Fabian Köster in Karlsruhe (foto: Fiege)

Live: Fabian Köster in Karlsruhe – „Doch nicht mit dem Baby!“

Der Comedian Fabian Köster ist mit seinem ersten abendfüllenden Programm auf Tour und hat als „Reporter (fast) ohne Grenzen“ am Sonntag im Tollhaus Karlsruhe Station gemacht.

Fabian Köster hat seine Karriere im Grunde der Pegida-Bewegung zu verdanken. Und das kam so. Köster war bei der ZDF-Satiresendung „heute show“ als Autor beschäftigt, allerdings zog es ihn dort recht bald auch vor die Kamera. Nur: Dorthin ließ man ihn zunächst nicht. Als er eines Tages seinen Chef Oliver Welke, auch der Moderator der Sendung, um eine Gelegenheit bat, doch wie der Kollege Lutz van der Horst mal auf einen Außeneinsatz geschickt zu werden, die Redaktion fände die Idee auch spannend, vertröstete Welke ihn auf ein unbestimmtes „Später“. „Er ist dann direkt nach unserem Gespräch zur Redaktion gegangen und hat gesagt: ,Doch nicht mit dem Baby!‘ Das habe ich allerdings erst viel später erfahren“, plauderte Köster aus dem Nähkästchen der erfolgreichen Show, die nun schon seit 2009 über die Mattscheibe flimmert.

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Eines Tages habe sich dann aber doch eine Gelegenheit geboten. Das Team überlegte, am Tag der Deutschen Einheit 2016 jemanden zu einer Pegida-Veranstaltung zu schicken. Ein nicht ungefährlicher Einsatz, Reporter, gerade vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sind auf derlei Events oft nicht gern gelitten. Der jugendlich wirkende Köster trat bei der Veranstaltung daher inkognito als Reporter der Kindersparte von „Russia Today“ auf. Abgesehen davon, dass ihm beim Dreh die Mütze geklaut wurde, überstand er seine Feuertaufe unbeschadet.

An Friedrich Merz beisst er sich die Zähne aus

Seither ist Fabian Köster zusammen mit seinem Kollegen Lutz van der Horst satirischer Außenreporter bei der Sendung, also einer, der Politikern frech auf die Pelle rückt und sie mit unverblümten Fragen und schlagfertigen Repliken auf ihre Antworten nervt. Sozusagen ein Best-Of dieser Einsätze war denn auch ein elementarer Teil der Bühnen-Show Kösters, die ihn am Sonntag nach Karlsruhe führte. Immer wieder zeigte er Einspieler, erzählte Anekdoten dazu und verriet, welche Politiker es quasi magnetisch vor die Kamera der „heute show“ zieht (Karl Lauterbach!) und an welchen er sich immer wieder die Zähne ausbeißt (Friedrich Merz!).

Ihr Fett bekamen dabei alle großen Parteien ab, angefangen von der FDP über die Grünen, SPD, CDU und AfD. Da ging es etwa um die Berndstromberghaftigkeit von Friedrich Merz, den Food-Influencer Markus Söder, den vergesslichen Olaf Scholz, den biestigen Politik-Abschied von Robert Habeck oder Christian Lindner als Autohändler. Dass es ihm dabei aber nicht um Diffamierung, also um Verächtlichmachung geht, betonte Köster klar und deutlich. „Auf die da oben zu schimpfen, das ist leicht. Das kann jeder. Jeder könnte aber auch in die Politik gehen und versuchen, es besser zu machen“, zeigte er auch Verständnis für jene, die sich in dem harten Politbetrieb zu behaupten versuchen.

Klare Kante gegen die AfD

Klare Kante zeigte er aber gegen die AfD. Diese Partei könne keine Alternative für Deutschland sein, stellte Köster ungewohnt ernsthaft klar. Einen Einspieler zu seiner Begegnung neulich mit dem AfD-Politiker Ulrich Siegmund im Landtag in Magdeburg spielte Köster ebenfalls ein. Sie sorgte für Schlagzeilen. Das Gebaren Siegmunds wurde vom Deutschen Journalistenverband als Einschüchterungsversuch gegen Köster eingeordnet. Berichten zufolge soll Köster bei dem Termin auch von AfD-nahen Online-Medien im Landtag quasi verfolgt worden sein. Auf diesen Aspekt ging Köster in Karlsruhe gar nicht wirklich ein, verriet aber, dass die Partei einen Privatdetektiv auf ihn angesetzt habe. Auch die „Süddeutsche Zeitung“ hatte darüber berichtet. Seit er das wisse, gehe er nur noch in Verkleidung aus dem Haus, ulkte Köster und blendete ein Foto ein, dass ihn in Faschingsverkleidung als Lutz van der Horst zeigte.

Zwischen all den Gags warb Fabian Köster immer wieder für die Demokratie. „Wenn das System ,Demokratie‘ heißt, kann man mich gerne Systemhure nennen“, sagte Köster über Anfeindungen von rechts, denen sich er und seine Kollegen immer wieder ausgesetzt sehen. Ein System, in dem man den Mächtigen der Republik unangenehme Fragen stellen kann, ohne dafür im Gefängnis zu landen, das gelte es unbedingt zu verteidigen. Der Blick in andere Länder zeige: Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Dem Applaus im großen Saal des Tollhauses nach zu urteilen stimmte das Karlsruher Publikum da zu.

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