Heinz Strunk in Karlsruhe (foto: Fiege)

Live: Heinz Strunk in Karlsruhe – „Unnormal geil“

In der Kürze liegt die Würze: Erfolgsautor Heinz Strunk trommelte am Samstagabend im Karlsruher Tollhaus vor rund 250 Zuschauern für das oft geschmähte Format „Kurzgeschichte“.

Ein schlechtes Gewissen braucht nach einem Bücherkauf niemand zu haben. Das geht immer in Ordnung, es gibt unsinnigere Arten, sein sauer verdientes Geld zu verjubeln. Selbst  wenn sich auf dem Nachttisch die ungelesenen Romane in beängstigender Höhe stapeln. Wer aber doch mit sich hadert, ob er jetzt Heinz Strunks Kurzgeschichtensammlung „Kein Geld, kein Glück, kein Sprit“ erwerben sollte oder nicht, für den hatte der Erfolgsautor  im Tollhaus ein schlagendes Argument parat: „Im Grunde sparen sie mit dem Kauf 877 Euro.“

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Seine Rechnung ging so: Weil eine Kurzgeschichte ja letztlich nichts anderes sei als ein komprimierter Roman, seien die 192 Seiten seines Buchs praktisch nichts anderes als 36 Romane, die es ja dann insgesamt so auf rund 10.000 Seiten brächten. Nur handlicher, praktischer eben. „All Killer, no Filler“, so Strunk.  Für 10.000 Romanseiten könne man umgerechnet gut und gerne 900 Euro blechen, da seien die 23 Euro für sein Buch also eine Ersparnis von 877 Euro. Und das, so Strunk, sei ja wohl „unnormal geil“.

Reklame für die Kurzgeschichte

Dass Heinz Strunk augenzwinkernd marktschreierisch die Werbetrommel für die Kurzgeschichte rührte, hat natürlich einen Grund: In Deutschland wird dieses Genre vom Publikum immer ein bisschen stiefmütterlich behandelt, die Deutschen greifen am liebsten zum Roman und da dann zum Krimi. Ein bisschen Reklame kann da also nicht schaden.

Dennoch sprach Strunk da natürlich zu Bekehrten, denn das Publikum wusste natürlich, auf was es sich da an diesem Abend einließ, Strunks Buch ist ja nun auch schon fast ein Jahr auf dem Markt. Der 63-Jährige las gleich mehrere Kurzgeschichten vor, das Schöne an ihr ist auch, dass man bei einer Lesung die komplette Story serviert bekommt. Unter anderem gab Strunk in Karlsruhe die Geschichten „Tölpel oder Maestro (auf den Kontext kommt es an)“, „Grosser-Marfin-Syndrom“, „Legenden (It’s Only Rock ’n’ Roll)“, „Mezzomix“ und „Scampifanne (Die Lebenden und die Toten)“ zum Besten, aber auch Miniaturen (also wirklich nur aus wenigen Sätzen bestehende Kurzgeschichten) wie „Petersilie“. Die Pointen saßen, auch wenn die Melancholie bei Strunk natürlich immer mitschwingt.

Strunk, der Showman

Dennoch wollte Strunk das Ganze nicht zu einer schnöden Wasserglas-auf-dem-Tisch-Lesung verkommen lassen, vollmundig versprach er den Zuschauern eine echte Show. „Darauf deutet ja schon das komplexe Bühnenbild hin“, so Strunk und verwies auf ein Mini-Keyboard und eine Querflöte, die neben dem Tisch platziert waren. „Wie bei Pink Floyd“. Ebenso wie zwei Schellenkränze kamen die Instrumente auch bei absichtlich absurd gehaltenen Musikeinlagen zum Einsatz. Showman Strunk hatte nicht zu viel versprochen.

Auch aus seinem Kinderbuch „Graf Fauchi“ las Strunk ein bisschen vor, Bilder daraus wurden per Beamer (als er denn dann funktionierte) an die Wand geworfen. Von Fauchi, dem alten Vampir, soll es bald mehr geben – und auch eine neue Kurzgeschichtensammlung hat Strunk für 2027 schon in petto. 

Neuer Roman im Sommer

Noch in diesem Sommer kommt ein neuer Strunk-Roman auf den Markt: Am 17. Juli soll der neue Roman „Memories of Heidelberg“ im Rowohlt-Verlag erscheinen. Darin geht es um ein  in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, das in der  Kurpfalz einen Kurzurlaub verbringen möchte. Jeden Abend speisen sie dabei in einem italienischen Restaurant, das sich auf einem alten Flussschiff im Neckar befindet. Während des Urlaubs gerät die Ehe der beiden mehr und mehr in Schieflage und der allabendliche  Gang auf das Restaurantschiff wird immer mehr zur Enttäuschung, zur Strafe, zur Höllenqual. Den Soundtrack dazu liefert der  Schlager-Oldie „Memories of Heidelberg“ von Peggy March.

Und wer trotzdem noch nicht genug von Strunk und seinem Werk hat, kann in Hamburg die Theater-Inszenierung „Ein Sommer in Niendorf“ besuchen. Regie: Strunk und seine Kollegen von Studio Braun. Der Autor: „Hamburg ist immer eine Reise wert. Es gibt so viel mehr als diese Drecks-Musicals zu bestaunen.“

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