Angela Aux (foto: Michael McKee)

My Soundtrack: Angela Aux

Mit „Schöne Replikantin” hat Angela Aux einen letzten Vorboten auf sein neues Album „Das Nichts macht Kopien von sich selbst“ veröffentlicht, das am kommenden Freitag erscheinen wird. Der Song ist eine Liebeserklärung an das unbekannte Gerät – an all die Maschinen, die sich einmal niemand hätte vorstellen können und die heute einfach da sind, so nah wie ein Hirnschrittmacher, so selbstverständlich wie das Handy als ausgelagertes Gedächtnis. Angela Aux macht aus dieser stillen Gewöhnung ein bizarres Liebeslied: Das intimste Gegenüber ist nicht mehr ein Mensch, sondern die Technik selbst, mit der man aufwacht, einschläft und der man sich anvertraut, ohne sie je wirklich zu verstehen. Musikalisch trägt der Song das mit samtiger Leichtigkeit vor, mit dem warmen Retro-Schimmer von Air und dem trägen, hypnotischen Groove von Khruangbin. Reinhören lohnt sich – und reinlesen. Und zwar in diese My-Soundtrack-Episode, die wir mit dem Musiker aus dem Chiemgau, der eigentlich auf den Namen Florian Kreier hört, auf die Beine gestellt haben.

Carambolage – Tu doch nicht so 

Bester 80ies Punk-Vibe: roh, wild und eigensinnig. Möglicherweise die erste FLINTA-Band Deutschlands, absurd wie unbekannt diese Songs und dieses Album sind. Britta Neanders, Elfie-Esther Steitz-Praekers und Angie Olbrichs Leben liefern Stoff für fünf ARTE-Dokus: aus dem militanten Berlin der 70er im Ton-Steine-Scherben-Umfeld nach Fresenhagen (wo die Platte entstand, mit Elfies Bruder Lanrue und Rio Reiser) und zurück nach Berlin. Trotz gut produzierter Folge-Alben nie den völlig verdienten Legenden-Status erreicht. Schick es allen, die du kennst. 

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Ton Steine Scherben – Allein machen sie dich ein 

Ich könnte jeden Song der ersten drei Scherben-Alben nehmen, aber dieser ist besonders wichtig. Eine Hymne für den DIY-Aufstand, wie immer brilliant getextet und mit unfassbarer Dynamik. Die haben das so eingespielt, kann sich heute niemand mehr vorstellen. Nimmt mich immer mit und wird in alle Zeiten passen, solange es Menschen gibt. Manchmal ist es schwer nachvollziehbar, dass er nicht auf allen Demos der Welt läuft. Ton Steine Scherben: die wichtigste Band aller Zeiten. 

Die Sterne – Nüchtern 

Vereint alles, was ich an den Sternen liebe: wirkt wie aus dem Ärmel geschüttelt, bis man versucht, es nachzuspielen. Kenne niemanden, der Lethargie besser singen und texten kann als Frank Spilker, in diesem Song (der leider kaum live gespielt wird) praktisch formvollendet. Wie immer zeitlos produziert, wirkt heute ziemlich visionär in seiner LoFi-HipHop-Ästhethik. Damals vielleicht Anlass für Nörgeleien gewesen, heute glitzert es umso schöner im Gehörgang. Let the haters hate!

Liliput – DC10 

Wenn das Riff reinkommt, beginnt mein Gehirn zu glühen. Ich will aufspringen und einen Tisch zerhacken. Wie gut kann die Mischung aus lauten Gitarren und schleppenden Drums sein? Unfassbar toll gespielt, immerhin auch in einer Zeit, in der man alles zusammen selbst einspielen musste. Ich zeig den Song seit 20 Jahren allen Menschen, die ich gern mag, aber leider ohne Effekt. Vielleicht kenn ich nicht die richtigen Menschen im Musikgeschäft? Wäre ein weiteres Indiz für diese These. 

La Düsseldorf – Time 

Einziges Exponat aus meinem Lieblings-Genre Krautrock. Aber es geht eben um die treffende Verbindung aus Text und Musik hier. In dieser Kategorie sind La Düsseldorf allein auf weiter Flur, auch weil sie einen Korridor von Kraut nach Punk entwickelt haben. Kaum überbietbare Energie an den Drums: Klaus Dinger ist natürlich trotzdem in fast jedem Land bekannter als in Deutschland. Sagt das was über die zeitgenössische Popmusik aus? Ich denke schon, aber wir werden sehen. 

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