My Soundtrack: Goldmeister

Goldmeister (foto: christoph köstlin/deutsche grammophon)

Deutsche Texte in fulminantem Orchestergewand – das ist die Formel, mit der Phil Ohleyer und Chris Dunker alias Goldmeister zu Werke gehen. Ende 2016 probierten sie sich erstmals im Swing aus. Irgendwann entstand die Idee, diesen oder alten Dixie mit deutschen Texten zu mischen und sie in Rap-Manier zu phrasieren. Unterstützung erhielten die beiden bei diesem Projekt aus Hamburg: von den Ragtime Bandits und dem Pianisten Lutz Krajenski. Der Name Goldmeister weist dabei auf die Hauptbestandteile hin, die in der Musik der Band stecken: die Goldenen Zwanziger Jahre und der HipHop, der in den USA unter anderem von Grandmaster Flash aus der Taufe gehoben wurde. Wer wissen will, wie das klingt: Im April ist “Alles Gold”, das Debütalbum des Duos erschienen. Uns standen die beiden jetzt für unsere My Soundtrack-Reihe zur Verfügung.

 

Red Hot Chili Peppers – Pretty Little Ditty

Die Red Hot Chili Peppers spielten schon immer eine große Rolle in meinem Leben, und das nicht nur in musikalischer Hinsicht. Wie man an meiner eigenen musikalischen Laufbahn unschwer erkennen kann, bin ich ein großer Fan des Crossover, egal in welcher Konstellation. Schon meine erste Band, die ich Anfang der 2000er mit meinem damaligen besten Freund gründete, machte einen Mix aus Punk, Rock, Funk, Metal, Jazz- und Hip Hop-Elementen. Ende der 90er wurde ich mit zirka 11 oder 12 Jahren aufmerksam auf die Peppers, als mein Bruder eines ihrer Alben bei uns zu Hause laufen ließ. Ich weiß noch, wie ich fasziniert im Wohnzimmer meiner Eltern stehen blieb und einfach lauschen musste. Fleas durchdachte, funkige Bassläufe, perfekt harmonierend mit Chad Smiths groovigem Schlagzeugspiel. John Frusciantes einfache, eingängige, aber dennoch kein Stück plumpe Gitarrenriffs. Und das alles gepaart mit Anthony Kiedis’ markanter Stimme, die sich perfekt einzubetten schien in den instrumentalen Soundteppich. Das alles ergab für mich eine unglaublich mitreißende Energie, die ich so noch nie zuvor gespürt hatte. Der respektlose Mix aus Funk und Punk, Rock und Rap, Jazz und Heavy Metal der vier Kalifornier hatte mich gepackt. Als ich dann auch noch bei einem Konzert dabei sein durfte, war es um mich geschehen. Der Song “Pretty Little Ditty” (Album: „Mother’s Milk) ist zwar nicht derjenige, welcher mich auf die Peppers aufmerksam gemacht hat, es ist allerdings ein schönes, kleines, instrumentales Stückchen Crossover-Musikgeschichte, bei dem ich ein Aha-Erlebnis hatte. Und vielleicht ja auch ihr! Viele werden das Riff von John Frusciante wiedererkennen, denn es wurde Jahre später von einer Band mit Namen Crazy Town erneut aufgegriffen und in einem sehr bekannten Song verwurstet.

 

Jeff Buckley – So Real

Jeff Buckley, leider ein Mitglied des „Club 27“, ist eines meiner musikalischen Vorbilder und meiner Meinung nach einer der größten (und teilweise zu wenig beachteten) Sänger und Songschreiber der jüngeren Musikgeschichte. Es gibt kaum jemanden, der so viel Crossover in der Stimme hat wie dieser Typ. Grund genug, ihn mit in die Liste aufzunehmen, da ich mich immer schon so ein bisschen an Jeffs gesanglichem Können messen wollte. Denn er beherrscht nicht nur alle Arten des Gesangs, er weiß auch noch inhaltlich emotional zu überzeugen und reißt einfach mit. Jeder seiner Songs ist wie eine Reise, und ich immer gerne stiller Begleiter. So auch beim Song „So Real“…

 

Eddie Vedder – Society

Eddie Vedder (der Sänger von Pearl Jam, für alle Unwissenden) hat mich mit seinem Soundtrack zum Film „Into the Wild“ und seiner beruhigenden, rauen und markanten Stimme auf meiner Reise durch Costa Rica im Jahr 2010 begleitet und sich damit für mich unsterblich gemacht. Gerade der Song „Society“ auf der Platte und die Message, die einem ohne Umschweife auf die Nase gebunden wird, hat mich mitgenommen und nachhaltig geprägt. Das ganze Album ist sehr empfehlenswert und kann ohne Pause durch gehört werden. Vedder beweist, das Musik auch heute noch gesellschaftskritisch sein darf/kann/muss.

 

Robbie Williams – Angels

Die Geister mögen sich scheiden, was diesen Herrn betrifft. Für mich war Robbie Williams (ich bin nun mal mit Take That großgeworden) mit seiner respektlosen, coolen Art und dem entsprechenden Auftreten aber schon immer eine Eigenmarke. Natürlich war ich auch schon immer Fan seiner Stimme. Zudem gefällt mir an ihm, dass er sich so häufig neu erfunden hat. Das Album „Swing when you’re winning“ habe ich rauf und runter gehört. „Mr. Bojangles“ und „Me and my shadow“ (zusammen mit Jonathan Wilkes) sind zwei Stücke, die meine Lust auf diese Art von Musik und Unterhaltung ins Unermessliche haben steigen lassen. Als ich 2007 mein Abitur machte, gab es eine Abiband, bei der ich der Sänger war. Bei unserer Abschlussfeier in der Niederrhein-Halle in Wesel haben wir vor sage und schreibe 3500 Leuten unter anderem diesen Song performt. Bei „Angels“ hat die ganze Halle mitgesungen, das hat mich ziemlich doll und vor allem nachhaltig geflasht und meinen Willen bekräftigt, mein Hobby zum Beruf zu machen.

 

Frank Sinatra – It Was A Very Good Year

Mein Vater war und ist großer Fan des Jazz, egal welcher Richtung. Als Kind „musste“ ich mir daher Platten von u.a. Dizzy Gillespie, Duke Ellington, Thelonious Monk, Louis Armstrong und natürlich Frank Sinatra (oder dem Rat Pack) in teilweise ohrenbetäubender Lautstärke anhören. Ich bin daher gar nicht drum herum gekommen, Jazzmusik mitzubekommen. Und das war auch gut so, denn sonst wäre wahrscheinlich mein ganzes Leben anders verlaufen und ich heute nicht dort, wo ich bin. Ich selbst erinnere mich nur dunkel daran, dass bei uns zu Hause „It was a very good year“ lief und ich von Frank Sinatras Stimme so begeistert war, dass ich, wie mein Vater mir nun erzählte, von dem Moment an selber Sänger werden wollte. Ich weiß nur noch, dass ich schon sehr früh Musiker werden wollte. Dass Frank mit seiner unverwechselbaren Stimme so viel Anteil daran hat, dass ich Sänger geworden bin, wusste ich, bis ich meinen Vater im Zuge dieses Interviews befragt hatte, gar nicht mehr.

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