Natasha Bedingfield gehörte zu den Unvermeidbaren im Radio der Nuller Jahre. Zuletzt wurde es stiller um sie. Ein Wiederhören beim „Summer in the City“-Festival in Mainz.
Es gab Augenblicke an diesem Dienstagabend, da hätte man annehmen können, dass das Konzert von Natasha Bedingfield von einem Flashmob gekapert worden war. Plötzlich standen da Hunderte von Menschen vor der Bühne, packten Fächer in allen möglichen Farben aus und wedelten sich Luft zu. War natürlich keine abgesprochene Aktion, sondern Ausdruck dessen, dass es brütend heiß war, da oben in der Zitadelle. „Wow, ihr habt ein bisschen was von Chaka Khan“, musste dann auch Bedingfield schmunzeln, ob des Bildes, das sich ihr da bot. Die Queen of Funk hat den Fächer bekanntlich als Stilmittel für sich entdeckt, er ist ihr Markenzeichen.
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Natasha Bedingfield kommt bislang noch ohne derartige Gimmicks aus. Den Temperaturen hat sie an diesem Abend in der Landeshauptstadt auch ohne Hilfsmittel irgendwie getrotzt. Und das, obwohl Auftritte bei über 30 Grad nicht ihr Ding sind, wie sie vor dem Konzert dem „SWR“ in einem Interview verriet: „Ich bin wie ein kleines Salatblatt und welke einfach in der Hitze.“
Man merkte es ihr nicht an. Die Britin, mittlerweile 44 Jahre alt, wirbelte immer wieder über die Bühne, zeigte ein hohes Maß an Energie. Es war die letzte Show für die Musikerin und ihre Band in Deutschland für diesen Sommer, das große Finale wollte man augenscheinlich nochmal so richtig feiern.
Schreibblockade bringt den Durchbruch
22 Jahre ist es nun her, dass Bedingfield auf der Bildfläche des internationalen Pop-Zirkus erschien. Es ist natürlich nicht ohne Ironie, dass ihr der Durchbruch seinerzeit mit einer Nummer gelang, in der es um den Druck ging, einen Hit-Song schreiben zu müssen. Um eine Schreibblockade. Bedingfield hatte gerade bei Sony Music unterschrieben und sollte jetzt gefälligst abliefern. „Man hat mich damals gefragt, wen ich mir als Zielgruppe vorstelle. Ich sagte: alle“, erzählte Bedingfield lachend. Der Song, um den es hier ging – und bei dem natürlich auch die Zitadelle ausrastete -, klar, „These Words“. Bis heute wohl das bekannteste Lied der Musikerin aus London, die damit in Großbritannien einen Nummer-eins-Hit landete. In Deutschland peakte der Song auf Platz zwei der Single-Charts. Logisch, dass Bedingfield mit dem zwischen Pop und R&B mäandernden Song die meisten Reaktionen hervorrief.
Auch „Unwritten“ wurde heftig bejubelt, die Nummer stammt vom gleichnamigen Album, auf dem sich auch „These Words“ befand. Kein Wunder, hielt sich der Song hierzulande doch seinerzeit 92 Wochen in den Charts (Höchstplatzierung: Rang fünf). Vor drei Jahren hat das Lied eine Art Renaissance erfahren, nachdem es auf dem Soundtrack zu „Wo die Lüge hinfällt“ erschien. Danach wurde der Titel dank TikTok wieder zum Hit. Da hat Bedingfield also etwas mit den Kolleginnen Sophie Ellis-Bextor (deren „Murder on the Dancefloor“ 2024 nach Verwendung im Film „Saltburn“ ein zweites Leben beschieden war) und Kate Bush (deren „Running Up That Hill“ durch die Netflix-Serie „Stranger Things“ ein neues, junges Publikum erreichte).
Wie ein Comedian
So war es wohl auch kein Zufall, dass Bushs „Running Up That Hill“ auch Teil der Setlist von Bedingfield in Mainz war. Die Britin entschied sich für einen überraschend langen Cover-Block im Programm. „Ich möchte jenen Tribut zollen, die vor mir da waren“, so Bedingfield bescheiden. Eigenwillig, immerhin hatten die Leute ja Eintrittsgeld bezahlt, um Bedingfield-Songs zu hören. Aber da die Cover zum großen Teil doch sehr gelungen waren, war das Publikum besänftigt. Neben Bush gab es da etwa hörenswerte Versionen von „Zombie“ (The Cranberries), „I’m Every Woman“ (Whitney Houston) oder „Glory Box“ von Portishead.
Als Ausgleich zu dem vielen Fremdmaterial kredenzte Bedingfield auch ein paar Raritäten wie „Wild Horses“, das sie schon viele Jahre nicht mehr live gespielt hatte, und auch ein paar neue, bis dato unveröffentlichte Songs, die die Britin den Zuschauern vorstellte. „Ich komme mir vor wie ein Comedian, der Witze vor Publikum testet“, scherzte Bedingfield. Gemessen an den Reaktionen des Auditoriums war der Test erfolgreich. Ob die Songs Vorboten eines neuen Albums sind? Das bis dato letzte („Roll With Me“) erschien 2019, es würde irgendwie mal wieder Zeit, zumal Bedingfield wirklich gut bei Stimme ist, mühelos zwischen Balladen und kraftvollem Soul-Pop oder gar Rock wechseln kann. So konkret wollte sich Bedingfield da aber nicht in die Karten schauen lassen: „Stay tuned“.
Nach rund 90 Minuten und einem Wiederhören mit Klassikern wie „Single“ oder „Soulmate“ war dann Schluss. Eine echte Zugabe gab es am Ende nicht, Bedingfield hatte ihr Pulver verschossen, dafür wurde mit einem Remix von „These Words“ ihr großer Hit als Finale ein zweites Mal angestimmt.
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