Tori Amos - Widerstand (foto: hannibal verlag)

Tori Amos – Widerstand. Hoffnung, Wandlung und Mut

Erscheinungsdatum
August 13, 2020
Verlag
Hannibal Verlag
Unsere Wertung
6.5
6.5
Erinnerungen einer starken Frau.
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Seelenschau einer Künstlerin. Die US-amerikanische Singer-Songwriterin Tori Amos legt mit „Widerstand. Hoffnung, Wandlung und Mut“ ihre erste Autobiografie vor.

Ja, so ein bisschen Weltschmerz liest man da bei Tori Amos schon heraus. „Jemand wie ich, der seit beinahe 40 Jahren in der Musikindustrie tätig ist, der reiste und vor ganz unterschiedlichen Menschen auftrat, hatte das Privileg, die Geschichten vieler auf der ganzen Welt zu hören. Dadurch hat sich bei mir ein Gefühl dafür entwickelt, wie schrecklich alles geworden ist“, schreibt die Musikerin aus North Carolina einleitend. Das führt bei einer wie ihr aber nicht dazu, dass sie sich in ihr Schneckenhaus zurückzieht. Nein, vielmehr spüre sie „ein noch stärkeres Gefühl für den Widerstand, die Gegenwehr und die Einsicht, wie wir tief in uns nicht nur die Kapazität für die notwendige Resilienz finden, sondern auch für die ‚Heilung‘ und für das erfolgreiche Überstehen dieser wohl schwierigsten aller Zeiten.“

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Und bei wem jetzt die Alarmglocken schrillen, weil er befürchtet, dass uns da der nächste Aluhut-Promi was vom Corona-Pferd erzählen will, der sei beruhigt. Darum dreht es sich hier nicht. Vielmehr geht es um die Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen Künstlerin, deren Karriereweg durchaus steinig verlief. Gepflastert mit Widerständen. Das ging schon mit der Suche nach einer ersten Auftrittsmöglichkeit los. Der Hartnäckigkeit ihres Vaters, eines Priesters, war es zu verdanken, dass es eine Schwulenbar in Georgetown, Washington, war, die der damals 13-Jährigen eine erste Chance gab. Später erzählt Amos auch, wie ihr zweites Album „Little Earthquakes“ bei den Plattenbossen auf Ablehnung stieß. Diese forderten sie auf, alle Klaviere durch Gitarren zu ersetzen. Amos musste um die Integrität ihrer Kunst immer wieder kämpfen. Und dann waren da ja auch noch diese Gefälligkeiten, die so mancher Mächtige in der Musikindustrie gegenüber weiblichen Künstlern einforderte. Quid pro quo,

Exkurs in die Zeitgeschichte

Kunstvoll verwebt die gute Tori ihre (nicht chronologisch erzählte) Lebensgeschichte mit Songtexten, denen sie so Kontext verleiht. Ab und an wird sie dabei zwar esoterisch, etwa wenn sie „Unterhaltungen“ mit ihren Musen nachzeichnet, oft genug gibt sie aber Interessantes preis. Auch wagt sie Exkurse ins Zeitgeschichtliche, erzählt beispielsweise seitenlang über Präsident Jimmy Carters Umgang mit der Geiselnahme von Teheran (1979 bis 1981). Das funktioniert zumeist ganz gut, gibt ihrem Handeln, ihrer Story einen Rahmen. Vor allem, wenn sie ihre Erinnerungen an 9/11 teilt und aufzeigt, wie sich Amerika, auch schon vor Trump, in den vergangenen 20 Jahren gewandelt hat. Amos ist eine Frau, die Haltung zeigt. Leider bleibt sie aber oft im Ungefähren. Etwa wenn sie von „außen wirkenden Kräfte(n)“ sinniert, die „Leute bewusst verstummen“ ließen und „mundtot“ machten. Von dunklen Mächten, die nicht näher definiert werden. Da ist das Eis dann dünn – und die Grenze zur Schwurbelei erreicht.

Lesezeichen: Tori Amos: „Widerstand – Hoffnung, Wandlung und Mut“. Übersetzt von Alan Tepper. Hannibal-Verlag, Höfen 2020. 240 Seiten, 20 Euro.

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