Sie gilt als eine der sträflich unterschätztesten Bands der 1980er Jahre: die britische Jazzfunk-Kapelle Level 42. Am Sonntag machte die Gruppe um Ausnahmebassist und Sänger Mark King in Worms Station, um das Jazz-and-Joy-Festival gebührend zu beschließen.
In den 1980er Jahren musste man sich bitteschön schon entscheiden: War man Team Vogelnest? Dann traf man sich, die Haare entsprechend hochtoupiert, mit seinen bleichen Gleichgesinnten in irgendeinem düsteren Tanzschuppen und frönte der Musik von The Cure oder Depeche Mode. Oder war man Popper? Dann schlüpfte man in seine Markenklamotten, kämmte sich nochmal schnell die Tolle zurecht, um dann in einem Club zu Duran Duran, Roxy Music oder Spandau Ballet abzutanzen. Als Rocker schüttelte man seine Mähne je nach Härtegrad wahlweise zu Mötley Crüe, Bon Jovi oder Metallica, als Punker stieß man mit Dosenbier zu den Ärzten, Slime oder den Toten Hosen an.
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Als Fan von Level 42 lief man seinerzeit Gefahr, zu keiner dieser Partys eingeladen zu werden. Denn so richtig kategorisieren ließ sich die Musik der Band lange nicht und das war in einem Jahrzehnt, in dem man es sich in seiner selbst gewählten Schublade so richtig gemütlich machte, schon ein Problem. Zumindest aus vermarktungstechnischer Sicht. Denn mit ihrem Mix aus Jazz, Funk und Pop fanden Level 42 eher so ein bisschen abseits der Jugendkultur statt.
Level 42 passen in keine Schublade
Dieser abwechslungsreiche Mix, der damals Plattenladenbesitzer zur Verzweiflung gebracht hat, weil sie nicht sicher waren, in welches Fach sie die Briten denn nun einordnen sollten, ist heute natürlich wie geschaffen für ein Festival wie das Jazz and Joy in Worms.
Das Publikum, den Eindruck musste man bekommen, bestand an diesem Sonntagabend, anders als in den Tagen zuvor etwa bei Kool & the Gang und ClockClock, nicht überwiegend aus eingefleischten Fans der Band, den Großteil machten augenscheinlich Festivalbesucher aus, die das Konzert einfach mal mitnahmen. Das würde zumindest die konstante Fluktuation erklären und die Tatsache, dass wirklich nur der ganz große Hit der Band eine vernehmbare Reaktion hervorrief.
„Lessons in Love“ funktioniert noch immer
Die Rede ist, klar, von „Lessons in Love“. Die Nummer aus dem Jahr 1986 war hierzulande der erfolgreichste Song der Band, erklomm sogar die Spitze der Singles-Charts. Level 42 hatten sie in den finalen Part des Sets in Worms gepackt, dramaturgisch clever, hier brandete dann erstmals lauter, wenn auch kurzer Jubel auf, hier wurden erstmals auf breiter Basis die Smartphones gezückt, um den Moment für die Ewigkeit festzuhalten und sich das Video danach doch nie wieder anzuschauen.
Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet „Lessons in Love“ damals für Furore sorgte, der eingängige Song markierte die Hinwendung der Band zu einem Sound, der massenkompatibler war, radiofreundlicher, weniger komplex. Lupenreiner Pop eben. Musik für den Mainstream. Die Kasse klingelte, aber die Nummer war seinerzeit auch der Anfang vom Ende des Original-Line-Ups der Kapelle. Die Gründungsmitglieder Phil Gould und Rowland „Boon“ Gould verließen Level 42 wenig später, auch, weil sie mit der neuen, kommerzielleren Stoßrichtung nicht zufrieden waren.
Anderthalb Stunden Party
Auch die anderen beiden, ebenfalls aus der kommerzielleren Phase der Band stammenden Hits, „Something About You“ (aus dem Album „World Machine“, dessen 40. Geburtstag die Band in diesem Jahr feiert) und „Running With The Family“ , wurden in Worms zu Gehör gebracht. Die Reaktion des Publikums: nicht ganz so euphorisch wie bei „Lessons in Love“, aber der eine oder andere, der auch diese Nummern noch kannte, war ohrenscheinlich doch unter den Zuhörern.
Knapp anderthalb Stunden machten Level 42 in der Nibelungenstadt Party. Mark King ist auch mit 66 Jahren noch ganz ordentlich bei Stimme, viel beeindruckender ist aber immer noch sein Slaptechnik geprägtes Bassspiel. King, der eigentlich immer Drummer werden wollte, galt in den 1980er Jahren als einer der besten Bassisten im Pop. In Worms bekam man eine Ahnung davon, warum.
Nach 90 Minuten (inklusive einer Zugabe) war die Sause dann vorbei. Der Auftritt der Briten war ein würdiger Schlussstrich unter ein insgesamt wieder mal gelungenes Jazz-and-Joy-Festival, bei dem eine gute Balance zwischen Nostalgie (Level 42, Kool & the Gang) und Gegenwart (ClockClock) gefunden wurde.
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