10cc kommen nach Worms. Gründer Graham Gouldman spricht über das Songschreiben, den Erfolg der britischen Band und darüber, warum ihn Trends kalt lassen.
Graham, Sie gehören zu den wenigen Musikern, bei denen die Eltern sofort begeistert waren, als es darum ging, den Beruf zu ergreifen.
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Ja, das ist korrekt. Meine Eltern haben erkannt, dass ich ein musikalisches Talent hatte und auch eine gewisse Besessenheit. Und sie merkten, dass ich furchtbar in der Schule war und mir wohl keine akademische Karriere vergönnt war.
Es gab also nie einen Plan B?
Nein, mir war immer klar, dass ich mein Leben mit dem Musikmachen verbringen wollte. Selbst wenn ich einen regulären Job hätte finden müssen, hätte ich wohl irgendwie in einer Pub-Band gespielt.
Bevor Sie den Durchbruch mit 10cc hatten, haben sie als Songwriter für andere eine Reihe großer Hits geschrieben. Was war Ihr Geheimnis?
Ja, ich wollte zwar immer auch in einer Band spielen, war aber auch ganz happy als beschäftigter Songwriter. Aber eine magische Formel hatte ich nicht, da gab es kein Geheimnis. Ich schrieb einfach, was ich fühlte und zum Glück gefiel das anderen Künstlern so sehr, dass sie die Songs aufgenommen haben.
Viele Songwriter sagen: Es ist viel einfacher, als junger Mensch Songs zu schreiben, weil man da noch sehr viel intensiv erlebt.
Das mag in gewisser Weise stimmen. Über Liebe schreibt man als junger Mensch ganz anders. Ein bisschen unmittelbarer. Als älterer Herr könnte ich jetzt keinen Song mehr darüber schreiben, wie ich eine Frau in der Bar sehe und sie gerne kennenlernen möchte. Ich schreibe im Alter lieber etwas philosophischer. Die Texte haben heute mehr Tiefe, sind nicht mehr so simpel. Aber der Schreibmechanismus ändert sich nicht.
Finden Sie es seltsam, dass Künstler heute mehrere Songwriter für einen Song haben?
Ja, das ist schon komisch. Ich glaube, viele Songs haben heute auch nicht mehr diese Langlebigkeit wie Nummern aus den 1960ern oder 1970ern.
Wird KI das Songwriting verändern?
Das hat es schon. Ich habe immer Angst, dass ich mal einen Song gut finde und ihnen meinen Musikerkollegen zeige und sich dann rausstellt: ist KI. Bisher höre ich die Künstlichkeit noch heraus, irgendwann wird das wohl nicht mehr so sein. Aktuell ist es zu perfekt. Seelenlos. Die meisten Leute werden es wohl akzeptieren, der Geist ist aus der Flasche.
Ist es leicht, einen Song aus der Hand zu geben? Gab es mal einen Fall, bei dem der Interpret ihn dann total verhunzt hat?
Ja, wenn damals die Hollies oder Yardbirds angefragt haben, fiel mir das sehr leicht. Natürlich gab es auch die anderen Fälle, bei denen mir die Aufnahme nicht gefallen hat, aber da nenne ich keine Namen, da bin ich Gentleman.
10cc war dann für Sie der große Game-Changer. Wussten Sie gleich, dass sie da etwas Magisches haben? Oder wurden sie vom Erfolg überrascht?
Überrascht waren wir nicht, wir hatten großes Zutrauen in uns. Die Chemie hat zwischen uns einfach wunderbar gepasst.
Ihr seid nie einem Trend hinterhergelaufen. War das schwierig? Das eine oder andere Label hätte es doch sicher gern gesehen.
Uns war immer egal, was die Plattenfirmen dachten. Wir ließen uns da nicht in die Arbeit quatschen. Wir hörten auf niemanden, wir orientierten uns an niemandem, auch nicht am Radio. Ich finde, nur so kann ja auch Zeitloses entstehen. Man darf sich nicht daran orientieren, wie ein Song für TikTok oder das Radio zu sein hat, sondern muss seinem Gefühl folgen.
„I’m Not In Love“ ist hierzulande Ihr bekanntester Song. Welches Verhältnis haben Sie zu ihm?
Ein großartiges! Ich finde es toll, dass er immer noch im Radio gespielt wird und die Leute ihn hören wollen, dass er in Filmen, Serien und Theaterstücken verwendet wird. Die Nummer war sehr gut zu uns. Ich verstehe es nicht, wenn manche Künstler sagen, dass sie keine Lust mehr auf ihre Hits haben. Das sind verdammte Idioten.
Ist es wahr, dass der Song es fast nicht aufs Album geschafft hätte?
Es gab tatsächlich eine Debatte um die erste Version des Songs, die hat nicht funktioniert. Daher haben wir den Track ein zweites Mal aufgenommen.
Sie haben mal gesagt, dass es der Band gut getan hätte, im Übergang von den 1970ern in die 1980er, wenn sie ihren Stil geändert hätte. Wie meinen Sie das?
Es ist damals viel passiert. Kevin Godley verließ die Band 1976, das hat viel verändert. Auch das Musikbusiness veränderte sich, aber wir taten das nicht. Unser Musikstil war damals nicht mehr so gefragt. Wir waren nicht mehr synchron mit dem Zeitgeist. Das passiert aber irgendwann den meisten Bands.
Im Gegensatz zu vielen Bands aus den Siebzigern sind mit Ihnen und Rick Fenn noch wenigstens zwei Langzeitmitglieder mit am Start.
Ja, das stimmt. Wir verkaufen damit immer noch die Hallen aus, kommen gerade von einer erfolgreichen Konzertreise in England. Das ehrt uns, das macht uns stolz, dass die Leute 10cc immer noch hören wollen.
Ihr habt auch ein neues Album am Start, wie man hört. Das erste seit 1995.
Ja, wir sind zu 75 Prozent damit fertig. Es soll 2027 auf den Markt kommen. Wir hatten die Idee vergangenes Jahr, nach einer Performance bei BBC. Ein Video daraus, unser Song „I’m Not In Love“, generierte sieben Millionen Views. Da kam dann ein Label danach auf uns zu und fragte uns, ob wir nicht Lust auf eine neue Platte hätten.
Hören wir daraus schon Songs in Worms und Baden-Baden?
Nein, wir testen sie noch nicht vor Publikum. Wir fokussieren uns auf die Hits, dazu ein paar Alben-Tracks und ein paar kleine Überraschungen.
Zur Person
Graham Gouldman, 1946 in Broughton geboren, ist ein britischer Komponist und Musiker. Er schrieb Hits wie „No Milk Today“ (Hollies) oder „For Your Love“ (Yardbirds), ehe er dann ab 1972 mit der Rockband 10cc selbst im Rampenlicht stand. Ihr gelangen Evergreens wie „I’m Not in Love“ und „Dreadlock Holiday“.
Termin
10cc spielen am Donnerstag, 24. September, 20 Uhr, im Wormser Theater. Es gibt noch Tickets.
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