Uriah Heep (foto: Fiege)

Live: Uriah Heep in Schwetzingen – Der letzte Vorhang

2500 Zuschauer jubelten am Freitagabend in Schwetzingen bei „Musik im Park“ Uriah Heep zu. Auch wenn der eine oder andere vor Ort überrascht schien, dass sich die Band seit ihren goldenen Jahren doch stark verändert hat.

Es ist eine Frage, die man sich heutzutage oft stellt, wenn man Konzerte von Rockbands besucht, die in den 1970er-Jahren große Nummern waren: Ab wann ist eine Band ihre eigene Coverband? Sind Foreigner wirklich noch Foreigner, obwohl kein einziges Gründungsmitglied mehr aktiv ist? Sind die Prog-Ikonen von Yes noch Yes? Und, aus aktuellem Anlass: Sind Uriah Heep wirklich noch Uriah Heep?

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Gut, bei Uriah Heep hat es immerhin noch den Gitarristen Mick Box, der von Beginn an, seit 1969, ununterbrochen mit von der Partie ist. Viele ehemalige Mitglieder, unter anderem Sänger David Byron, haben bereits das Zeitliche gesegnet. Immerhin ist die aktuelle Besetzung  in den Schlüsselpositionen mittlerweile einigermaßen stabil, Sänger Bernie Shaw ist nun auch schon seit 1986 der „Neue“ am Mikro. Die goldenen Zeiten, so ehrlich muss man sein, waren da aber auch schon vorbei.

Wieviel Uriah Heep steckt noch in Uriah Heep?

Die 1970er, das war die Zeit, für die Uriah Heep stehen, keine Frage. Da waren die Briten echte Publikumsmagnete, Pioniere des Hard Rock, die man in einem Atemzug mit Kollegen wie Deep Purple und Led Zeppelin nennen konnte. Dass jene heute im Regal über Uriah Heep eingeordnet werden, liegt eben auch am Personal-Tohuwabohu bei letzteren, das mit dem großen Erfolg einherging.

Schauen wir also für den Rest des Artikels gnädig darüber hinweg, dass allzu viel Uriah Heep gar nicht mehr in Uriah Heep steckt, sondern nehmen wir die Situation an, wie sie ist. Dass der eine oder andere Zuhörer ob der Personalsituation überrascht war, kann man nun auch nicht nur der Band anlasten, immerhin hätte man ja auch die Zeit gehabt, sich zu informieren. Seit 1986 wäre Zeit gewesen. Und ob nun eigene, glorifizierte Tribute-Band oder nicht: Die Herren haben abgeliefert. Und das nicht zu knapp. Allen voran Bernie Shaw, immerhin auch schon 70 Lenze zählend. Der Mann ist noch erstaunlich gut bei Stimme für sein Alter, da schauen jüngere Kollegen wie Axl Rose oder Jon Bon Jovi neidisch aus der Wäsche. Und das, obwohl auch er ja schon vor Jahrzehnten durchaus mal so seine Probleme mit seinem Stimm-Organ hatte.

13 Songs hatten Uriah Heep am Freitagabend in Schwetzingen in petto, klar, dass bei insgesamt 25 Alben, die die Band im Laufe ihrer langen, glänzenden Karriere veröffentlicht hat, so einiges ausgeklammert wurde. Mit „Sweet Lorraine“, „Sunrise“ und ihrem Titelsong war die Platte „The Magician’s Birthday“ aus dem Jahr 1972 am stärksten vertreten. Sicher nicht das stärkste Uriah-Heep-Machwerk, aber da die aktuelle Abschiedstournee den Namen „The Magician’s Farewell“ trägt, ergab das durchaus Sinn.

2500 Zuschauer am Start

Gekommen waren die rund 2500 Zuschauer aber natürlich wegen anderer Titel. „Gypsy“ war so einer, live immer noch ein Brett. Genau wie „Easy Livin’“. Besonders magisch aber war die Atmosphäre bei „July Morning“ und, klar, „Lady in Black“, das die Jungs zunächst als Akustiknummer begannen, um es dann so richtig von der Leine zu lassen. Stark. Das Publikum stimmte in den Song denn auch lautstark mit ein, ein wunderbarer Moment.

Die Songs aus der jüngsten Platte „Chaos & Colour“ (2023), „Save Me Tonight“ und „Hurricane“, machten Laune, konnten in Sachen Publikumsreaktionen aber natürlich nicht mit den Klassikern mithalten.

Nach zwei Zugaben war dann Sense. Sie waren der  Schlussstrich unter einen gelungenen, energiegeladenen Abend, zu dem übrigens auch Mother’s Finest ihren Teil  beitrugen. Die Band aus Atlanta (Georgia), mit Unterbrechung auch schon seit 1970 am Start, gab den Anheizer und begeisterte die Schwetzinger mit Hits wie „Baby Love“. Ein schöner Nostalgie-Kick. Die Band um Joyce „Baby Jean“ Kennedy ist zwar auch nicht mehr komplett in Originalbesetzung unterwegs, im Kern aber immer noch die Mannschaft von damals.

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