Pearl Jam in Frankfurt (foto: Fiege)

Live: Pearl Jam in Frankfurt

Nach 30 Jahren sind Pearl Jam nach Frankfurt zurückgekehrt. Beim zweiten Auftritt der US-Amerikaner in der Main-Metropole jubelten ihnen 13.000 Zuschauer in der Festhalle zu. Sie sahen eine Band, die sich deutlich weiter entwickelt hat – aber tief im Herzen immer noch das Grunge-Gefühl trägt.

Eddie Vedder ist ein Überlebender. Ein Überlebender  des Grunge. Aber der Pearl-Jam-Frontmann  fühlt ihn noch, diesen dem Genre so ureigenen Weltschmerz. Anders als viele seiner früheren Kollegen der Szene hat er diesen aber nie in  selbstzerstörerischer Art und Weise zu  betäuben versucht. Er hat ihn stattdessen musikalisch und künstlerisch kanalisiert.

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Viele seiner Kollegen und Freunde  aus den 1990er-Jahren sind an diesem Weltschmerz zugrunde gegangen. Kurt Cobain (Nirvana) und Soundgardens Chris Cornell nahmen sich das Leben,  Layne Staley (Alice in Chains) und Scott Weiland (Stone Temple Pilots) gingen an ihrer Drogensucht kaputt. Eddie Vedder ist noch da,  und schon diese Tatsache rechtfertigt den großen Applaus, als Vedder – einen Moment später als seine Band – die Bühne der ebenso schmucken wie  ausverkauften Frankfurter Festhalle betritt. 

Weltschmerz als Bedingung

Der Weltschmerz im Grunge, er war meist mehr als bloße Behauptung, er war oft sogar Bedingung. Zuletzt haben ihn Pearl Jam wieder sehr tief gespürt, wie ihr jüngstes Album „Gigaton“ (2020) gezeigt hat. Es war Studioalbum Nummer elf, wahrscheinlich das experimentellste im umfangreichen Katalog der Band, sieben Jahre hatten sie daran herumgeschraubt. Und in dieser Zeit sind natürlich einige Themen aufgekommen. Trump, schmelzende Gletscher – da war genug, an dem sich die Band wütend abarbeiten konnte.

Gleich vier Songs aus „Gigaton“ haben Pearl Jam an diesem Dienstagabend mit auf die Setlist gepackt.   Darunter auch das wohl mutigste Stück der neuen Platte, die Single „Dance of the Clairvoyants“, über die der Musikexpress schrieb:  „Sie klang, als habe Eddie Vedder bei The Gossip angeheuert.“ Ein wilder Mix aus New Wave, Post-Punk und Disco, ganz gut, aber schwer verdaulich für Fans der ersten Stunde. Weiß natürlich auch Eddie Vedder: „Mal schauen, ob ihr mit diesem Beat etwas anfangen könnt“, ruft er den Fans keck zu. Können sie. Live hat das Stück ganz schön Wucht. „Buckle Up“ bleibt an diesem Abend eher eine Randnotiz, die Punkrock-Hommage „Never Destination“ hätte auch den frühen Pearl Jam gut zu Gesicht gestanden . Das gefühlige „River Cross“ schafft es sogar in den Zugaben-Block und fühlt sich da nicht fehl am Platz an. Eddie Vedder greift bei diesem Song sogar in die Orgel-Tasten, leitet den Song mit ein paar frustriert-melancholischen Worten zum Ukraine-Krieg, aber auch zum Abtreibungsurteil in den USA ein.  

Das Unerwartete erwarten

Gegenüber den bisherigen Konzerten ihrer Europa-Tournee haben Pearl Jam die Setlist kräftig durcheinandergewirbelt. Da halten sie es wie Springsteen. Klar, an manchen Songs kommt man in so einer Nacht nicht vorbei, ansonsten darf man bei solchen Kapellen aber auch immer das Unerwartete erwarten. „Inside Job“ (als Opener) und „Fatal“ schaffen es auf dieser Tournee das erste Mal auf die Setlist. Auch das Pink-Floyd-Cover „Interstellar Overdrive“ überrascht, ebenso wie das Weglassen von Klassikern wie „Black“ oder „Even Flow“. 

Dafür geht die Halle natürlich bei den anderen großen Hits der Band steil: „Jeremy“, „Better Man“ und natürlich die großartige Hymne „Alive“, die sich nach zwei Jahren Pandemie auch noch mal mit ganz anderen Ohren hören lässt. Die Zuschauer feiern sich bei letzterem Song auch dann selbst und das Leben noch mal explizit, der eine oder andere lässt sich auf den Händen anderer Konzertbesucher durch die Menge tragen. Wäre auch ein passender Schlusspunkt gewesen. Diese Ehre gebührt an diesem Tag aber dem schwermütigen „Indifference“ – wie es sich eben für eine legendäre Grunge-Band gehört. Das würdige Finale einer schweißtreibenden, rund zwei Stunden langen Show, bei der sich Vedder und Band in Top-Form präsentiert haben.

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