Giant Rooks (foto: Fiege)

Live: Giant Rooks in Schwetzingen – Fürchterlich perfekt

Giant Rooks gehören zur Stunde zu den vielversprechendsten deutschen Bands – und aktuell auch zu den erfolgreichsten Pop-Exporten des Landes. Am Mittwoch machte die Band aus Hamm in Schwetzingen bei „Musik im Park“ Station.

Es ist schon eine Seltenheit, wenn eine deutsche Band auf der anderen Seite des großen Teichs für Furore sorgt. Die Scorpions kommen einem in den Sinn, klar, Rammstein, Kraftwerk, zeitweise auch mal Nena. Es ist ein überschaubares Feld.

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Seit einigen Jahren schickt sich aber auch eine Band aus der westfälischen Provinz an, in dieser Riege genannt zu werden: Giant Rooks. Die Band trat schon in USA, Kanada, Mexiko, Kolumbien, Peru und Argentinien auf, zum Teil als Support Act für Louis Tomlinson, für Ende 2026 ist aber auch eine eigene Headliner-Tour durch Lateinamerika geplant.

Der eine oder andere Fan konnte die Südamerika-Tour aber offenbar nicht abwarten. „Was? Ihr seid den ganzen Weg gereist, um uns zu sehen? Aber wir kommen doch zu euch“, war Sänger Frederik Rabe in Schwetzingen verblüfft, als er  im Publikum zwei Fans aus Brasilien und Chile ausmachte. Damit waren gefühlt mehr Chilenen und Brasilianer als Schwetzinger anwesend. Denn als Rabe von der Bühne „Schwetzingen! Wo seid ihr? Ich will eure Hände sehen“, gingen erstmal kaum Hände hoch. „Das ist nie passiert“, witzelte Rabe danach und konnte dann mit „Mannheim!“ und „Heidelberg!“ das Gros des Publikums dann schon besser verorten.

International anschlussfähig

Dass es am Mittwochabend keine südamerikanischen Temperaturen hatte, lag daran, dass pünktlich zum Konzertbeginn ein laues Lüftchen durch den Schlosspark wehte. Eine Brise, für die sowohl Band als auch Zuschauer dankbar waren. Denn zur Musik von Giant Rooks muss man sich einfach bewegen, wer hier still hält, hat die Musik nie geliebt. Schnell wird auch dem uninformierten Festivalbesucher klar, warum die Band mit ihrem Mix aus Indie-Pop und Rock international so anschlussfähig ist.

Und das im Grunde von Sekunde eins. Als Vorband von AnnenMayKantereit und Von wegen Lisbeth gestartet, ist die Gruppe mittlerweile selbst ein Besuchermagnet. Schon das Erstlingsalbum „Rookery“ (2020) hinterließ Eindruck, der Musikexpress nannte es damals ein „fürchterlich perfektes Debüt“. Ja, da ist schon Hochglanz dabei, aber das ist im Falle von Giant Rooks kein Makel. Die Band schafft es trotz der Politur, unheimlich authentisch zu klingen und auch zu wirken.

Natürlich fand sich in Schwetzingen der eine oder andere Song aus dem Erstlingswerk auf der Setlist. „What I Know Is All Quicksand“, „Wild Stare“ oder „Heat Up“ etwa, Nummern, bei denen die Fans gut mitgingen. Auch „Pink Skies“, „Fight Club“ oder „Somebody Like You“ aus dem zweiten Album „How Have You Been?“ wurden gefeiert.

Dass sich eine Band gerade in ihrer absoluten Blütezeit befindet, merkt man daran, dass die Fans nicht nur die alten Songs fordern, sondern auch hungrig nach neuem Material sind. Auch diesen Test bestanden Giant Rooks. Neue Songs wie „Slow Dance“, „The Waves“ oder „The Future Is Cancelled“ wurden ebenso frenetisch bejubelt wie die bekannten Klassiker.

Voller Einsatz

Die Band genoss es sichtlich, in Zeiten verkürzter Festival-Sets zwischendrin mal wieder ein richtiges, eigenes Konzert zu spielen, bei dem es nicht darum ging, neue Fans zu gewinnen, sondern die, die man hat, maximal zu bespaßen. Die Kapelle, allen voran Frontmann Rabe, zeigte vollen Einsatz und überbordende Spielfreude.

Am Ende gab es noch drei Zugaben. Einen Song – „Mia & Keira“ – spielte die Band dabei sogar spontan, weil sie im Publikum einen verdienten Fan entdeckten, von dem sie wussten, dass ihm der Song gefällt. Und dann: noch einmal Abriss mit „Watershed“. Der optimale Abschluss eines fürchterlich perfekten Konzerts.

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