Laith Al-Deen (foto: Joel Heyd (earMusic))

Laith Al-Deen im Interview: „Da biegen sich mir heute leicht die Nägel“

Seit etwa 25 Jahren steht Laith Al-Deen auf der Bühne. Benjamin Fiege erklärt er, warum sein größter Hit „Bilder von Dir“ es im Radio schwer hatte und was seine Jubiläumsplatte ausmacht.

Laith, Sie feiern jetzt mit Jubiläumsplatte und -konzert 25 Jahre auf der Bühne. Dabei ist das Debütalbum doch schon 2000 erschienen …

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Ja, es stimmt immerhin so in etwa (lacht). Tatsächlich wollten wir zum 20-Jährigen etwas starten, da kam dann aber leider Corona dazwischen. Wir hatten jetzt einfach alles, was wir uns für das Jubiläum vorgestellt hatten, fertig. Und statt nun bis 2030 zu warten, haben wir uns entschlossen, das ungefähre Vierteljahrhundert zu feiern. Bestmöglich.

Egal ob 25 oder 26 – es ist auf jeden Fall eine krasse Zeit im Pop, in der viele Künstler ja nur eine Halbwertszeit von gut fünf Jahren haben. Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als sie auf das Vierteljahrhundert zurückgeblickt haben?

Es ist ein bisschen wie beim Altern selbst. Man fühlt es nicht. Wenn man so auf die Song-Historie zurückschaut, denkt man natürlich: Meine Güte! Es ist wirklich viel zusammengekommen. Beim Herumstöbern in alten Fotos ist mir auch klar geworden, wie viele Events ich komplett vergessen habe. Tatsächlich haben wir in den ersten Jahren auch viel verfeiert. Das möchte ich zwar nicht missen, bin aber trozdem froh, dass wir das nicht bis heute durchgezogen haben. Da wurde viel Raubbau betrieben. Aber ich schaue mit großer Demut auf die Jahre zurück.

Was ist denn Ihr Erfolgsgeheimnis in Sachen Langlebigkeit?

Es ist wichtig, in den Momenten, in denen es schwierig wird, nicht zu verzweifeln. Ich hatte das Glück, wirtschaftlich okay aufgestellt zu sein. Es ging immer irgendwie. In einem freien, künstlerischen Beruf muss man aber immer damit rechnen, dass es Phasen gibt, in denen nichts oder wenig reinkommt. Berühmtheit oder Bekanntheit und Wirtschaftlichkeit gehen nicht immer Hand in Hand. Man muss durchhalten und sich den Spaß bewahren.


Was waren denn Ihre schwierigsten Zeiten? Und waren die megaerfolgreichen auch die besten?

Die Highlights sind schwer zu markieren, weil sie immer wieder stattfinden. Mein Gig am Brandenburger Tor zu Silvester etwa. Oder: Auf der Tour vergangenes Jahr habe ich Leute getroffen, die seit 25 Jahren – ungefähr (lacht) – dabei sind. Ihre Kinder haben zu meiner Musik geheiratet – wie die Eltern selbst. Das erfüllt mich mit Stolz. Mein Lowlight war sicherlich mein Burnout, das ich erst spät als solches erkannt hatte. Es hat dann auch lange gedauert, mich wieder zurück ins Leben zu schleichen. Und natürlich hatte ich Phasen, in denen ich mich gefragt habe: Ist das, was ich da tue, das, was ich immer wollte? Wieviel von mir steckt in dieser Pop-Version? Das sind Fragen, die man sich mit jedem Album stellt.

Sie kommen eigentlich aus dem Heavy-Metal-Bereich. Ehe es dann so richtig mit der Popkarriere losging …

Ja, der Heavy Metal hat nie so richtig angefangen (lacht). Dio und Iron Maiden in der Eberthalle, das waren meine ersten Konzerte, Mitte der Achtziger. Genauso wollte ich sein, mit Gitarre und viel Nebelmaschine auf der Bühne. Meine ersten Bands waren dann auch eher hart unterwegs. Mangels musikalischer Qualität konnten wir das nie so wirklich auf den Punkt bringen. Dann haben wir uns aufs Covern verlegt, womit auch der Einstieg in die lokale Musiklandschaft gelang. Dabei ist der Metal verloren gegangen.

Reüssiert haben Sie im Pop. Am Anfang hat es Sie schwer gestört, wenn man Sie in die Soul-Schublade gepackt hat. Haben Sie den Kampf gegen die falsche Einordnung dann irgendwann aufgegeben?

Es war sogar noch abstruser! Ein Freizeit-Magazin nannte mich mal „Soul-Rapper“! Bei der „Komet“-Preisverleihung steckte man mich in die Hip-Hop-Kategorie, weil es eine für Pop nicht gab. Ich habe eine Weile dagegen angekämpft, aber man wird müde. Scherzhaft habe ich mal in einer Pressemitteilung behauptet, eine rockige Platte gemacht zu haben. Prompt landete das Ding bei iTunes unter „Rock“. Die nächste wurde unter „Schlager“ gelistet. Eigentlich sind diese Zuschreibungen immer für den Arsch.

Eine Zuschreibung, die Sie umarmt haben, war die des „Schmusepapsts“. Das stand sogar auf Ihren Flyern!

Ein Fan schrieb mir den Begriff mal in das Gästebuch meiner Homepage! Ich hab das mal in einem Interview aufgegriffen. Und dann schrieb es in Luxemburg der Veranstalter auf einen Flyer. Ich fand das witzig. Das Wort „Papst“ ist in dem Zusammenhang eine Auszeichnung. Das Schmuseoberhaupt! Wie könnte ich was dagegen haben? (lacht)

„Bilder von Dir“ ist der größte Hit von Ihnen. Ist es wahr, dass es schwierig war, den Song im Radio zu platzieren? 

Ich war damals noch bei Sony, genau wie Xavier Naidoo. Der diente damals in Sachen Herangehensweise ein bisschen als Blaupause. Bis man gemerkt hat, das kann man nicht so leicht übertragen. Man musste Gas geben bei den Videos, damit sie auf VIVA, MTV und VH1 gespielt würden. Der Funk aber stellte sich an. Für die war offenbar deutschsprachige Musik per se Schlager und den wolle doch keiner hören, hieß es. Am Ende war mein Glück, dass ich den Song in einer Rückblick-Sendung von „Big Brother“ spielen durfte, danach haben sie ihn auch zum Untermalen von Szenen verwendet. Und auch in Sportsendungen wurde das Lied genutzt. Erst ab da kam das Radio um den Song nicht mehr herum. 15 Wochen nach Veröffentlichung! Und da lief er dann 22 Wochen lang in der Rotation. Was uns in die verzwickte Situation brachte, keine zweite Single nachschieben zu können.

Gab es vor dem Hintergrund die Überlegung, komplett ins Englische zu wechseln? 

Ja, das war immer ein Gedanke. Es ging bei mir ja mit Englisch los, es waren meine Produzenten, die mir vorgeschlagen haben, auf Deutsch zu singen. Irgendwann beisst man sich fest, findet seinen Stil, seinen Duktus. Bis heute will ich das Englische aber zumindest nicht komplett aufgeben.

Für Ihre Jubiläumsplatte haben Sie jetzt 15 Songs ausgewählt, die Sie neu interpretiert haben. Ich nehme an, „Bilder von Dir“ stand zuerst fest. Wie schwer war es, sich auf die anderen festzulegen?

Au contraire! Es war tatsächlich die letzte Nummer, die wir willentlich mit drauf genommen haben, weil die Frage im Raum stand: Braucht es eine zweite Version? Es ist doch eigentlich ein sehr zeitloses Lied. Aber es war tatsächlich ein schwieriges Unterfangen. Ich hatte am Ende 30, 40 Lieder, die ich gerne drauf gepackt hätte.

Lernt man etwas Neues über sich, wenn man sich mit dem eigenen Katalog beschäftigt?

Es wird einem auf jeden Fall bewusst, welche Phasen es gebraucht hat, um sich weiter zu entwickeln. Oder um überhaupt eine Entwicklung zu durchlaufen. Das ist spannend. Das geht einher mit persönlichen Geschichten, Beziehungen, meinem Burnout, und auch Fans, denen man begegnet.

Und das Fazit: Alles Perlen im Katalog? Oder gibt es auch Songs, die so heute nicht mehr gingen?

Ich würde gern sagen: Alles Perlen. Aber: Anfang der 2000er Jahre war es irgendwie en vogue, die Aussprache unheimlich deutlich zu halten. Bei „Dein Lied“ habe ich das „d“ mehr wie ein „t“ ausgesprochen, das wurde teils extra reingeschnitten. Da biegen sich mir heute leicht die Nägel.

Sie haben für das Best-Of die Songs nicht nur neu aufgenommen, sondern auch neu gedacht, Streicher und Bläser hinzugefügt. Sind da jetzt Aufnahmen dabei, die jetzt näher an dem Ideal sind, das Sie sich einst mal vorgestellt haben?

Die Frage stelle ich mir auch schon die ganze Zeit! Der Song „Mit mir“ ist mittlerweile runtergebrochen auf eine beatlose Ballade im leichten Road-Movie-Stil. Das Original war eher housig angelegt, eine der Nummern, bei denen live viel getanzt wurde. Jetzt ist es ein leiser Song. Es geht um jemanden, der verstorben ist. Speziell da habe ich mich gefragt, ob die Nummer jetzt näher an ihrem Kern ist. Aber ich finde: Sie ist es nicht. Es geht immer darum, was man fühlt. In der alten Version wurde eher die Erinnerung an die Person gefeiert, jetzt liegt der Fokus eher auf der Trauer, aber ganz ohne Melodramatik. Ich würde die Überarbeitung eher als Weiterentwicklung begreifen, beide Versionen haben ihre Berechtigung.

2027 wollen Sie auch auf Jubiläumstour gehen. Die Termine sind noch nicht bekannt. Wird es aber Konzerte in der Region geben?

Ja, es wird Heimspiele geben, unbedingt! Der Südwesten muss dabei sein. Wir bauen gerade unseren Tourplan, das ist immer spannend. Vorher bin ich aber noch Ende diesen Jahres mit meinem Freund Christoph Melzer unterwegs, auf gemütlicher Weihnachtstour, auch im Südwesten.

Abschließende Frage: Was ist eigentlich aus Hilde geworden, Ihrer Jägermeister-Maschine, die sie auf Tour im Bus immer dabei hatten?

Es gibt sie noch. Wir hatten den Jägermeister nach zehn Jahren, in denen wir ihn immer vor dem Konzert getrunken haben, aufgegeben und sind auf Rum umgestiegen, der ist bekömmlicher und vom Veranstalter leicht organisierbar. Da hat dann „Hilde“ ihren Platz im Bus verloren. Sie lagert nun im Keller, wird aber oft ausgeliehen.

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