Duran Duran (foto: Fiege)

Live: Duran Duran in Stuttgart – Immer noch stilsicher

Kaum eine Band verkörperte die 80er Jahre so perfekt wie Duran Duran. Dass sie immer noch besser als andere weiß, wie guter Pop funktioniert, bewies sie nun in Stuttgart.

Das Musikvideo mag den Radiostar gekillt haben, aber Duran Duran hat das neue Format Anfang der 1980er so richtig auf die Sprünge geholfen. Vielleicht war es auch umgekehrt, wer weiß das schon so genau. Das Henne-Ei-Prinzip. Auf jeden Fall war das schon eine echte Liebesbeziehung zwischen dem damals noch taufrischen MTV und der Band aus dem englischen Birmingham. Duran Duran hatten mit ihrem Sinn für Mode und Ästhetik das Medium verstanden. Als Vorreiter der New-Romantics-Bewegung geht es eigentlich nicht mehr 80s als das, was die Jungs damals so fabriziert haben. Vieles, was wir heute im Pop als selbstverständlich annehmen, haben Duran Duran damals vorgedacht – und eigentlich gleich auch perfektioniert.

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Im Hier und Jetzt angekommen

Man würde der Band aber Unrecht tun, würde man sie als reines Achtziger-Phänomen abstempeln. Dafür ist die Band um den charismatischen Frontmann Simon Le Bon noch zu erfolgreich. Sicher, die Neunziger und Nuller Jahre waren schwierig, Duran Duran waren ob ihrer 80s-haftigkeit für viele lange ein wandelndes Klischee. Der Produzent und Hit-Garant Mark Ronson hauchte der Band ab 2011 aber wieder neues Leben ein, seither flutscht es. Gerade in den USA und in Großbritannien sind Duran Duran noch richtig große Nummern. Da man sie in Deutschland immer nur so mittelernst genommen hat, strafte die Band das Land, indem sie 13 Jahre lang einen weiten Bogen um es machte. Erst 2025 gab es mal wieder ein Konzert in Düsseldorf, jetzt eben das in Stuttgart. Immerhin scheint das allgemeine 80s-Revival dazu zu führen, dass man ei Duran Duran auch den deutschen Markt wieder etwas mehr in den Blick nimmt, für Oktober wurden gerade Gigs in Köln und Hamburg angesetzt.

Das alles zählte am Freitagabend in Stuttgart in der Schleyer-Halle aber erst einmal noch nicht. In der Schwaben-Metropole ging es für Duran Duran ums Hier und Jetzt. Erster Eindruck: Style haben die Stil-Ikonen von einst immer noch, der ist ihnen nicht abhanden gekommen, obwohl Simon Le Bon  stramm auf die 70 zugeht. Der Mann hat immer noch diesen besonderen Glamour. Von ihm stammt ja das Knaller-Zitat: „Ich bin kein Snob. Da können Sie jeden fragen. Also jeden von Bedeutung“.

Style und Wumms

Als Snob präsentierte er sich denn auch in Stuttgart nicht, trotz der großen Hitze schien die Band gut gelaunt und spielfreudig. Dass sie nicht nur Style, sondern auch Wumms hat, stellte sie früh am Anfang mit dem legendären „The Wild Boys“ unter Beweis. Live nochmal druckvoller als auf Platte. Und das war nur der Anfang eine Hit-Reigens, der seinesgleichen sucht. „The Reflex“, „Ordinary World“ (stark!), „Girls on Film“, „A View to Kill“, „Hungry Like a Wolf“ – alles dabei.

Auch einen brandneuen Song gab es auf die Ohren. „Free to Love“, eine Disco-Pop-Nummer, die Duran Duran im April gemeinsam mit Nile Rodgers veröffentlicht hatten. Eine Nummer, die für Frieden, Hoffnung und Verständigung wirbt, und mit der Duran Duran auch ihre Unterstützung für die LGBTQ+-Bewegung ausdrücken möchten. Ganz nett, auch die Botschaft ist wichtig, aber an ihre Glanzzeiten – in denen Chic-Gründer Nile Rodgers ja auch schon eine Rolle spielte – kam der Song ehrlicherweise nicht heran.

Knapp anderthalb Stunden machten Duran Duran in Stuttgart Laune. Am Ende wurden noch einmal zwei Zugaben ausgepackt. Das gefühlige „Save a Prayer“ zuerst, eine der schönsten Balladen der Gruppe, passend in Szene gesetzt durch das vom Publikum geschaffene Smartphone-Lichtermeer. Danach Handys aus und  nochmal Abriss mit „Rio“. Es war das fulminante Finale einer kurzweiligen Show, bei der die Zuschauer nicht nur durch die Hitze ins Schwitzen kamen. Es wurde viel getanzt. Wer die Schleyer-Halle dem Badesee vorgezogen hatte, wurde nicht enttäuscht. Und konnte Daheimgebliebenen später berichten, dass Duran Duran, immerhin seinerzeit ausgewiesene Lieblingsband von Lady Di,  in Sachen Relevanz nicht nur den Sprint gegen die alten Genre-Rivalen von Spandau Ballet gewonnen haben, sondern auch die Langstrecke.

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