Großer Rummel im Tiefenthaler Kunstkabinett: Wolfgang Niedecken schaute bei der Vernissage zur Thomas-Duttenhoefer-Ausstellung „Begegnung“ vorbei, in der auch ein Bronze-Porträt von ihm zu sehen ist.
Es gab eine Person, die konnte man an diesem Sonntagmorgen in Tiefenthal eigentlich nicht wirklich aus den Augen verlieren, selbst im dichtesten Gedränge nicht: Wolfgang Niedecken. Der BAP-Sänger und Chef war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit immer der Nukleus, das Zentrum inmitten einer Menschentraube. Hier ein Autogramm, da noch ein Foto, dort noch ein „Wolfgang, ich bin dein größter Fan“. Niedecken erfüllte alle an ihn herangetragenen Wünsche mit einer Engelsgeduld, nahm sich Zeit für einen kleinen Plausch, unterschrieb brav, was ihm vorgelegt wurde, zeichnete sogar, wenn ihm ganz frech auch noch „Vorschriften“ gemacht wurden, wie er denn nun bitte zu unterschreiben habe („Mal mir doch noch was, Wolfgang, mit Datum, und Tiefenthal bitte auch noch dazu schreiben“). Ganz egal, ob ihm höflich einer vorher „Hallo“ gesagt hat oder ihm einfach stumm ein Blatt Papier vor die Nase hielt.
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Kein Problem. Niedecken ist 75 Jahre alt, mit der kölschen Rock-Band BAP seit einem halben Jahrhundert im Geschäft, der Mann ist Profi und weiß, was zu tun ist, wenn er ein leeres Blatt vor sich sieht. Eine deutsche Musiklegende, und einer, der solche Bäder in der Menge, in der wirklich jedes Autogrammanliegen bearbeitet wird, trotz der Hitze, auch eigentlich nicht mehr nötig hätte. Es ehrt ihn, dass er sich diese Nahbarkeit erhalten hat. „Die Leute kommen extra her, drücken damit ja auch aus, dass sie einen gut finden. Dann mache ich das gerne“, sagte er zur RHEINPFALZ.
Niedecken als Stargast
Niedecken war der Stargast der Vernissage, die große Attraktion, gleichzeitig aber ging es gar nicht um seine Kunst, sondern um die des in Speyer geborenen Bildhauers Thomas Duttenhoefer. Er hat die Bronze gewordenen Porträts von Schauspieler Mario Adorf, Regisseur Edgar Reitz und eben Wolfgang Niedecken angefertigt, die jetzt in Tiefenthal erstmals zusammen zu sehen sind. Niedecken, das gibt er ehrlich zu, kannte Duttenhoefer nicht, als die Anfrage, sich von ihm porträtieren zu lassen, an ihn herangetragen wurde. Durch Wolfgang Thomeczek, den Betreiber des Kunstkabinetts in Tiefenthal. Er brachte Duttenhoefer schon mit dem Weltstar Adorf zusammen, jetzt mit der kölschen Rock-Legende.
„Ich habe ihn einfach gefragt, und zwar nicht über Whatsapp oder per E-Mail, sondern persönlich. Ich hatte ihn in Zürich bei seiner Dylanreise erlebt und hatte ihn einfach angesprochen“, so der Galerist. Duttenhoefer sei schnell Feuer und Flamme gewesen: „Das mach ich, der hat einen guten Kopp.“ Und auch Niedecken konnte sich dem Überredungsscharme Thomeczeks nicht entziehen.
Thomeczeks Dringlichkeit
Sicher, es werden immer wieder mal Anfragen an ihn herangetragen, so Niedecken zur RHEINPFALZ. Es komme oft vor, dass er für Events angefragt werde oder Leute möchten, dass er mit ihnen einen Song aufnimmt. „Das könnte ich alles gar nicht machen, da wäre ich nur noch unterwegs“, so Niedecken, der solche Anfragen daher meist höflich ablehnen müsse. Bei Thomeczek habe ihn aber die Dringlichkeit der Anfrage überzeugt, der Mann habe es ernst gemeint, es sei ihm unheimlich wichtig gewesen. Niedecken, der selbst ja auch Kunst studiert hat, habe im Gespräch mit Thomeczek schnell gemerkt, dass dieser jemand sei, der Ahnung habe und wisse, wovon er rede. „Ich habe ihm dann vertraut, dass er mich da keinem Stümper anvertraut.“
Von dem Modellstehen für Duttenhoefer, das im November 2025 in Tiefenthal stattfand, sei er dann begeistert gewesen. Er habe da die längste Pirouette seines Lebens gedreht, erzählte Niedecken den rund 320 Zuhörern. „Er hat mir gesagt, wo ich zu stehen habe und ich mich nur bewegen soll, wenn er es mir sagt. Ich kann gut gehorchen, also habe ich das dann gemacht. Das hatte was Meditatives. Und ich war beeindruckt, ihm bei der Arbeit zuzuschauen“, so Niedecken. Auch Duttenhoefer lobte im Talk, den die Historikerin Mirjam Verhey-Focke vom Gerhard-Marcks-Haus Bremen moderierte (die auch die Laudatio auf Duttenhoefer hielt), sein Modell, er habe eine positive Stimmung verbreitet, sei sehr umgänglich gewesen. Das habe er schon anders erlebt und beeindruckte das dann mit einer Marcel-Reich-Ranicki-Imitation.

„Verdamp lang her“ auf dem E-Cello
Für die Musik sorgte an diesem Tag, der unter dem Motto „Begegnung“ stand, nicht Niedecken selbst, sondern der Komponist und Cellist Burkhard Maria Weber, der auf seinem E-Cello unter anderem eine gelungene Version von „Verdamp lang her“, dem größten BAP-Hit, zum Besten gab. Zumindest im zweiten Anlauf, da es beim ersten zu technischen Problemen mit dem Sound kam. Lob und Schulterklopfer vom BAP-Boss gab es später dennoch, garniert mit ein paar tröstenden Worten ob der streikenden Technik: „Du glaubst gar nicht, was uns live schon alles passiert ist.“
Einen Vorschlag, wen sich Wolfgang Thomeczek und Thomas Duttenhoefer denn als Nächstes vornehmen könnten, hatte Wolfgang Niedecken gleich auch noch parat, wenn auch augenzwinkernd: „Wie wäre es denn mit Paul McCartney?“ Das wäre ohnehin einer, den er, schon immer großer Beatles-Fan, noch unbedingt mal treffen wolle. Thomeczek flachste zurück: „Mein Englisch reicht dafür wahrscheinlich nicht aus.“
Info
Die Ausstellung „Begegnung“ im Kunstkabinett Tiefenthal läuft noch bis zum 30. August. Neben den Porträts sind auch Fotos von Rainer Feser zu sehen, der das Projekt dokumentierte. Geöffnet samstags/sonntags von 11 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung, Telefon 0171 5775690.
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