U2 werden in diesem Jahr 50 Jahre alt. Der Reclam-Verlag widmet den irischen Superstars da gerade rechtzeitig ein Büchlein ihrer „100 Seiten“-Reihe. Dieses floss mit Birgit Fuß einer kenntnisreichen „Rolling Stone“-Redakteurin aus der Feder. Sie hat die Band mehrfach treffen und interviewen können.
Es gehört zu den schönen Seiten des Journalisten-Daseins, interessante Menschen zu treffen und dafür vielleicht auch eine spannende Reise zu unternehmen. Und im Normalfall wäre Birgit Fuß, Redakteurin beim deutschen Ableger des „Rolling Stone“-Magazins, wohl auch aus dem Häuschen gewesen, als es 2017 für sie mal wieder die Gelegenheit gab, U2 zu interviewen. Und dann auch noch in Sao Paulo! In der brasilianischen Metropole machten die Iren gerade im Rahmen ihrer Jubiläumstournee zum Album „The Joshua Tree“ nämlich gerade halt.
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Doch Birgit Fuß konnte nicht. Gerade war ihr Freund gestorben, der Journalistin fiel es schwer, das Haus zu verlassen. Ein 24-Stunden-Flug, jetzt, in dieser Situation? Undenkbar. Die Art und Weise, wie die Band sie tröstete (telefonisch), wie Bono sie bei einem späteren Treffen in den Arm nahm – es sind diese sehr persönlichen Erinnerungen an die irische Erfolgsband, mit denen Fuß ihr 100-Seiten-Büchlein beginnt.
Trotz Fan-Daseins kritisch
Natürlich, und da macht die Autorin aus ihrem Herzen auch keine Mördergrube, ist die Autorin ein Fan der Band. U2 waren die erste große Rockband, die sie live auf einem Konzert bestaunen konnte, damals, 1987. Sie ist Bono und seinen Kollegen bis heute treu geblieben. Was aber nicht heißt, das ihr journalistischer Blick nun getrübt ist, dass sie unkritisch mit der Band umspringt. Dass es bei der Band Widersprüche gibt, im Sagen und im Handeln, hat sie hier nämlich keineswegs verschwiegen. Die absurd hohen Ticketpreise, die Verlegung des Steuersitzes der Band in die Niederlande, die misslungene Vermarktung ihres Albums „Songs of Innocence“ – all das wird im Buch thematisiert und keineswegs entschuldigt.
Ansonsten reitet Fuß mit ihren Lesern durch die Bandbiografie. Auf 100 Seiten – so will es das Format – muss das natürlich kurz und knackig geschehen. Die Autorin liefert pointierte Kurzbiografien der Band-Mitglieder, hangelt sich von Ära zu Ära, thematisiert etwa das Verhältnis der Band zu Kommerz, Christentum und Politik – und liefert am Ende auch noch einen Überblick nebst Rezensionen über die Diskografie der Band. Überraschend fällt das (mit Zahlen belegte) Fazit aus, dass es in den Songs von U2 weitaus weniger um Religion und Politik geht, als man annimmt.
Es spricht für Fuß, dass dieser Ritt durch 50 Jahre Geschichte nie gehetzt wirkt. Dass man das Gefühl hat, jede Karriere-Station wird ausreichend beleuchtet. Selbst die aus diesem Jahr stammenden EPs – die schon mal Lust auf ein bald kommendes Album machen sollen – werden von der Autorin noch analysiert – Fuß ist also maximal aktuell.
Am Ende bleibt das Bild einer Band aus Schulfreunden, die seit 50 Jahren in unveränderter Besetzung besteht – und die das ganz große Rad gedreht hat. Nicht weil sie die professionellsten Musiker unter der Sonne waren, sondern weil sie eine Vision, eine Leidenschaft – und die Ideen hatten. Und es geht wohl auch noch eine Weile weiter. Das ist die gute Nachricht.
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