Deep Purple machen es sich auf ihren Lorbeeren nicht gemütlich, sondern fügen ihrem Alterswerk mit „Splat!“ einen weiteren gelungenen Eintrag hinzu.
Eigentlich müssen sie ja niemandem mehr etwas beweisen. Seit 1968 – mit ein paar Jahren Unterbrechung – sind Deep Purple nun schon unterwegs und haben der Rock-Gemeinde ewige Klassiker wie „Child in Time“, „Black Night“, „Highway Star“ und „Smoke On The Water“ hinterlassen. Statt sich aber einfach aufs Altenteil zurückzuziehen und Gott einen guten Mann sein zu lassen, erleben die Briten derzeit so etwas wie einen drölfzigsten Frühling. Gerade hierzulande. Fünf Alben sind seit 2013 erschienen, vier von ihnen landeten in Deutschland auf Platz eins der Album-Charts. Deutschland ist Deep-Purple-Land.
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Nun also: Studioalbum Nummer 24. „Splat!“ heißt das gute Stück. Zum sechsten Mal arbeitete die Band hier mit Erfolgsproduzent Bob Ezrin zusammen. Die zugrunde liegende Idee ist hier, das „Ende der Menschheit“ in ein Hard-Rock-Album umzumünzen. Dabei geht es nicht um Untergang oder Zerstörung, sondern um Transformation – Metamorphose über die physische Existenz hinaus. Das ist nicht ganz so düster, wie es vielleicht zunächst klingen mag.
Die Härte wiedergefunden
Soundtrechnisch ist eines der härtesten Deep-Purple-Alben seit Jahren herausgekommen. Die Scheibe hat Dichte, Tempo – und jede Menge gelungene Riffs. Deep Purple sprühen dabei vor Spielfreude. Man könnte fast sagen, Deep Purple knüpfen hier konzeptuell ein an ihre große Phase an, auch wenn die Songs nicht mehr so ausladend geraten (kein Song knackt die Fünf-Minuten-Marke) und Sänger Ian Gillan, immerhin auch schon 78 Jahre alt, stimmlich nun nicht mehr in die Extreme geht. Ausdrucksstark ist sein Organ dennoch weiterhin.
Zu den Glanzlichtern gehört unter anderem der Opener „Arrogant Boy“, der einen direkt ins Album reinzieht. Ein temporeicher Hard-Rock-Track mit Bizeps (und einem grandios aufspielenden Don Airey an der Hammond-Orgel), der direkt die Richtung vorgibt, und auch durch sein Storytelling überzeugt. Der Song erzählt von Billy, der weder lesen noch schreiben konnte, mit der Gesamtsituation unzufrieden ist und beschließt, der Elite auf den Sack zu gehen.
Deep Purple beweisen Humor
„Diablo“ – bei dem Keith Urban der Band zur Hand geht – gehört ebenfalls zu den Highlights. Ein klassischer Deep-Purple-Song – die Art von Hard-Rock-Track, die von Riff, Groove und der im Studio eingefangenen Chemie der Band lebt. Bei „Guilt Trippin’“ macht schon die Prämisse Laune: Treffen sich Gott und Charles Darwin auf einen Drink in einem Pub und sinnieren darüber, dass die Entwicklung der Menschheit auf der Erde nicht so ganz nach Plan verlaufen ist.
Dass sie es auch Humor verstehen, beweisen Deep Purple auf der Platte ein ums andere Mal. Meist sitzen die „Gags“ – wie etwa in dem Hard-Rock-Brett „The Rider“, in dem das Rockstar-Gehabe auf den Arm genommen wird. Manchmal aber auch nicht, wie etwa bei „Jessica’s Bra“, von einem Tippfehler auf einer Speisekarte inspiriert, bei dem es leicht onkelig wird. Berührend hingegen: „The Only Horse In Town“, ein musikalisches Gedankenspiel über das Alter.
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