Wiedersehen mit Herrn Lehmann: In „Frankie und Freddie“ lässt Musiker und Autor Sven Regener seinen wohl berühmtesten Protagonisten wieder von der Leine. Mit seinem Bruder wird Lehmann auf eine Odyssee durch das Westberlin des Jahres 1980 geschickt. Der Roman ist soeben bei Galiani erschienen.
Westberlin im Jahr 1980. Eine Stadt zwischen zwei Welten, ein Ort, der eine unheimliche Anziehungskraft ausübt, aber auch eine Kälte ausstrahlt eine gewisse Absurdität in sich trägt. Eine Stadt, die einem einen gewissen Trotz, einen Überlebenswillen, abverlangt. Auch Frankie und Freddie Lehmann, zwei Brüder aus Bremen, sind an diesem unwirklichen Ort gelandet.
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Während Frankie seit Wochen damit beschäftigt ist, in Kreuzberg Fuß zu fassen, will Manfred lieber weiterziehen nach New York, einem Kunststipendium wegen. Er musste aber erst einmal am Kudamm im Probandenhotel wohnen und als Versuchskaninchen für Antidepressiva herhalten. Das hat durchaus so seine Spuren hinterlassen. Jetzt, einen Tag vor Heiligabend, hat er Angst vor Menschen, kann nicht mehr U-Bahn fahren und verliert eine wichtige Tasche. Die mit seinen Reiseunterlagen. Es beginnt eine Irrfahrt durch Westberlin, die unter anderem in eine Apotheke, ein Restaurant und einen Weihnachtsmarkt führt, um die Dokumente wiederzufinden.
Neuer Beitrag zum „Herr Lehmann“-Kosmos
2001 schickte Sven Regener (Element of Crime) seinen „Herr Lehmann“ in die Welt. Ein Bestseller, und auch der Nukleus eines ganzen Herr-Lehmann-Roman-Universums, zu dem nun sieben Romane gehören. „Frankie und Freddie“ ist nun der jüngste Wurf. Natürlich schadet es nicht, die vorherigen Bücher gelesen zu haben, man weiß das Werk dann noch etwas mehr zu schätzen und hat ein besseres Verständnis. Wer aber unbedingt mit „Frankie und Freddie“ einsteigen möchte, kann dies auch tun.
„Frankie und Freddie“ kommt mit keinem komplexen Plot daher, interessant sind hier eher die Atmosphäre und die Zwischentöne, genauer: die Zeichnung des Brüder-Verhältnisses, die Dynamik zwischen den Geschwistern, das Nachdenken über existenzielle Fragen und den Umgang mit Erwartungen. Das ist das, was den Roman im Kern ausmacht. Regener trifft dabei wie immer den richtigen Ton, mit seinen atemlosen Wurmsätzen, überzeugt auch gerade in den Dialogen, die direkt aus dem Leben gegriffen scheinen. Wie immer bei Regener stimmt die Balance zwischen Melancholie und Humor. Die Story mag nicht rasant sein, aber sie ist maximal unterhaltsam.
Lesezeichen
Sven Regener – „Frankie und Freddie“. Galiani Verlag 2026, 279 Seiten, 24 Euro.
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