beide dann zusammen nach Deutschland geflüchtet. Zum Glück konnten wir das mit der Mafia in der Zwischenzeit aus der Welt schaffen, und jetzt bin ich einfach froh, dass er wieder da ist.
Nervt Sie diese hartnäckige Verschwörungstheorie, dass ihr ein und dieselbe Person sein sollt?
Früher hat das zu einem Konkurrenzdenken geführt. Mittlerweile können wir koexistieren. Wir sind noch nicht beste Freunde, aber wir arbeiten daran. Ich habe ihm mit Gretchen Humperdinck nun eine Managerin an die Seite gestellt, die es gut mit ihm meint. In der Vergangenheit hatte er da kein glückliches Händchen, ein bisschen wie Elvis. Er ist da böse reingefallen, auch finanziell. Er hat da jemandem vertraut, der sein ganzes Vermögen in Kryptowährung investiert und verzockt hat.
„Keiner von beiden verschwindet“
Wenn Dick aufgetaucht ist, hat das immer für Furore gesorgt. Aber auch für große Verzweiflung bei den Fans, wenn er dann plötzlich verschwand. Wie erklärt er seinen Fans denn die emotionale Achterbahnfahrt, auf die er sie immer schickt?
Er hat großes Glück, dass seine Fans ihm dieses zauberkünstlerhafte Auftauchen und Verschwinden irgendwie nicht krumm nehmen. Sein Comeback-Song „Back for Good“ soll nun die Botschaft transportieren: Ich bin wiedergekommen, um zu bleiben. Eine wichtige Info. Dick Brave bleibt. Und Sasha auch. Keiner von beiden verschwindet. Wir ziehen das jetzt zusammen durch. Die Nachfrage nach purem Rock ‘n‘ Roll scheint da zu sein. Und das ist eine gute Sache.
Die Fans werden jetzt erst einmal mit einem neuen Album von Dick Brave bedacht. Kommt das auch physisch raus?
Auf jeden Fall, sowohl als CD als auch auf Vinyl. Zunächst hatten wir keine neue Platte geplant, dann kam aber die Idee auf: Dick Brave kommt zurück. Wie wäre es, wenn er eine Platte voller großer, bekannter Comeback-Songs aufnehmen würde? Da hatten wir recht schnell viele Kandidaten gefunden, aber auch gemerkt: Es fehlen die modernen, frischen Songs. Also haben wir sogenannte Breakthrough-Songs noch dazu genommen. Songs also, mit denen Künstler ihren Durchbruch feierten. Statt „kein Album“ ist es nun ein Doppelalbum. Es hat wirklich Spaß gemacht. Endlich gibt es eine Rock’n’Roll-Version von Billie Eilishs „bad guy“, das wollte ich schon immer mal hören. Auch Songs von Dua Lipa und Ed Sheeran sind dabei.
Gibt es auch Songs, an denen Sie sich mit einer Rock’n’Roll-Variante die Zähne ausgebissen haben?
Ja, die gibt es. Man hat viele Ideen, meist merkt man recht schnell, was umsetzbar ist und was nicht. Das hat man im Kopf schnell schon vorsortiert. Bei „Back for Good“ war recht schnell klar, dass das was werden würde. „Take On Me“ war hingegen lange ein Sorgenkind, der Song ist komplizierter als man annimmt. Er musste von uns sehr gestreichelt werden, damit er das wurde, was er jetzt ist.
Scorpions, Kiss und AC/DC
Überrascht hat mich bei der Tracklist, dass unter den Comeback-Songs nicht noch mehr Songs von den Scorpions oder Kiss sind, die ja gefühlt andauernd ihre Rückkehr feiern und damit schon rein statistisch betrachtet viel häufiger auftauchen müssten.
Oder von AC/DC! Als ich mich an die Recherche machte, wurden mir sechs oder sieben Songs von AC/DC vorgeschlagen, die als Comeback-Songs durchgehen würden. Welcher ist denn nun der AC/DC-Comeback-Song schlechthin? Das war leicht überfordernd, ein heißes Eisen, am Ende habe ich da lieber die Finger von gelassen.
Wenn man sich an ein Cover wagt und einem bekannten Song ein neues Gewand verpasst: Ruft das auch Reaktionen von Fans dieser Künstler auf den Plan?
Dick Brave darf erst einmal alles und ihm wird auch viel verziehen (lacht). Aber die Auswahl ist mit Bedacht getroffen. Sicher wird es den einen oder anderen geben, der sagt: Musste das jetzt sein? Damit muss man immer rechnen. Das gehört dazu.
Die Comeback-Songs haben den Vorteil: Sie sind bekannt. Wie schwierig ist es denn, Breakthrough-Songs auszuwählen, die ja am Ende doch nicht jedem im Publikum etwas sagen werden? Songs also, die neben den Klassikern bestehen können.
Sie haben schon Recht: Selbst Hits von großen Künstlern, die Millionen Follower haben, gehen heute nicht unbedingt mehr in die Breite. Weil Musik in Konkurrenz zu dem ganzen anderen Content steht, der auf die Leute einstürzt, gleichzeitig aber die gemeinsamen Plattformen fehlen, die jeder konsumiert. Das Konzept hat uns da aber geholfen. Es wäre wohl schwieriger gewesen, wenn ich jetzt einfach nur versucht hätte, Songs aus den letzten zehn Jahren zu finden, die ein gewisses Standing haben. Die Breakthrough-Songs waren in der Regel schon Hits. Umgekehrt kann man ja auch fragen: Sind denn alle Comeback-Songs jüngeren Hörern noch bekannt? Besonders schön ist es immer, wenn ein Song funktioniert, obwohl ihn nicht jeder kennt. Dick Braves Version von „No One Knows“ war so ein Fall, ein Queens-of-the-Stone-Age-Song, sicherlich nicht der breiten Masse bekannt. Viele hielten ihn für ein Dick-Brave-Original, bei Konzerten war er immer sehr beliebt beim Publikum.
Sie haben die fehlenden gemeinsamen Plattformen angesprochen. Heute bedient jeder Künstler seine Bubble.
Ja, es gibt kein Musikfernsehen mehr, von dem wir beide ja noch viel mitbekommen haben dürften. Kein Viva, kein MTV, das nebenher immer durchlief. Es gibt keine großen TV-Shows mehr, die jeder guckt. Diese gemeinsamen TV-Momente der Familie. Und da rede ich nicht nur von „Wetten, dass“. Selbst bei Biolek oder Jürgen von der Lippe, die damals auch ein Millionenpublikum hatten, sind neue Musiker aufgetreten, vom Moderator persönlich ausgewählt, und sind so einer breiten Masse bekannt geworden. Terence Trent D’Arby etwa ist damals in Deutschland eine große Nummer geworden, weil er in „Bio‘s Bahnhof“ aufgetreten ist.
Wie würde eigentlich ein Synthie-Pop-Song wie „Take On Me“ in einer Rock’n’Roll-Version klingen? Der Reiz von Dick Brave lag ja immer auch darin, dass solche Fragen von ihm beantwortet wurden. Gerade erleben wir, wie man mit KI auf Knopfdruck sich derlei Antworten selbst geben kann. Macht Ihnen das Sorge?
Nein, der Reiz des Ganzen ist ja das Echte. Nicht das Künstliche, das Nachgestellte. Man darf die moderne Technik nicht komplett verteufeln, aber ich glaube nicht, dass es KI schafft, zumindest noch nicht, Herzblut in die Sache zu stecken. KI kann ein gutes Tool sein, nicht um Songs zu schreiben, aber um Ideen zu checken, ob sie funktionieren könnten. Aber ich denke, Schmerz, der einem Song innewohnt, eine Haltung, das kann man nicht mit dem Computer generieren. „I’m Still Standing“ etwa von Elton John, das Dick Brave jetzt auch singt, ist aus einem echten Gefühl heraus geschrieben worden, das kann eine KI so nicht. Stand jetzt. Wobei wir sicherlich schon mit viel KI-Musik bombardiert werden, ohne es zu wissen.
Was KI noch nicht kann, ist: ein Live-Erlebnis zu schaffen. Dick Brave kommt jetzt nach Kaiserslautern. Was können die Fans erwarten. Ist es richtig, dass die Backbeats nicht am Start sind?
Ja, es ist eine neue Band, die sich Dick Brave auf seinen Reisen zusammengesucht hat, mit viel Power, mit neuer Energie. Man kann sich auf eine Rock’n’Roll-Show freuen. Wir wollen zwei Stunden lang mit den Leuten Spaß haben, sie aus ihrem Alltag entführen. Let’s go!
Wie groß ist die Chance auf ein überraschendes Duett zwischen Ihnen und Dick?
Ich halte mich da erstmal im Hintergrund. Aber es könnte sein, dass in nicht allzu ferner Zukunft etwas zusammen passiert … Der Respekt füreinander wächst.
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