Die US-amerikanische Singer-Songwriter-Legende Neil Diamond fügt seinem Spätwerk nochmal ein Highlight hinzu. Mit „Wild at Heart“ hat der 85-Jährige sein drittes und letztes Album im Rahmen der allseits gelobten Zusammenarbeit mit dem Produzenten Rick Rubin veröffentlicht.
„Sweet Caroline“, „Rhinestone Cowboy“ – man hat seine großen Hits im Ohr. Neil Diamond gehört zur DNA der US-amerikanischen Popmusik, polarisiert dabei, die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Erste sind auf jeden Fall in der Überzahl, wovon rund 150 Millionen verkaufte Tonträger zeugen. Diamond hatte 18 Top-10-Alben und landete fast 40 Top-40-Singles, von denen zehn Platz 1 erreichten. Der Mann ist Grammy-Preisträger und in der Rock’n‘ Roll Hall of Fame, durfte miterleben, wie sein Leben und seine Musik in dem erfolgreichen Broadway-Musical „A Beautiful Noise“ für die Bühne umgesetzt wurden. Und auch ein Film über ihn – das Musikdrama „Song Sung Blue“ mit Hugh Jackman und Kate Hudson – gibt es mittlerweile über ihn.
anzeige
Diamond, immerhin auch schon 85 Jahre alt, könnte es sich also gemütlich machen und einfach stolz auf sein Lebenswerk blicken, hat aber offenbar immer noch richtig Lust, Musik zu veröffentlichen. Das „Machen“ ist seit seiner Parkinson-Diagnose schwieriger geworden, das Touren hat er aufgegeben.
So legt er nun sein 35. Studioalbum vor, sechs Jahre nach dem bis dato letzten, „Classic Diamonds“, damals mit dem London Symphony Orchestra aufgenommen. „Wild at Heart“ ist dabei sein erstes Studioalbum seit „Melody Road“ (2014), das ausschließlich mit neuem, oder eher: bis dato unveröffentlichtem, Material bestückt ist. Eine Zusammenarbeit mit Produzenten-Legende Rick Rubin.
Zum dritten Mal mit Rubin
Diamond machte erstmals 2005 mit Rubin für das Album „12 Songs“ gemeinsame Sache. Die Kollaboration verlief so gut, dass Diamond unbedingt wieder mit Rubin zusammenarbeiten wollte. „Home Before Dark“ aus dem Jahr 2008 war ein enormer kommerzieller Erfolg (sein erstes Nummer-1-Album in den US-Billboard-Charts) und erntete breite Anerkennung bei den Kritikern.
Nun also, der dritte Streich. „Wild at Heart“ ist eine Sammlung von zehn Songs, die ursprünglich während der Aufnahmen zu „Home Before Dark“ entstanden ist. Als Diamond dieses Material kürzlich wieder aufgriff, nahm er sich die Zeit, neun Songs auszuarbeiten, die nun erstmals veröffentlicht werden, und schloss das Set mit einer alternativen Version von „Forgotten“ ab, das ursprünglich auf „Home Before Dark“ erschien.
Das kann das neue Album
Auf der neuen Platte zeigt sich Diamond in einer nachdenklichen, philosophischen Stimmung, dennoch wirken die Songs zutiefst persönlich. Dazu tragen auch die intimen, reduzierten Arrangements bei. In „Shine On“ rät der Sänger seinem Sohn, „niemals an sich selbst zu zweifeln“ und „zu singen, was man im Inneren fühlt“. Das großartige, an seine Glanzzeit in den 1960er Jahren erinnernde „You Can’t Have It All“ ist auch heute noch von vorausschauender Aktualität, wenn Diamond fragt: „Was ist los mit der Welt? Kann sich nicht jeder um sich selbst kümmern?“
Als bekannter Meister der Liebeslieder erweitert Diamond sein Repertoire mit „The Secret You“ und „You Still Look Good To Me“ um weitere Titel, während „Talking It To Death“ und „Forgotten“ die rockigere Seite einer Liebe erkunden, die in die Brüche gegangen ist. „You’re Getting To Me“, „You’re My Favorite Song“, „You Never Know“ und der Titelsong enthalten klassische Diamond-Hooks; die Darbietungen strahlen jedoch eine warme Intimität aus, die das Gefühl vermittelt, als würde er im Wohnzimmer des Hörers auftreten.
Die kraftvollen Lyrics werden durch Diamonds charakteristischen, leidenschaftlichen Gesang getragen, stimmlich kann sich der Mann in seinem fortgeschrittenen Alter immer noch hören lassen. Denn auch bei diesen Aufnahmen war der Gute ja schon weit in seinen Sechzigern. Da kann sich so mancher jüngerer Kollege eine Scheibe von abschneiden.
anzeige



