Waxahatchee (foto: christopher good)

Waxahatchee

Authentisch – das ist ein Begriff der in Zusammenhang mit der Musik von Waxahatchee immer wieder fällt. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich das Solo-Projekt der US-amerikanischen Singer-Songwriterin Katie Crutchfield, das man irgendwo im breiten Spannungsfeld zwischen Pop und Punk verorten muss. Eine Würdigung.

„Katie Crutchfield drohte ein Leben als ewiger Geheimtipp und wandelndes Rock-’n‘-Roll-Klischee“, schrieb die „Die Zeit“, als Waxahatchee 2020 ihr fünftes Studioalbum veröffentlichten. Doch nicht nur die Wochenzeitung konstatierte: Die Gute hat offenbar die Kurve gekriegt. Crutchfield hat sich nun selbst auch neu erfunden – ihre Musik war ohnehin schon immer Transformationen unterworfen.

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Die frühen Jahre

Katie Crutchfield (geboren am 4. Januar 1989) hat ihr Indie-Rock/Indie-Folk-Projekt nach dem Waxahatchee Creek in Alabama benannt, an dem sie aufgewachsen war. Schon früh schrieb sie ihre eigenen Songs – Vorbilder: R.E.M., Neko Case, Lucinda Williams, The Velvet Underground -, versuchte sich aber auch mit ihrer Zwillingsschwester Allison in den Punk-Bands The Ackleys (eher Punk-Rock) und P.S. Eliot (eher Punk-Pop). Als letztere sich 2011 auflöste, entschied sich Crutchfield, solo Musik zu machen. Sie zog sich ins Landhaus ihrer Eltern zurück, wo sie an den Songs arbeitete, die später auf ihrem Debütalbum landen sollten.

American Weekend

Das ließ denn auch nicht lange auf sich warten. Ein bisschen Akustik-Gitarre, tief schürfende, aufwühlende Lyrics – das waren die Zutaten, aus denen sich Waxahatchees Debütalbum „American Weekend“ zusammensetzte, das am 12. Januar 2012 bei Don Giovanni Records erschien. Der Legende nach hat Katie die Songs inmitten eines Blizzards geschrieben. Einsam. Isoliert. Entsprechend intim sind diese Lo-Fi-Aufnahmen ausgefallen. Crutchfield wird hernach immer wieder mit Größen wie Liz Phair verglichen. Ein Glanzlicht der Platte: der Song „Be Good“, der später auch von Singer-Songwriterin Emily Kinney gecovert wurde.

Cerulean Salt

Zum Musizieren in den Keller gehen – das war tatsächlich das Motto bei den Arbeiten am Album „Cerulean Salt“, das am 5. März 2013 erscheinen sollte. Unterstützung bekam Katie hier von der Gitarren-Pop-Kapelle Swearin‘, zu der nicht nur ihre Schwester Allie, sondern auch ihr damaliger Boyfriend Keith Spencer und Kyle Gilbride, mit dem sie hier und da auch als Duo unterwegs war, gehörten. Der thematische rote Faden: das Erwachsenwerden, Jugend, Coming-of-Age. Crutchfield damals zu „Pitchfork“:  „Es geht vor allem darum, zu realisieren, dass die deine Kindheit vorbei ist, dass deine Unschuld weg ist. Als Kind ist man immer fröhlich, alles ist gut. Und dann merkt man irgendwann: So wird es, so werde ich nie wieder sein. Das ist existenziell.“

Mehrere Magazine, etwa „Spin“ oder der „Rolling Stone“, hatten die Platte auf ihren Jahresbestenlisten. Nach dem Release trennte sich Crutchfield von ihrem Label Don Giovanni Records. Allerdings freundschaftlich, wie es hieß.

Ivy Tripp

Selbstkontrolle. Ehrlichkeit. Orientierungslosigkeit. Das sind die großen Themen, mit denen sich Crutchfield auf ihrem Album Nummer drei auseinandersetzte. „Ivy Tripp“, erschienen am 3. April 2015 auf Merge Records, wurde von Kyle Gilbride (Wherever Audio) bei Katie zu Hause aufgenommen. Nur das Schlagzeug nicht. Um das einzuspielen, ist man in die Sporthalle der lokalen Grundschule ausgewichen. Über den Titel des deutlich poppigeren Albums sagte Crutchfield in einer Pressemitteilung: „Das ist ein Begriff, den ich erfunden habe, um die Orientierungslosigkeit zu beschreiben, mit der 20-somethings, 30-somethings, 40-somethings von heute zu kämpfen haben. Ihnen ist der Weg nicht mehr so vorgezeichnet wie noch ihren Großeltern.“ Das zusätzliche „p“ von „Tripp“ ist dabei einem Freund gewidmet, der zuvor verstorben war.

Out in the Storm

Mit „Out In The Storm“ legte Waxahatchees am 14. Juli 2017 ihr viertes, ziemlich gitarrenlastige Album vor. Katie Crutchfield beschäftigte sich auf der neuen Platte mit brisanten Situationen und wie man sie kontrolliert. Es ging ihr hier auch viel um eigene Fehler, die Akzeptanz des eigenen Imperfektion. Als Produzenten holte sich Katie diesmal John Agnello an die Seite, der schon mit Dinosaur Jr. und Sonic Youth zusammengearbeitet hatte. Mit ihm verbrachte sie fast den gesamten Dezember 2016 in den Miner Street Recordings in Philadelphia, ihrer Wahlheimat. Dabei waren auch Katies Schwester Allison Crutchfield am Keyboard und an den Percussions, Katherine Simonetti am Bass, Ashley Arnwine am Schlagzeug und die Tour-Gitarristin von Sleater-Kinney, Katie Harkin. Auf Agnellos Betreiben hin wurde fast alles live eingespielt.

2018 erschienen auch zwei Singles: „After Hours“, ein The Velvet Underground-Cover, und „Farewell Transmission b/w The Dark Don’t Hide It“, eine Verneigung vor Songwriter Jason Molina. Beide Tracks nahm sie gemeinsam mit Kevin Morby auf, mit dem sie seit 2017 zusammen ist.

Saint Cloud

Alkohol, Sucht, Scham und Co-Abhängigkeit – das sind die großen Themen, die Katie Crutchfield auf ihrem fünften Studioalbum „Saint Cloud“ verhandelte. Die Platte erschien am 27. März 2020 und markierte tatsächlich einen Neuanfang: Die Arbeiten begannen nämlich bereits im Jahr 2018, als Crutchfield sich dazu entschloss, endlich trocken zu werden und ein paar schlechte Angewohnheiten abzustreifen, die sie sich über die Jahre on the road so zugelegt hat. Musikalisch ging es auf der von Brad Cook produzierten Platte etwas ruhiger zu. Während  „Out In The Storm“ (2017) und „Ivy Tripp“ (2015) noch von lärmenden Gitarren bestimmt waren, standen beim eher ruhigen Americana-Sound von „Saint Cloud“ Lyrics und Gesang im Vordergrund.

DISCOGRAPHY

2012: American Weekend
2013: Cerulean Salt
2015: Ivy Tripp
2017: Out in the Storm
2020: Saint Cloud

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