Comeback-Sause mit umfangreicher Gästeliste: Ausnahme-Gitarrist Peter Frampton legt mit „Carry The Light“ sein erstes Album mit komplett neuem Rock-Material seit 16 Jahren vor.
Wenn es um die besten Live-Alben aller Zeiten geht, dann ist Peter Frampton auf jeden Fall mit in der Verlosung. Anfang dieses Jahres feierte der Gute denn auch das 50-jährige Jubiläum seines ikonischen Albums „Frampton Comes Alive!“ aus dem Jahr 1976. Die Platte wurde damals überraschend zum popkulturellen Phänomen – die vier vorab veröffentlichten Studioalben Framptons liefen kommerziell schließlich eher mäßig erfolgreich – und zählt mit weltweit fast 20 Millionen verkauften Exemplaren bis heute zu den meistverkauften Live-Alben aller Zeiten. Klar, dass das Ding denn auch anlässlich des runden Geburtstags neu aufgelegt wurde, mit allem verdienten Tamtam.
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Der Mann, wie später Richie Sambora (Bon Jovi) ein Verfechter der Talkbox, war vor allem Mitte und Ende der 1970er Jahre groß, ehe ein schlimmer Autounfall auf den Bahamas 1978 die Glückssträhne beendete. Die folgenden Veröffentlichungen fielen dann doch deutlich ab, neue Musik von Peter Frampton war in den 1980er Jahren nicht mehr wirklich gefragt.
Comeback nach Jahrzehnten außerhalb des Rampenlichts
Erst Ende der 1980er Jahre, als David Bowie ihn als Gitarristen engagierte (für „Never Let Me Down“ und die „Glass Spider World Tour“), wendete sich das Blatt. Frampton machte hernach immer wieder mit Kollegen gemeinsame Sache, etwa Ringo Starr, und hielt sich damit so lange über Wasser, bis ihm mit einem Soundtrack-Beitrag zum Film „Absolute Beginners“ ein Coup gelang, der ihm eine Grammy-Nominierung einbrachte. Frampton war plötzlich wieder wer, nicht mehr nur Zuarbeiter, sondern wieder sein eigener Herr. In den Nuller Jahren sollten ihm mehrere Alben mit eigenem Material gelingen, ehe er sich aufs Covern oder Verwalten seines musikalischen Erbes verlegte.
Nach 16 Jahren – zuletzt tat er es mit „Thank You Mr. Churchill“ – gibt es nun aber wieder neues Rock-Material von Frampton auf die Ohren. Was wohl auch daran lag, dass er mit seinem Sohn Julian Frampton zusammenarbeiten konnte. Der Filius ist hier als Co-Autor und Co-Produzent beteiligt. Ein reines Familienprojekt ist die Platte aber nicht. Als Gäste sind nämlich auch namhafte Kollegen wie Sheryl Crow, Bill Evans, H.E.R., Tom Morello, Graham Nash und Benmont Tench zu hören. Wohl dem, der ein gepflegtes Adressbuch sein Eigen nennt.
Illustre Gästeschar
Sheryl Crow übernimmt den Gesangspart an Framptons Seite auf „Breaking The Mold“, Bill Evans steuert Saxofon zu „Can You Take Me There“ und „Tinderbox“ bei, H.E.R. liefert sich auf dem Instrumentalstück „Islamorada“ ein Gitarrenduell mit Frampton, und Tom Morello bringt seine charakteristische Intensität in den Protestsong „Lions At The Gate“ ein. Graham Nash singt Harmonien auf „I’m Sorry Elle“, während Benmont Tench (von Tom Petty & The Heartbreakers) auf „Buried Treasure“ die Keyboards spielt.
Insgesamt zehn neue Songs sind es, die Frampton auf „Carry the Light“ offeriert. Für den Musiker aus Kent (England) spiegelt die Platte die Gegenwart wider und ist geprägt von den Herausforderungen, Veränderungen und Verbindungen, die die vergangenen Jahre bestimmten. Der Titel selbst versteht sich als programmatische Aussage: Dabei steht für Frampton das Licht für Weisheit – etwas, das weitergetragen werden soll.
Hommage an Tom Petty
Zu den großen Glanzlichtern gehört sicherlich „Buried Treasure“. Der Song ist eine Hommage an den verstorbenen Tom Petty und würdigt dessen gleichnamige SiriusXM-Radiosendung, die Petty 15 Jahre lang kuratierte und moderierte. Der Text setzt sich vollständig aus Songtiteln von Petty zusammen. Frampton bat Benmont Tench, für die Aufnahme seinen unverwechselbaren Stil zu dieser Petty-Hommage beizusteuern.
Auch der Titeltrack, zu dem Mitglieder des Absentee Shawnee Tribes indigenen Gesang beisteuern, und das Duell mit Morello bleiben haften.
Kurzum: Es ist nochmal ein Ausrufezeichen, dass der mittlerweile 76-jährige Ausnahmegitarrist da setzt. Vom Touren hat sich der Brite schon vor Jahren zurückgezogen, eine chronische, entzündliche Muskelerkrankung erlaubt ihm das Live-Spielen nicht mehr. Umso schöner, dass er seinem Instrument im Studio noch den einen oder anderen zauberhaften Ton entlockt.
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