Warum einer Geschichte, die unschön endete, nicht einfach ein neues Finale schreiben? Das machen die Rainbirds gerade auf ihrer Jubiläumstour. Am Samstag waren sie in Mainz.
Eigentlich ist Rod González ja eher die großen Arenen gewohnt. Dort ist er seit 1993 als Bassist der Ärzte schließlich zu Hause. Dass sich aber auch dieses vergleichsweise kleine Konzert im Frankfurter Hof groß für ihn anfühlte, das konnte man dem 58-Jährigen am Gesicht ablesen. Immer wieder strahlte der in Chile geborene Musiker über beide Ohren. Sein letztes Konzert mit den Rainbirds war eine emotionale Angelegenheit.
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Seinen Ausstieg aus der Band vor 36 Jahren habe er negativ in Erinnerung behalten, es sei eine dunkle Phase gewesen, die er gerne hinter sich lassen würde, ließ er vor der Reunion-Tour der Rainbirds verlauten, für die Band-Chefin Katharina Franck fast alle ehemaligen Bandmitglieder zusammentrommeln konnte. Die Trennung der klassischen Besetzung hatten sie offenbar alle nicht so recht verwunden. Insofern war diese Tour zum 40-jährigen Bandjubiläum auch eine Chance zur Heilung. Und wohl auch ein Abschied, denn die Band in dieser Form noch einmal gemeinsam auf der Bühne zu sehen, ist eher unwahrscheinlich.
Entsprechend wurde am Samstag gefeiert. Katharina Franck und ihre Kollegen – Bassist Michael Beckmann, Pianistin Ulrike Haage, E-Gitarrist Werner Neumann, Rod an der Gitarre sowie die Schlagzeuger Dominique „Gaga’“ Ehlert und Wolfgang Glum – nahmen die Zuschauer in der ausverkauften Location mit auf eine Reise durch 40 Jahre Bandgeschichte. Von den Spannungen der Vergangenheit war nichts zu spüren, die Musiker gaben sich gegenseitig Raum, ließen einander mit Soli glänzen.
Ein echtes Energiebündel
Auch Sängerin Katharina Franck war sichtlich berührt. Immer wieder herzte sie ihre Mitmusiker. So groß war die Euphorie, dass sie bei zwei Songs zunächst den Text vergaß. „Herrje, mir macht die Hitze zu schaffen“, entschuldigte sie sich lächelnd. Abgesehen dieser zwei kleinen Hänger ließ sie sich das aber nicht anmerken, wirbelte wie in den guten alten Zeiten über die Bühne. Für Performer wie sie hat man den Begriff „Energiebündel“ wohl erfunden. Auch stimmlich war Franck über jeden Zweifel erhaben, meisterte selbst anspruchsvolle Passagen problemlos.
Mehr als 20 Songs packten die Rainbirds auf die Setlist, etwa ein Viertel davon in den ausladenden Zugabenteil. In den bauten die Rainbirds natürlich auch ihren größten Hit ein. „Blueprint“, 1988 ein europaweiter Chartstürmer, riss jeden Besucher von den Sitzen. Ganz klar der Song, auf den alle gewartet hatten an diesem Abend. Ein gelungener Abend einer finalen Tournee, die einer Band würdig war, die als Indie-Band seinerzeit kurz mal bei den Großen mitspielte.
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