ClockClock haben in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Erfolgsgeschichte hingelegt. Die Pfälzer Electro-Pop-Band hat am Samstag in Worms gezeigt, wo der ganze Hype um sie eigentlich herkommt.
Es ist nicht zu leugnen: Popmusik aus der Bundesrepublik steht man im Ausland eher skeptisch gegenüber. Und das liegt nicht einmal an der Sprachbarriere, wie wir uns gerne selbst in die Tasche lügen. Viele haben sich ja im Englischen probiert. Und ohnehin: Künstler wie Wanda, Bilderbuch oder Falco haben ja gezeigt, dass man auch mit deutschsprachiger Musik international erfolgreich sein kann. Der Swag geht den deutschen Pop-Exporten oft aber eher ab, wir haben der Welt eben leider nicht Falco, sondern Modern Talking geschenkt, über ein gesundes Misstrauen unseren musikalischen Export-Versuchen gegenüber muss man sich also nicht wundern.
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Umso bemerkenswerter ist es dann, wenn es doch mal eine hiesige Kapelle schafft, außerhalb bundesrepublikanischer Grenzen Beachtung zu finden. So wie die vornehmlich auf Englisch singenden ClockClock, jenem Trio, dessen Mitglieder aus Speyer und Schifferstadt stammen. So haben die Pfälzer schon in mehreren Ländern gespielt und sind unter anderem bei großen Festivals wie dem Pinkpop Festival (Niederlande), dem Sziget Festival (Ungarn) oder Colors of Ostrava (Tschechien) aufgetreten. Wir waren mal Papst, sind wir jetzt bald wenigstens wieder Popstar?
Unprätentiöser Einmarsch
Einen echten Popstar-Empfang haben ClockClock am Samstagabend beim Wormser Jazz-and-Joy-Festival auf jeden Fall bekommen. Unter großem Beifall hat die Band die Bühne auf dem Rathausplatz der Nibelungenstadt erklommen, und auch wenn das Gekreische jetzt noch keine Backstreet-Boys-zu-Hochphase-Dezibel erreicht, verlieh der eine oder andere weibliche Fan seiner Vorfreude auf den Auftritt doch auf diese lautstarke Art und Weise Ausdruck.
Sänger Bojan „Boki“ Kalajdzic wählte einen unprätentiösen Einmarsch. Oft betreten Frontmänner als letztes die Bühne, lassen die Band schon mal ein bisschen machen, und holen sich dann den Extra-Jubel des Publikums ab. Boki hingegen kam gemeinsam mit den Kollegen auf die Bühne, briet sich da keine Extrawurst, ein Auftritt, der gut zum sympathischen Image des Sängers passte. Ein Image, das man ihm übrigens auch abnimmt. Wenn Boki Sätze sagte wie „Da stehen wir auf der Plakatwerbung neben Kool & the Gang und Level 42. Das ist für uns nicht selbstverständlich, Worms. Das vergessen wir nicht“, dann nahm man sie ihm ab. ClockClock wirken in ihrer Bescheidenheit authentisch.
Energie schwappt über
Los ging es an diesem Abend mit „Dreamers“, dem Titelsong des Debütalbums, das im September 2024 auf den Markt kam. Zu Beginn stand Boki noch still da, kurz darauf fegte er aber schon wie ein Wirbelwind über die Bühne und wollte nicht mehr stillstehen. Der Mann hat Ausdauer, seine Energie – und die seiner Kollegen – übertrug sich schnell aufs Publikum.
Seit 2016 sind ClockClock nun schon aktiv, Bojan Kalajdzic (Sänger und Songwriter) und die Produzenten Fabian Fieser und Mark Vonsin lernten sich seinerzeit bei einer Jam-Session kennen. Natürlich hat sich in dieser Zeit so einiges an Material angesammelt, weshalb das erste Album der Band auch gleich mal stolze 25 Songs umfasste. Sportlich. Trotzdem ein überschaubares Gesamt-Repertoire. Und dennoch ist es bemerkenswert, wie groß die Hitdichte bei dieser Live-Setlist in Worms dann eben doch war. Man muss nicht eigens erwähnen, dass unheimlich viele Zuschauer bei Nummern wie „Sorry“, „Someone Else“, „Brooklyn“ oder „Love U Again“ absolut textsicher waren. Rund 360 Millionen Streams müssen ja schließlich irgendwo herkommen. Selbst bei der jüngsten Single „Adore Ya“, erst im Juni erschienen, hatten die meisten schon die Lyrics parat.
Reihen lichten sich früh
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass vor allem das eine oder andere ältere Semester den Marktplatz deutlich vor Konzertende verließ und sich die Reihen gerade am hinteren Ende des Veranstaltungsorts so recht früh lichteten. Die späte Uhrzeit (der Auftritt begann um 22 Uhr) mag da eine Rolle gespielt haben, der eine oder andere fühlte sich offenbar aber auch durch die Lautstärke und die Lichteffekte überfordert. Sie verpassten eine großartige Show.
Stellenweise glich der Marktplatz vor dem Rathaus aber auch einem Club. Gerade bei Songs wie „Redlight 3000“, wo aus dem Electro-Pop zwischenzeitlich Techno wurde.
Der Mainstream wurde anderweitig bedient: Neben den Album-Tracks hatten ClockClock auch zwei Nummern aus der VOX-Sendung „Sing meinen Song“ dabei, an der Boki in diesem Jahr teilnahm. „Blurry Eyes“, im Original von Michael Patrick Kelly, und „Schönste Zeit“, eigentlich von Bosse. Letzteres textete Boki schon in der Sendung um, sodass es zur eigenen Lebensgeschichte passte. „Es gab nur uns und die Sehnsucht nach Frieden/ Und wir kam’n in ein fremdes Land/ Es war 1993, wir wussten nicht, wohin/ Wir wussten nur, wir müssen weg“, sang er da, und weiter: „Teilten zu viert eine Einzimmerwohnung/ Mit ’nem Klappbett und ’nem Fliesentisch/ Vom Balkan im Nachtbus nach Deutschland/ Zwei kleine Kinder mit im Gepäck/ Und obwohl wir gar nichts hatten/ Papa sagt: Das war die schönste Zeit.“ Zeilen, die unter die Haut gingen.
Drei Zugaben zum Schluss
Am Ende gab es noch einmal drei Zugaben. „Every Flower Blooms“ eröffnete den Bonus-Part, gefolgt von „Same Room“ und, zum großen Finale, „U & I“. Danach: Ergriffenheit, vor und auf der Bühne. Das Ende einer großen Party und eines gelungenen zweiten Veranstaltungstages beim Wormser Jazz and Joy-Festival, bei dem die Macher mal wieder groß aufgefahren hatten.
Wer die Pfälzer Lokalmatadoren, die ihre Zelte ja längst in der deutschen Hauptstadt aufgeschlagen haben, diesmal verpasst hat, muss sich aber nicht grämen. Für 2026 haben Boki & Co. eine Fortführung der „Dreamers“-Tour angekündigt. Frankfurt (15. Februar) und Mannheim (26. Februar) hat das Trio da beispielsweise auf der To-Do-Liste stehen.
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