Tony Carey (foto: Fiege)

Live: Tony Carey in Bensheim – Der Storyteller

Erst Teil von Rainbow, später Solo-Artist: Tony Carey hat in seiner Karriere schon viel erlebt. In Bensheim  konnte man seinen Songs und seinen Geschichten lauschen.

Es muss sich zunächst wie ein Sechser im Lotto angefühlt haben. Der große Ritchie Blackmore, einer der besten Gitarristen seiner Zeit, Mitbegründer von Deep Purple, wollte ihn, den noch jungen und unerfahrenen Keyboarder Tony Carey unbedingt in seiner Band haben. Rainbow, gerade frisch aus der Taufe gehoben. Blackmore hatte ihn zufällig proben gehört und wollte, dass der junge Amerikaner in seiner Kapelle in die Tasten griff. Der kam zwar gar nicht aus dem Rock- oder gar Hard-Rock-Bereich, steckte mit seinem eigenen Bandprojekt trotz Plattenvertrag aber in einer Sackgasse – und sagte deswegen zu.

anzeige

Wenn Tony Carey heute auf seine Zeit bei Rainbow blickt, ist er zwar nicht verbittert, sagt aber: „Das war ein Scheiß-Move für meine Karriere.“ Rainbow wurden zwar nie so groß wie Deep Purple, spielten aber vor Kulissen, vor denen Carey vorher noch nie performt hatte. Und das Album „Rising“, das Carey mit Rainbow einspielte, war durchaus ein gutes. Doch: Die bandinternen Spannungen waren groß. Blackmore gilt in der Branche eh als schwierig. Carey deutete in Interviews an, dass die Zusammenarbeit mit der britischen Musik-Legende spooky gewesen sei. Der hatte damals nämlich eine Vorliebe fürs Okkulte entwickelt und verpflichtete seine Band an Séancen teilzunehmen, um so mit Geistern in Kontakt treten zu können.

Spannungen auf dem Siedepunkt

Während der Arbeit am Album „Long Live Rock ’n’ Roll“ erreichten die Spannungen ihren Siedepunkt. Die Band hatte sich für die Arbeiten nach Frankreich, in das düstere, angeblich vom Geist seines früheren Bewohners – Frédéric Chopin – heimgesuchte Château d’Hérouville zurückgezogen, rund 30 Kilometer nordwestlich von Paris. Dort sei die Sache so richtig unheimlich geworden. Carey sagt, er habe Angst gehabt, dass jemand zu Schaden kommen könne. So seien ihm nachts brennende Tarot-Karten unter der Tür hindurch geschoben worden. Ohne den Kollegen Bescheid zu geben, verließ er mitten in der Nacht das Château – und damit die Band. Eine Entscheidung, die er nie bereut habe, wie er sagt.

In Bensheim erleben die Fans denn auch einen fast 73-jährigen Mann, der mit sich im Reinen scheint. Für ihn ist es ein Heimspiel, er lebt im Raum Mainz-Wiesbaden. Nach seinem Ausstieg bei Rainbow zog es in nach Deutschland, es gefällt ihm hier. Nach zwischenzeitlichen Ausflügen nach Skandinavien und Frankreich ist er hier sesshaft geworden, hat in den vergangenen fast 50 Jahren im Grunde in allen Ecken der Republik gelebt. „Ich bin ein neugieriger Mensch“, hatte er der RHEINPFALZ  gesagt.

Der Hit aus der Schublade

Ein paar der Fans sind wegen seiner Zeit bei Rainbow zum Konzert gelockt worden. Die T-Shirts und Platten, die sie sich später von ihm signieren lassen, verraten es. Andere natürlich wegen seines Songs „Room with a View“. 1988 wurde der in Deutschland (und vor allem hier) zum Hit, nachdem er in Dieter Wedels Komödien-Dreiteiler „Wilder Westen inklusive“ Verwendung fand. In dem Fernsehfilm wird die Geschichte einer deutschen Familie erzählt, die sich auf einen Road-Trip in die Vereinigten Staaten begibt und dabei abenteuerliche Situationen zu meistern hat. Wer genauer hinhörte, dem wird damals aufgefallen sein, dass „Room with a View“, in dem die Geschichte eines Obdachlosen erzählt wird, der sich aus einem alten Kühlschrankkarton ein Zuhause gebastelt hat, gar nicht so recht zu der Story des Dreiteilers passen wollte. „Als die Filmfirma anfragte, hatte ich den Song schon fertig in der Schublade. Ich habe dann so getan, als würde ich extra noch das Drehbuch lesen. Im Grunde ging der Song so nur durch, weil Dieter Wedel nicht ausreichend Englisch verstand und ihm die Songzeile ,And they say it never rains in LA county‘ schon so gut gefiel.“

„Songs & Stories“ heißt das aktuelle Programm von Tony Carey. Und es sind solche Geschichten, die der Kalifornier, der auch viel mit Peter Maffay zusammengearbeitet hat, in Bensheim erzählte. 15 Songs hatte er im Gepäck, die großen Solo-Hits wie „Room with a View“, „Blue Highway“ und „A Fine Fine Day“ natürlich, auch den einen oder anderen Song aus seinem Planet P Project. Und dazu: ein paar herrliche Cover. Unter anderem „Mustang Sally“ oder „Unchained Melody“. Wahlweise griff der allein auftretende Carey dabei in die Tasten oder zur Gitarre. Das Publikum im Musiktheater Rex in Bensheim: schwer zufrieden, hörten sie doch Songs & Stories von einem, der wirklich was zu berichten hat.

anzeige

Zeen is a next generation WordPress theme. It’s powerful, beautifully designed and comes with everything you need to engage your visitors and increase conversions.

Zeen Subscribe
A customizable subscription slide-in box to promote your newsletter
[mc4wp_form id="314"]
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner