Metallica auf experimentellen Abwegen: Wie auch auf dem Vorgänger-Album „Load“ kredenzte die Band 1997 ihren Fans keinen Metal, sondern eher Hard Rock. Das schmeckte damals nicht jedem. Die Platte wird nun neu auf Vinyl aufgelegt.
1996 mussten Metallica-Fans der ersten Stunde stark sein. Ja, sie hatten schon zu Beginn des Jahrzehnts „Nothing Else Matters“ verkraftet, Metallics Flirt mit dem Mainstream, aber letztlich war die Nummer zu dem Zeitpunkt doch noch irgendwie eine Ausnahme im damaligen Werk. Mitte der 1990er begannen sich Sänger James Hetfield und Kollegen aber so langsam, ein neues Image zuzulegen. Die lange Matte wurde abgeschnitten, kurze Haare waren jetzt angesagt, und auch der Eyeliner von Jason Newsted auf Bandfotos zu jener Zeit sorgte bei Puristen für Stirnrunzeln. Ausverkauf, Kommerz, die Masse war am Schäumen.
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Vor allem, als die Band 1996 das Album „Load“ – ihren sechster Longplayer – veröffentlichte. Midtempo, Hard-Rock und gar Country-Vibes – das ließ so manchen Fan seinerzeit ratlos zurück. Bei „Mama Said“ und „Wasting My Hate“ gab es nicht mal mehr Gitarrensoli. Doch trotz des Unmuts war „Load“ ein kommerzieller Erfolg, die Platte ging aller Kritik zum Trotz auf Platz eins unter anderem in Deutschland, den USA und den Großbritannien. Will also keiner gehört haben, hat aber offenbar jeder gekauft.
Blut und Urin
Ursprünglich hätte „Load“ ein Doppelalbum sein sollen, doch kurzfristig entschlossen sich die Band und Produzent Bob Rock, die Songs auf zwei Alben aufzuteilen. Und so erschien 1997, 17 Monate später, bereits „Reload“. Wieder mit einem Artwork des Künstlers Andres Serrano. Hatte er für „Load“ ein Gemälde erstellt, dass mit Rinder-Blut und Ejakulat des Künstlers hergestellt wurde, waren es diesmal Blut und Urin. So ein Hauch Gefährlichkeit und Anti-Establishment wollte sich die Band also trotz veränderter Optik und trotz ihres neuen Stils nicht nehmen lassen.
Stilistisch sind sich „Load“ und „Reload“ natürlich sehr ähnlich, stammen die Songs doch aus denselben Sessions, auch wenn die Band bei „Reload“ noch ein bisschen mehr Zeit zum Feilen hatte. Blues, Country, Alternative Rock und Grunge werden hier verwebt, auch „Reload“ ist mehr eine Hard-Rock-Platte als Metal. Sogar Violinen („Low Man’s Lyric“) kommen hier zum Einsatz.
Die Highlights
Zu den Glanzlichtern gehört natürlich „The Unforgiven II“, die Fortsetzung von „The Unforgiven I“ vom schwarzen Album. Ein Song, in dem es um Kindheitstraumata geht, ein Thema, das auch auf dem starken „Where The Wild Things Are“ aufgegriffen wird.
Mit Fortsetzungen hatten Metallica bis dato noch nie gearbeitet. Und auch mit einem weiteren Novum kamen Hetfield & Co. bei „Reload“ um die Ecke. Erstmal hat es mit Marianne Faithfull eine Gastsängerin, sie geht der Band bei „The Memory Remains“ zur Hand. Der Einsatz der Britin passt, geht es doch in der Hard-Rock-Nummer um einen Künstler, der durchdreht, nachdem der Ruhm irgendwann verblasst.
Die Inspiration, die man sich bei Nick Cave und seinen Bad Sees holte, wird auch nicht schamhaft versteckt, sondern im Song „Bad Seeds“ offen zur Schau getragen.
Und sonst? „Devil’s Dance“ und „Carpe Diem“ überzeugen durch das Gitarrenspiel, nicht unbedingt textlich. Das punkige „Fuel“ hat Druck, aber ebenfalls wenig Inhaltliches zu bieten. „Slither“, „Attitude“ und „Fixxxer“ versöhnen am Ende dann noch einmal.
„Reload“ sollte übrigens die letzte Studio-Platte mit eigenem Material sein, die Metallica mit Bassist Jason Newstedt sein, der die Band 2001 verließ. In sieben Ländern ging die Platte auf Platz eins, darunter die USA und Deutschland.
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