Sean Solomon hat den Reset-Knopf gedrückt – und mit „The World Is Not Good Enough“ nun endlich sein lang erwartetes Debütalbum vorgelegt. Die Platte ist bei seiner neuen Label-Heimat ANTI-Records erschienen.
Man hat eine Weile nichts von Sean Solomon gehört. Der Kalifornier, der eine Weile der Sub-Pop-Gruppe Moaning am Mikrofon vorstand, hatte sich rar gemacht, nachdem die Band nach zwei Alben auf unbestimmte Zeit pausierte. Es galt, so einiges aufzuarbeiten. Denn Solomon hatte einiges aufzuarbeiten, unter anderem eine vergangene Drogensucht, die ihm mit 15 Jahren eine Psychose einbrachte
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Vielleicht waren die eigenen Erwartungen an sich selbst immer zu groß. Solomon, im San-Fernando-Valley aufgewachsen, und großer Fan von Daniel Johnston, Elliott Smith und Nirvana, spielte – mit einer gewissen Punk-Haltung im Gepäck – mit seiner Highschool-Band, der Folk-Punk-Gruppe Moses Campbell, überall in Los Angeles und organisierte ihre Shows selbst – in Coffeeshops, Häusern und im legendären DIY-Club The Smell. Als dann mit Moaning Schicht im Schacht war, ergab er sich erst einmal seinen Gefühlen. Seine Hoffnungen auf eine Welt des Überflusses zerbrachen an der Realität zerbrachen. Eine Weile fühlte der Sänger-Songwriter und Animator nur noch Leere.
Kunst als Ventil
Dann besann er sich aber eines besseren, begriff, dass künstlerischer Ausdruck ein Ventil sein – ein Weg, die Welt zu begreifen und Gemeinschaft zu schaffen. Und so machte er sich an die Arbeit an seinem Solo-Debütalbum „The World Is Not Good Enough“, für das er rund zwei Jahre lang Songs schrieb. Acht sind es am Ende geworden, und die weisen eine gewisse Bandbreite auf: aufs Wesentliche reduzierten Akustikgitarre stehen hier gleichberechtigt neben einer an Neutral Milk Hotel erinnernden Kakophonie aus Marschtrommeln und Hornstößen.
Die Stücke enthalten Gastbeiträge von der ebenfalls mit Sub Pop verbundenen Musikerin und ehemaligen Mitbewohnerin Shannon Lay an Backing Vocals und Gitarre sowie vom Produzenten Jarvis Taveniere (Whitney, Purple Mountains, Waxahatchee), der das Album produzierte und außerdem Bass und einige Percussion-Parts einspielte.
Solomon gibt sich melancholisch
Der Vibe: eher nachdenklich. Melancholisch. Der Sound: zumeist aufs Wesentliche reduziert. Zu Glanzlichtern gehört das eindringliche „Black Hole“, in dem Solomon seine drogenbedingte Psychose verhandelt. „Overdose“ kommt – anders als der Titel vermuten lässt – eher gesellschaftskritisch daher, nimmt die US-amerikanische Selbstsüchtigkeit ins Visier. „Car Crash“ erzählt von einem Autounfall, den Solomon hatte, kurz nachdem er sich endlich entschied, einen Führerschein zu machen. „Shooting Star“ handelt von Isolation und „Finish Line“ befasst sich mit dem Thema „Karriere“ und vermeintlichen „Traumjobs“, vor allem aber mit zerplatzten Träumen. Der Blick Solomons richtet sich auf dieser Platte also sowohl nach außen als auch nach innen.
Übrigens: Das Albumcover stammt so wie die sehenswerten Animationsvideos zu den Tracks ebenfalls von Sean. Es ist eine augenzwinkernde Version eines Richard-Scarry-Buchcovers und spiegelt die kognitive Dissonanz wider, die das gesamte Album durchzieht, das sich mühelos von einer „Ich habe an diese Bücher gedacht und daran, wie sie eine idyllische Version der Welt zeigen“, sagt Sean. „Ich fand den Kontrast zwischen dem Titel und den Bildern irgendwie lustig. Auf der Rückseite führt zum Beispiel ein Hund einen Hund spazieren, oder ein Elefant trinkt mit seinem Rüssel aus einer Kaffeetasse. Es hat Spaß gemacht, diese Kinderbücher zu studieren und darüber nachzudenken, wie meine eigene Version davon aussehen würde.“
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