Pünktlich zum Muttertags-Wochenende hat Abigail Lapell ihr neues Album „Shadow Child“ veröffentlicht. Kein Zufall. Auf der Platte widmet die preisgekrönte Torontoer Singer-Songwriterin ihre neuen Songs jeweils einem Monat der Schwangerschaft. Das Album ist also ein musikalisches Porträt der Mutterschaft in neun Songs. Lapell nahm die LP auf, als sie gerade mit ihrem ersten Kind schwanger war. Musikalisch strebt „Shadow Child“ einen schroffen, akustischen Sound an – ein Kontrast zu ihrem bis dato letzten Album „Anniversary“ (2024) und dem Vorvorgänger „Stolen Time“ (2022). Uns stand Lapell nun für unsere My-Soundtrack-Reihe Rede und Antwort.
Somewhere Over the Rainbow – Judy Garland
This was my favourite song from my favourite movie as a child, as far back as I can remember. Its nursery rhyme imagery and dreamy, escapist themes still speak to me, along with the theatrical, deceptively simple melody and arrangement – and of course, Garland’s signature yearning warble.
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Dies war schon als Kind mein Lieblingslied aus meinem Lieblingsfilm – so lange ich mich überhaupt erinnern kann. Seine an Kinderreime erinnernde Bildsprache und seine verträumten, eskapistischen Themen sprechen mich noch immer an, ebenso wie die theatralische, täuschend schlichte Melodie und das Arrangement – und natürlich Garlands unverwechselbares, sehnsuchtsvolles Vibrato.
Here Comes the Sun – The Beatles
Around age 7 or 8 I found a copy of Abbey Road in my parents’ vinyl collection, which mostly comprised classical and opera recordings that held little interest for me. I was drawn to this record only because of the resemblance to my own nickname, Abby. I put it on and my mind was blown. So ignited a passion for the Fab Four that, honestly, still rises to the surface at unexpected moments.
Im Alter von etwa sieben oder acht Jahren entdeckte ich in der Plattensammlung meiner Eltern ein Exemplar von Abbey Road – eine Sammlung, die größtenteils aus Aufnahmen klassischer Musik und Opern bestand, die für mich kaum von Interesse waren. Zu dieser Platte fühlte ich mich einzig und allein wegen der Ähnlichkeit zu meinem eigenen Spitznamen hingezogen: Abby. Ich legte sie auf – und war schlichtweg überwältigt. So entflammte eine Leidenschaft für die „Fab Four“, die – ehrlich gesagt – noch heute in völlig unerwarteten Momenten wieder an die Oberfläche tritt.
My Back Pages – Bob Dylan
I heard this song on a blank cassette tape I found lying around my house as a kid. I had no idea what it was or where it came from but I loved it. Strange to think how we lived in pre-internet times, but I may have never learned the mysterious singer’s name – except luckily my brother had an encyclopedic knowledge of music (and most things). The dense rhyming lyrics were like a magic trick to me. Was this nonsense patter, or the secret liturgy of the universe? Or both? And that plaintive wail was so beautiful to me. (Later, I remember being confused by comments about Dylan’s trademark abrasive voice.)
Als Kind fand ich dieses Lied auf einer leeren Musikkassette, die irgendwo in meinem Haus herumlag. Ich hatte keine Ahnung, was es war oder woher es kam, aber ich liebte es. Seltsam, sich vorzustellen, wie wir in Zeiten vor dem Internet lebten, aber ich hätte den Namen des mysteriösen Sängers wohl nie erfahren – zum Glück hatte mein Bruder ein enzyklopädisches Wissen über Musik (und fast alles andere). Die dichten Reime waren für mich wie ein Zaubertrick. War das sinnloses Geplapper oder die geheime Liturgie des Universums? Oder beides? Und dieser klagende Gesang war so wunderschön für mich. (Später erinnere ich mich, wie verwirrt ich über Kommentare zu Dylans typisch rauer Stimme war.)
Nothing Compares 2 U – Sinéad O’Connor
A vocal heroine of mine growing up in the 80s and 90s. I guess my hippy soul had always struggled to connect with the slick, heavily-produced radio hits of my own era. In that context, Sinead’s sound and her whole thing stood out to me as something real and raw: ballsy yet vulnerable, somehow sounding ancient and modern at the same time. I taught myself all her songs on guitar. Eventually I shaved my head, but never quite pulled it off.
Eine meiner großen Heldinnen – in den 80er und 90er Jahren, als ich aufwuchs. Ich glaube, meine Hippie-Seele tat sich schon immer schwer damit, einen Draht zu den glatten, stark durchproduzierten Radiohits meiner eigenen Zeit zu finden. In diesem Kontext stachen Sinéads Sound und ihr gesamtes Auftreten für mich als etwas Echtes und Unverfälschtes hervor: mutig und doch verletzlich, irgendwie gleichzeitig archaisch und modern klingend. Ich brachte mir all ihre Lieder selbst auf der Gitarre bei. Schließlich rasierte ich mir den Kopf – doch so richtig gut stand es mir nie.
Hey – Pixies
What is it exactly that makes me love the Pixies? Maybe it’s because their songs are so emotionally raw, with pop-worthy yet grimy-sounding hooks. Also, I enjoy that I have no idea what any of the lyrics are about. I went to see them in Montreal on the first of many reunion tours back in like 2004, and it made a big impression on me, in part because it was a huge show and I usually only saw tiny bands in tiny rooms. It was one of those concerts where people sort of complain that the band just “played like the album” – whereas to me, that could only be a good thing.
Was genau ist es eigentlich, das mich die Pixies so lieben lässt? Vielleicht liegt es daran, dass ihre Songs so emotional roh sind – mit Hooks, die zwar Pop-Qualitäten besitzen, dabei aber dennoch schmutzig klingen. Außerdem gefällt mir, dass ich absolut keine Ahnung habe, worum es in ihren Texten eigentlich geht. Ich habe sie 2004 in Montreal live erlebt – auf der ersten von vielen ihrer Reunion-Tourneen –, und das hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen; zum Teil deshalb, weil es eine riesige Show war, während ich sonst meist nur winzige Bands in winzigen Räumen sah. Es war eines jener Konzerte, bei denen sich die Leute hinterher gerne darüber beschweren, die Band habe bloß „genauso gespielt wie auf dem Album“ – wohingegen das für mich nur etwas Gutes sein konnte.
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