Eigentlich ist das selbstbetitelte Debütalbum von Snocaps ja schon vergangenen Oktober erschienen. Zumindest digital. Jetzt liegt aber auch endlich die physische Veröffentlichung des gelungenen Erstlingswerks der Crutchfield-Schwestern vor.
Snocaps – hinter diesem Namen verbergen sich die Schwestern Allison und Katie Crutchfield. Auch wenn da jetzt „Debütalbum“ draufsteht, ist es nicht das erste Mal, dass die Geschwister gemeinsam Musik machen. Die Zwillinge waren schon zusammen von 2007 bis 2011 unter dem Namen P.S. Eliot unterwegs, spielten Pop-Punk und veröffentlichten zwei Alben („Introverted Romance in Our Troubled Minds“, 2009, und „Sadie“, 2011). Danach widmeten sie sich eigenen Projekten. Katie rief das Indie-Projekt Waxahatchee ins Leben, Allie begann Swearin‘ und verlegte sich später dann auf eine Solokarriere.
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Ihr Solodebüt als Snocaps veröffentlichten die Crutchfield-Schwestern, mit Unterstützung von ihren Freunden Brad Cook (der auch produzierte) und MJ Lenderman (beide waren übrigens schon bei „Tigers Blood“ mit von der Partie), im vergangenen Oktober. Überraschend. Ohne großes Tamtam im Vorfeld. Offenbar hatten die Zwillinge schon seit 2023 mit der Idee gespielt, wieder gemeinsam Musik zu machen, also sogar noch bevor das Waxahatchee-Album „Tigers Blood“ (2024) das Licht der Welt erblickte.
Indie-Rock statt Punk
Die Kritiker waren voll des Lobes, und das auch zurecht. Der Sound der 13 dargebotenen Stücke ist weniger Pop-Punk als vielmehr im melodischen Indie-Rock beheimatet, irgendwo im Spannungsfeld zwischen Waxahatchee und Swearin‘. Die Damen zitieren sich also irgendwo selbst – und das ist auch völlig in Ordnung so.
Zu den Glanzlichtern gehört das an die Go-Betweens erinnernde „Heathcliff“, die Alt-Country-Nummer „Wasteland“ sowie das rockige „Brand New City“. Auch der Lo-Fi-Opener „Coast“, ein Musik gewordener Road-Trip, das bluesige „I Don’t Want To“ und der Harmoniegesang bei „Angel Wings“ bleiben haften. Auf „You in Rehab“ wird es dann sogar nochmal schön punkig. Beide Schwestern haben übrigens beinahe gleich viele Songwriter-Credits, Allison hat sieben Songs verfasst, Katie sechs. Allisons Songs sind dabei die eher rockigeren, kantigeren.
So toll die Platte auch ist: Allzu sehr sollte man sich nicht an Snocaps gewöhnen beziehungsweise auf regelmäßige Releases hoffen. Zwar hat die Band Ende 2025 noch ein paar Shows gespielt, jetzt liegt das Projekt erst einmal wieder auf Eis und Allison und Katie machen, was Allison und Katie eben so machen. Allerdings, und das ist auch klar, werden die beiden als Duo wiederkehren. Irgendwann. Irgendwie.
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