Valerie June (foto: jacob blickenstaff)

Valerie June

Valerie June ist eine Künstlerin, die die Grenzen zwischen musikalischen Genres und Dekaden verwischen will. Das Ergebnis ist eine eigenwillige Melange aus Folk, Soul, R&B, Country, Blues und Pop, den selbst Größen wie Bob Dylan zu schätzen wissen. Eine Würdigung.

Ja, richtig gelesen. Als Bob Dylan, mittlerweile durch einen Nobelpreis gekrönter Songwriter-König, 2017 in einem Interview gefragt wurde, welche zeitgenössischen Künstler er denn so höre und respektiere, nannte Good Ol‘ Bob auch Valerie June. Ein Ritterschlag. Und es ist natürlich auch die Verkörperlichung des amerikanischen Traums, wie sich die frühere Reinigungskraft zu einer der spannendsten Songwriterinnen der USA empor gearbeitet hat. Gleichzeitig fragt man sich, warum die Frau denn nicht noch viel bigger ist. Wahrscheinlich wäre sie das auch, wenn sie nicht selbst zwischendurch immer wieder auf die Breme treten würde. Es vergehen gerne mal vier Jahre, ehe sie mit neuer Musik um die Ecke kommt. Kommerz ist nicht der Anspruch dieser wahrhaften Künstlerin. Ein guter Song muss reifen.

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Die frühen Jahre

Valerie June wurde am 10. Januar 1982 in Jackson, Tennessee, geboren. Vier Geschwister sollten später noch folgen. Wie so viele Künstler aus der Gegend war auch für June die Gospel-Musik ein früher Einfluss. Zudem brachte ihr Vater sie früh mit Soul und R&B in Berührung. Der Mann besaß einerseits eine Baufirma, bei der June sich als Teenager ein paar Dollar dazu verdiente, promotete aber auch Gospel-Musiker. June brachte sich selbst bei, Gitarre zu spielen, schrieb schon früh eigene Songs, versah aber ganz gerne traditionelle Songs mit ihrem eigenen Stempel.

Ihre ersten Auftritte hatte June mit 19: Gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann Michael Joyner bildete sie das Duo Bella Sun. 2004 erschien mit „No Crystal Stair“ sogar ein Album des Ehepaars. Nachdem die Ehe in die Brüche ging, schlug June auch musikalisch Solo-Pfade ein, zunächst als herumziehende Straßenmusikerin. Sie verband dabei Gospel, Blues und Appalachian Folk zu einer „organic moonshine roots music“, wie sie es selbst gern nannte. Immer wieder machte sie zu jener Zeit auch mit dem Broken String Collective in Memphis gemeinsame Sache.

June veröffentlichte zwei Alben, „The Way of the Weeping Willow“ (2006) und „Mountain of Rose Quartz“ (2008), von denen aber kaum jemand Notiz nahm. Aufmerksamkeit erregte sie aber schließlich 2009, als sie mit Kollegen wie Al Kapone oder Muck Sticky in der MTV-Webserie „5$ Cover“ gefeatured wurde, die sich mit dem Alltag von Musikern aus Memphis befasste. 2010 erschien ihre EP „Valerie June and the Tennessee Express“.

Pushin‘ Against a Stone

Danach nahm die Karriere von Valerie June endlich ein bisschen Fahrt auf. 2011 startete sie eine Kickstarter-Kampagne, um ein neues Album aufzunehmen – und wurde dem Produzenten Dan Auerbach (The Black Keys) vorgestellt, mit dem sich das Vorhaben auch in die Tat umsetzen ließ. Die Platte, die letztlich den großen Durchbruch für June bedeuten sollte, erschien am 13. August 2013. Sie war auch Junes Debüt auf dem Label Concord, bei dem sie nun unter Vertrag stand. Junes einzigartiger Stil schlug ein wie eine Bombe. Sie wurde von „Tennessees best gehütetem Geheimnis“ zu Amerikas interessantestem Nachwuchstalent, wie es die New York Times umschrieb. Plötzlich sah man sie im TV, in der „The Tonight Show“, „The Late Show“, „Austin City Limits“ oder „Later… with Jools Holland“ beispielsweise. June bespielte große, ehrwürdige Bühnen, tourte mit Sharon Jones & The Dap Kings oder Norah Jones, spielte im Hyde Park mit den Rolling Stones – und Michelle Obama lud sie ins Weiße Haus ein. 

Zwischenzeitlich fand June 2012 aber auch die Zeit. mit dem Produzenten John Forte für die sogenannten „Water Suites“ zu kollaborieren. Danach ging es ausgiebig auf Tournee.

The Order of Time

June machte sich, den Erfolg des Vorgänger-Albums im Rücken, selbstbewusst an die Arbeit an Album Nummer vier. Sie vertiefte sich ins Songwriting, soll mehr als 100 Songs geschrieben haben, von denen es am Ende zwölf auf „The Order of Time“ schafften. Gemeinsam mit Produzent Matt Marinelli nahm sie die Tracks im dörflichen Guilford, Vermont, auf. Abseits der Hektik ihrer neuen Wahlheimat Brooklyn. Die Platte erschien am 10. März 2017. Das ihr zugrunde liegende Motiv: das Thema „Zeit“. Dass diese das einzige Konstante im Leben eines Menschen ist, gleichzeitig aber ständig im Fluss – dieses Phänomen übte eine große Faszination auf June aus. „Die Zeit herrscht über den Rhythmus der Erde“, so June damals in der Album-Promo. Sie sei gleichzeitig unendlich und endlich, heilt alle Wunden und tötet. Mit der Gleichzeitigkeit der Dinge wurde June denn auch während der Aufnahmen konfrontiert. So lernte sie ihren Baby-Neffen kennen, als sie das Krankenhaus verließ, in dem gerade ihr Vater verstorben war. Dem Herrn Papa sind gleich mehrere Songs auf dem Album gewidmet, außerdem hört man ihn auf der Single „Shakedown“.

The Moon and Stars: Prescriptions for Dreamers

Ihren Vier-Jahres-Rhythmus behielt June auch zwischen „The Order Of Time“ (2017) und „The Moon and Stars: Prescriptions for Dreamers“ bei. Die Platte, die am 12. März 2021 erschien, war eine Ode an das Träumen, ein Appell, das Träumen zuzulassen, Energie daraus zu schöpfen. „Ich glaube, wenn wir uns erlauben würden, wie Kinder zu träumen, dann wird in uns wieder das Licht angezündet, das wir alle in uns tragen und das uns hilft, diese gewisse Magie in unserem Leben zu haben“, so June in der Album-Promo. Das Album, das sie gemeinsam mit Jack Splash produziert hatte, war etwas experimenteller als gewohnter. So vereinte June hier Roots Music, Gospel, Folk, Country, Blues Soul mit modernem R&B. Dazu gab es Afrobeats, experimentelle Psychedelia-Klänge oder wahlweise orchestrale Streicher-Arrangements von Tony Visconti auf die Ohren. Highlight des Albums: der Titel „Call Me A Fool“, bei der Stax-Legende Carla Thomas gefeatured wird.

DISCOGRAPHY

2006: The Way of the Weeping Willow
2008: Mountain of Rose Quartz
2013: Pushin‘ Against a Stone
2017: The Order of Time
2021: The Moon and Stars: Prescriptions for Dreamers

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