Live: Albert Hammond in Neuleiningen

Albert Hammond (foto: fiege)

Kommt ein Weltstar nach Neuleiningen … und kaum einer merkt’s. Hit-Maschine und Star-Songschreiber Albert Hammond hat am Freitag nur 650 Zuhörer in die Burgruine gelockt. Schade. Denn der Brite, der die Pop-Geschichte maßgeblich mitgeprägt hat, ist durchaus noch in Form – und hätte eine größere Kulisse verdient gehabt.

Mit Albert Hammond ist das ja so eine Sache: Da hat dieser Mann mit Größen wie Diana Ross, Tina Turner, Whitney Houston, Aretha Franklin, Duffy und Tom Jones zusammengearbeitet, selbst jede Menge Chartserfolge erzielt – und dann kennen nur Eingeweihte seinen Namen. Ein Umstand, der ihn selbst gar nicht so sehr anficht: „Ich genieße es, dass meine Musik so viele Millionen Menschen glücklich macht. Ich weiß, dass ich viele wundervolle Songs geschaffen habe, das reicht mir. Es ist mir nicht wichtig, berühmt zu sein. So ist es doch viel besser, ich kann ein normales Leben führen und überall hingehen, zum Beispiel im Supermarkt einkaufen, ohne bestürmt zu werden“, sagte er mal in einem Interview mit der „Zeit“, die ihn daraufhin den „Superstar, den keiner kennt“ taufte. Und wer weiß, wahrscheinlich hat der Mann auch recht: Vielleicht handelt es sich bei seiner Art der Prominenz um die angenehmste.

Der Superstar, den keiner kennt

In Neuleiningen waren am Freitagabend auf jeden Fall  Menschen da, die Albert Hammond nicht nur kannten, sondern sich sogar als  Fans bezeichnen würden. Für sie ist Hammond ein Pop-Magier, eine Hit-Maschine, ein Künstler, dessen Kunst seit fast sechs Jahrzehnten den Soundtrack ihres Lebens bildet. Allerdings waren es nun auch nicht so viele Zuhörer, wie erwartet. Wenige Stunden vor dem Konzert waren gerade mal 600 Karten verkauft, sprich: nur etwas mehr als die Hälfte der Tickets. Zwar kam der eine oder andere noch spontan über die Abendkasse rein, richtig voll wurde es aber auf der Burg  nicht mehr. Mehr als 650 Zuschauer dürften es  nicht gewesen sein. Selbst der obligatorische Shuttle-Service wurde daher abgesagt, es seien genug Parkplätze vorhanden, hieß es auf der Facebook-Seite der Burgsommer-Macher. 

Nun sind 650 Zuschauer zwar weniger als erwartet, aber immer noch ausreichend, um trotz aller Beinfreiheit etwas Stimmung in die Ruine zu bringen. Und Stimmung erzeugen – das kann Albert Hammond auch im fortgeschrittenen Alter noch. Sei es durch einen seiner großen Hits, von denen er natürlich unzählige im Gepäck hatte und die er fast beiläufig aus dem Ärmel schütteln konnte – oder unterhaltsames verbales Geplänkel zwischen den Songs. So erfährt der interessierte Zuhörer etwa, dass Hammond das schmachtende „Rebecca“ 1973 für ein wunderschönes Playboy-Häschen geschrieben hatte, das er in einem Club kennengelernt hatte. „Ich würde sie gerne mal wiedersehen“, sinnierte er, um sich dann scherzhaft daran zu erinnern, das die in seiner Erinnerung wohl ewig junge Rebecca mittlerweile  das Oma-Alter erreicht haben dürfte. 

Auch die Art und Weise, wie Hammond immer wieder den um ihn herum schwirrenden Insekten auswich, hatte Entertainment-Potenzial.

Hammond ist noch gut in Form

Wer es nicht eh schon wusste, dem wurde  an diesem Abend schnell klar: Der Mann hat ein untrügliches Gespür für herausragende Melodien. Für gute Songs. Sicher, manche der Nummern, die Hammond für andere schrieb, mögen in der Version des Interpreten besser klingen – „One Moment in Time“ ist da so ein Beispiel, das eben in der Fassung von  Whitney Houston nochmal in einer ganz eigenen Liga spielt –, dennoch gehen die Songs auch in der Hammond-eigenen Variante mehr als klar.

Beeindruckend ist auch, wie top in Form, wie vital und stimmlich auf der Höhe der Gute mit seinen nun immerhin schon 75 Jahren noch ist. Mit seiner „Songbook“-Tour ist der Brite nun auch schon einige Jährchen unterwegs. Vielleicht liegt es ja daran, dass der Mann zwischenzeitlich einfach zur richtigen Zeit die Bremse gezogen hat, zwischen den frühen achtziger und frühen nuller Jahren vornehmlich im Hintergrund für andere arbeitete, um zumindest seinem Sohn ein guter Vater sein zu können. Dass er es bei seinen Töchtern nicht sein konnte, weil er immerzu on the road war, hatte Hammond immer gefuchst. Die Batterien, sie sind auf jeden Fall noch aufgeladen.

Am Ende: drei Zugaben. „It Never Rains in Southern California“, „The Free Electric Band“ und, klar, die große Hymne „The Air That I Breathe“, bei der das Publikum noch mal ausgelassen mitschunkeln durfte. Nach 105 Minuten verschwand Hammond dann von der Bühne. Es bleiben die Hits.

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