Wallis Bird (foto: benjamin fiege)

Live: Wallis Bird in Worms

Unprätentiös, sympathisch, energetisch – und mit einer Wahnsinnsstimme gesegnet: Wallis Bird sorgte am Freitag beim Wormser Jazz & Joy-Festival für einen zauberhaften Konzertabend. Und das, obwohl für die Künstlerin in der Domstadt nicht alles glatt lief.

Eine gerissene Gitarrensaite, mitten während eines Auftritts – eine Horror-Vorstellung für viele Musiker. Denn solch ein Malheur kann den Flow eines Konzerts killen. Vor allem dann, wenn das Beheben des Problems sich zieht und zieht und zieht. Wallis Bird ist dieses Missgeschick in Worms gleich mehrfach passiert. Aber die irische Musikerin ist keine, die sich von solchen Dingen aus der Bahn werfen lässt. Shit happens. „Was heute schief gehen kann, geht schief“, so die Singer-Songwriterin lachend, die gut improvisierte und die Sache souverän wegmoderierte. Immerhin erklärte sich ein Zuschauer bereit, ihr das Gerät wieder in Ordnung zu bringen. Er sollte damit bei diesem Gig gut beschäftigt werden.

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Die gute Laune ließ sich die quirlige Künstlerin von ihrem widerspenstigen Instrument aber nicht verderben. Dafür genoss sie es augenscheinlich zu sehr, endlich wieder vor Publikum zu spielen nach der langen, coronabedingten Zwangspause. Einer Pause, in der man sich als Künstler, der ständig auf Achse ist, auch erst einmal einordnen muss. „Plötzlich sagt man dir: Du kannst kein Musiker mehr sein“, erinnert sich Bird an diese dunklen Tage.

Und so war dieses Konzert vor der historischen Wormser Kulisse durchaus so etwas wie eine Katharsis. Für Künstlerin und Publikum. Ein Moment des Aufatmens, des Hinter-sich-lassens, des Eskapismus. Rund 70 Minuten, in denen man sich in den Songs der Künstlerin verlieren konnte – und die Künstlerin in der Zuneigung ihres Publikums.

Quer durch den eigenen Katalog

Birds Lieder bewegen sich gemeinhin im Spannungsfeld zwischen Singer-Songwriter-Mucke, Irish Folk, Jazz, Soul und Pop – und werden von der Wahlberlinerin, die zeitweise auch in Mannheim wohnte, mit viel Verve und Energie vorgetragen. Diesmal gar mit so viel Wucht und Spielfreude, dass man erst nach einer Weile realisierte, dass sie den ganzen Abend als One Woman Show bestritt. Eine Band hatte man gar nicht vermisst. Bird setzte hier mehr auf Party denn auf die leisen Töne, die sie ja ebenfalls im Repertoire hat. Es wirkte fast, als wollte sie ihr Publikum so richtig durchschütteln, nach anderthalb Jahren Corona-Lethargie.

Dank der Setlist, die sie für diesen Abend zusammenstellte, konnte man sich auf eine Zeitreise bis ins Jahr 2007 zurückbegeben. Dem Jahr des Erscheinens ihres Debütalbums „Spoons“. Denn es war ein Querschnitt ihres Schaffens, den die Gute dem Jazz & Joy-Auditorium da zu später Stunde kredenzte. Zu den Glanzlichtern gehörten dabei sicherlich „Blossoms in the Street“, einer ihrer frühen Hits, „Encore“, aber auch „To My Bones“. Aus ihrem aktuellen Album „Woman“ befanden sich wenig Tracks auf dem Programm – möglicherweise Absicht. Das Album schrieb die Musikerin damals mit viel Wut im Bauch, eine Emotion, die in der Partystimmung dieser Sommernacht vielleicht auch fehl am Platz gewesen wäre.

Am Ende: drei Zugaben, klar, das ist so Usus, darunter natürlich „In dictum“, mit dem Wallis gerne ihre Shows schließt. Und: nochmal zwei gerissene Saiten. Der Power dieser Frau konnte ihr Instrument einfach nicht standhalten.

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