Indie-Folk straight outta Switzerland: The Gardener & The Tree – Manuel Felder [Gesang], Benjamin Lupini [Keys], Vincenzo Restuccio [Gitarre], Oliver Meier [Schlagzeug] und Philippe „Pete“ Jüttner [Bass] – haben mit „Sole“ eine neue EP in der Pipeline. Das Quintett hat angekündigt, die EP werde größer im Sound, detailreicher in den Arrangements und noch näher an den Fragen und Emotionen, die viele ihrer Hörer bewegen. Davon überzeugen kann man sich am 17. Juli, wenn die EP erscheint. Vorher stand uns die Band für diese My-Soundtrack-Episode Rede und Antwort.
1. Arcade Fire — Neighborhood #1 (Tunnels)
Dieser Track läuft in unseren Köpfen in Dauerschleife, seit wir das erste Mal zusammen im Proberaum standen und uns fragten, ob das mit uns überhaupt was wird. Wenn diese epische Klavier-Line am Anfang einsetzt und sich langsam in diesen orchestralen Rausch hineinsteigert, bricht bei uns jedes Mal emotional alles zusammen. Der Song fängt genau dieses Gefühl ein, das wir damals schon hatten: Diese brennende, fast schon schmerzhafte Sehnsucht, aus der eigenen kleinen Vorstadt-Blase auszubrechen und sich an etwas Größeres zu wagen – an die Welt der Kunst, der lauten Töne und der echten Gefühle. Wenn Win Butler davon singt, wie sich die Liebenden durch den Schnee graben, um zueinander zu finden, dann ist das für uns die perfekte Metapher für unseren eigenen Weg. Wir mussten uns auch erst durch den Haufen Mist graben, den das Leben einem so hinwirft, um diese tiefe, fast schon spirituelle Verbindung zur Musik zu finden. Kunst ist nicht nur ein Hobby, verdammt noch mal, sie ist der einzige Tunnel nach draußen.
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2. The Boxer Rebellion — Soviets
Das ist Gold aus der alten Schatzkiste. Wenn bei diesem Song nach dem sphärischen Intro das Schlagzeug explodiert und diese herrlich dreckige, ungespannte Snare reinknallt, da kriegen wir heute noch Hühnerhaut. Das ist pure Magie. Dieser unpolierte, rotzige Sound ist für uns im Studio mittlerweile zur absoluten „Benchmark“ geworden. Heutzutage wird ja jeder Furz im Pop glattgebügelt, bis es klingt, wie aus dem Thermomix. Aber (Soviets) erinnert uns immer wieder daran, dass Musik Ecken und Kanten braucht. Wir schielen beim Produzieren unserer eigenen Songs ständig mit einem Auge auf genau diesen Vibe. Wenn ein Mix von uns zu brav klingt, sagt garantiert einer: „Mach mal mehr (Soviets)-Dreck rein.“ Es ist die musikalische Erinnerung daran, dass Perfektion stinklangweilig ist und die wahre Schönheit im Unperfekten liegt.
3. Pulp — Babies (Sisters EP Version)
Unsere kleine Geheimwaffe! Aktuell gibt es keinen Song, der uns Backstage vor einer Show mehr hyped als dieser verdammte Britpop-Kracher. Bevor wir die Bühne stürmen, müssen wir uns ja auch irgendwie in Ekstase bringen. Manuel versucht dann meistens schon, den legendären Hüftschwung nachzuahmen (sieht mäßig aus, aber der Wille zählt). Es ist fast unmöglich, in Worte zu fassen, was dieser Track mit uns macht. Er ist wie ein emotionaler Espresso. Spätestens, wenn die Gitarre im Refrain so richtig herrlich kitschig und dreckig zugleich reinsägt, gibt es bei uns kein Halten mehr. Da mutieren wir zu einer peinlichen Boyband und grölen den Refrain im perfekten, schiefen Chor mit. Wer uns da belauscht, verliert jeglichen Respekt, aber das ist uns scheißegal, der Vibe ist unschlagbar.
4. Delta Spirit — California
Wir alle mussten schon mal durch dieses emotionale Fegefeuer einer Trennung gehen, wo man abends im Bett liegt und denkt, die Welt geht unter. Aber *California* ist kein Song zum Selbstmitleid-Saufen. Delta Spirit schaffen hier ein kleines philosophisches Wunder: Sie verpacken den bitteren Schmerz des Abschieds in eine Melodie, die dich sanft an der Hand nimmt. Wenn dieser treibende Rhythmus einsetzt, fühlt sich das Loslassen plötzlich nicht mehr an wie ein tragischer Sturz ins Leere, sondern wie der dringend notwendige Schritt nach vorne. Der Song nimmt dem Beziehungsende diese erdrückende Schwere und tauscht sie gegen eine bittersüße Erleichterung. Er flüstert dir quasi ins Ohr: „Hey, es ist vorbei, und das ist verdammt noch mal auch okay so. Pack deine Sachen und zieh weiter.“ Nach dreieinhalb Minuten hört man auf zu heulen und fängt stattdessen an, dem Horizont entgegenzugrinsen.
5. Bon Iver — Holocene
Wenn die Welt mal wieder komplett durchdreht, der Tourstress uns auffrisst oder der Kopf einfach nicht zur Ruhe kommen will, ist dieser Song unser kollektives Beruhigungsmittel. *Holocene* ist kein normaler Track, das ist ein kleines Stück Himmel auf Erden. Sobald Justins zerbrechliche Falsettstimme und dieses filigrane Akustikgitarren-Picking einsetzen, schaltet unser Nervensystem sofort auf Standby. Musikalisch ist das wie eine warme Decke aus reinem Sound, in die man sich einwickeln kann, wenn es draußen kalt wird. Die Zeile „*I can see for miles, miles, miles*“ ist für uns pure Philosophie: Sie rückt das eigene Ego wieder gerade. Der Song erinnert uns daran, wie klein wir eigentlich sind und dass unsere vermeintlich riesigen Probleme im großen Gefüge des Universums ziemlich unbedeutend sind. Unser ganz persönlicher, musikalischer Wellness-Urlaub ohne Handtuchreservierung.
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