Crash Test Dummies (foto: fiege)

Live: Crash Test Dummies in Mainz (mit Mo Kenney)

Zweimal musste ihre Tour pandemiebedingt verschoben werden, jetzt hat es endlich geklappt: Die Crash Test Dummies sind endlich mal wieder in Europa zu erleben. Auch Deutschland-Gigs stehen auf dem Programm. Unter anderem machten die Kanadier am Mittwoch im Frankfurter Hof in Mainz Station.

Nein, für die ausladende Rockstar-Pose ist CTD-Sänger Brad Roberts nicht geschaffen. Der Mann mit der tiefen Stimme wirkt immer etwas ironisch, wenn er auf der Bühne doch mal zur großen Geste ausholt. Weil man es ja halt eben irgendwie so macht. Roberts ist keiner, der kreuz und quer über die Stage springt, und das, obwohl die Dummies ja durchaus den einen oder anderen Song im Repertoire haben, zu denen man durchaus auch mal steil gehen könnte. Aber: Roberts hat das alles nicht nötig. Er ist einer, der auch ohne das ganz große Gewese eine unheimliche Präsenz hat. Einer, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sobald er seinen Mund aufmacht und diese einzigartige Stimme ertönen lässt.

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Derzeit gibt es endlich wieder Gelegenheit, dieses markante Organ live zu erleben. Die Crash Test Dummies sind auf Europa-Tour. Es ist das erste Mal in Jahrzehnten, dass sie den Sprung über den großen Teich wagen. Die Band, die 1993 mit dem Song „Mmm Mmm Mmm Mmm“ ihren größten Erfolg feierte, hatte sich nach jahrelanger Pause 2018 für eine Jubiläumstour wieder zusammengefunden und zunächst Nordamerika mit einer Konzertreihe beglückt (NEON GHOSTS war seinerzeit in Chicago dabei). Dann sollte es eigentlich auch umgehend nach Europa gehen, ehe die Pandemie den Plänen der Band einen Strich durch die Rechnung machte.

Verspätete Geburtstagsparty

Nun wird also mit leichter Verspätung der 25. Geburtstag des 1993er Erfolgsalbums „God Shuffled His Feet“ gefeiert. Und klar, die Tracks dieser Platte stehen auf den Setlists der aktuellen Tour im Fokus. Die Crash Test Dummies feiern das Album, indem sie es komplett auf die Bühne bringen, garnieren das Ganze mit ein paar Klassikern aus dem Bandkatalog. Und was soll man sagen: der Folk-Rock der Kanadier ist in Würde gealtert. Songs wie „God Shuffled His Feet“ und „Afternoons & Coffeespoons“ funktionieren auch heute noch fantastisch, Tracks wie „How Does A Duck Now“ kommen live sogar noch ein bisschen besser rüber als im Studio. Wofür auch Schlagzeuger Mitch Dorge sorgt, der es an diesem Abend in Mainz gekonnt krachen lässt.

Nostalgische Gefühle wecken auch der „Superman’s Song“ aus dem ersten Dummies-Album „The Ghosts That Haunt Me“ oder die Dental-Horror-Nummer „He Liked To Feel It“, die man bloß nicht vor einem Zahnarzttermin hören sollte. Die größte Überraschung des Abends dürfte für viele aber die Ballade „Heart Of Stone“ gewesen sein, eine unheimlich gefühlige Nummer aus dem bis dato letzten Crash-Test-Dummies-Album „Ooh La La“ (2010), das hierzulande ja leider ein bisschen unter dem Radar lief. Eines der großen Highlights in dieser Nacht.

Ob es nochmal neues Material der Dummies geben wird? Nicht ausgeschlossen, aber derzeit auch nicht angedacht, wie uns CTD-Sängerin Ellen Reid neulich im Interview verriet. Auch sie durfte an diesem Abend zweimal den Lead-Gesang übernehmen, klar, natürlich auch beim XTC-Cover „The Ballad Of Peter Pumpkinhead“.

Am Ende, klar, der Crowd-Pleaser „Mmm Mmm Mmm Mmm“. Die finale Zugabe. Geht gar nicht anders. Und: Standing Ovations. Glückliche Gesichter. Und ein Versprechen von Brad Roberts: „Wir sehen uns wieder.“

Grandioser Support durch Mo Kenney

Mo Kenney (foto: Fiege)

Den Support Act gab an diesem Abend übrigens die großartige Mo Kenney. Die 31-jährige Singer-Songwriterin aus dem kanadischen Nova Scotia wickelte das Publikum direkt um den Finger, überzeugte nicht nur durch ihren Humor, sondern auch mit ihrer Setlist. Es war ein kurzer Ritt durch ihren eigenen Backkatalog, der von „Sucker“ (aus dem selbstbetitelten, 2012er Debüt-Album) bis hin zu ihrem jüngsten Wurf „Covers“ reichte. Aus eben diesem 2021er Machwerk – in dem Kenney unter anderem Künstlern wie Tom Petty, Patsy Cline oder Daniel Romano die Ehre erweist – stammte auch der schönste Song: eine herzerweichende Hommage an „Sour Girl“ von den Stone Temple Pilots.

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