Pop-Ikone Madonna bricht auf ihrem 15. Studioalbum „Confessions II“ eine Lanze für die Tanzmusik. Die hätte weit mehr zu bieten als man gemeinhin annehme. Den Beweis tritt die Legende dann auch gleich an.
Vielleicht wäre die Welt ein besserer Ort, wenn alle mal die Klappe halten würden und stattdessen tanzten. Einfach nur tanzten. Die Tanzfläche, da ist sich Madonna sicher, ist als Ort der Begegnung, des Miteinanders unterschätzt. „People think that dance music is superficial, but they’ve got it all wrong. The dance floor is not just a place, it’s a threshold: A ritualistic space where movement replaces language“, singt sie in ihrem neuen Song „One Step Away“. Eine Haltung, die die gesamte Platte durchzieht.
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Es ist Madonnas erstes Album in den 1920er Jahren, ihr bis dato letztes, das zukunftsgewandte „Madame X“, erschien 2019, noch vor der Pandemie. „Bizarr“ war ein Urteil, das so manche Rezensenten damals fällten. „Madame X“ war seinerzeit schwer zu fassen und zu kategorisieren. Bei „Confessions II“ fällt das deutlich leichter: Madonna kehrt zurück zur Tanzmucke, zu EDM, House, Synth- und Disco-Pop, und unterstreicht das, in dem sie inhaltlich und durch den Titel an „Confessions on a Dance Floor“ (2005) anknüpft. Dafür hat sie sich eigens den Produzenten Stuart Price wieder mit ins Boot geholt, mit dem sie schon damals gemeinsame Sache machte. Und um für den maximalen Nostalgie-Faktor zu sorgen, ist Madonna mit der neuen Platte auch zu ihrem alten Label Warner Music zurückgekehrt.
Das kann das neue Album
Madonna will uns zurück auf die Tanzfläche ziehen. „Nobody wants to go outside“, klagt sie in „Everything“. Die Frau möchte das ändern, unter anderem mit Feel-Good-Nummern wie „Love Sensation“, „I Feel So Free“ oder „Good for the Soul“. Für jüngere Generationen anschlussfähig: die Kollaboration mit Sabrina Carpenter auf „Bring Your Love“, die überraschend gut funktioniert. Als hätte sie sich jemanden ausgeguckt, der den Staffelstab künftig weitertragen sollte.
Sommerliche Latin-Vibes versprüht „Read My Lips“ (feat. Feid). Dem gegenüber stehen düstere Songs wie „My Sins Are My Savior“ (feat. Stromae) und „Danceteria“ (nach einem New Yorker Tanztempel aus den 1980ern benannt, in dem für Madonna alles begann) oder das emotionale „Fragile“, das Madonna ihrem verstorbenen Bruder gewidmet hat, mit dem sie sich nach einem langen Streit über sein Enthüllungsbuch erst kurz vor seinem Tod wieder versöhnt hatte.
Familiäres aufgearbeitet wird auch in „Betrayal“, einem Song über die Beziehung zu ihrer ebenfalls mittlerweile verstorbenen Stiefmutter. Und Ex-Mann Sean Penn bekommt in „Bizarre“ sein Fett weg. Mit Tochter Lola Leon singt sie das versöhnliche „The Test“. Die Gitarrenballade „L.E.S. Girl“ ist dann der perfekte Song für den Morgen nach einer ekstatischen Nacht im Club.
Keine Frage: Nachdem sich der eine oder andere über Madonna in den letzten Jahren das Maul zerrissen hat, weil die Frau es gewagt hat, zu altern und sich deswegen nicht ins Schneckenhaus zurückzuziehen, meldet sich die Pop-Ikone mit einem Werk zurück, dass zu ihren besten der letzten 30 Jahre zählt. Ein Album, das alle Lügen straft, die sie schon abgeschrieben hatten. Und bei dem findige Fans unheimlich viele Querverweise auf den eigenen Katalog dechiffrieren dürfen.
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