Eric Clapton (foto: Fiege)

Live: Eric Clapton in Mannheim – Auf die Unverzichtbaren verzichtet

Selbst wer wie Gitarrenlegende Eric Clapton 17 Grammys gewonnen und dreimal in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, kann sich nicht mehr darauf verlassen, eine Halle wie die Mannheimer SAP-Arena voll zu bekommen. Am Mittwoch blieben etliche Plätze unbesetzt.

Mit 81 Jahren lässt man sich nicht mehr alles gefallen. Vor allem, wenn man auf den Namen Eric Clapton hört, beruflich als Gitarrenlegende tätig  und einer der letzten überlebensgroßen Superstars ist, die noch durch die Lande ziehen. Das mussten dieser Tage auch die Fans in Madrid feststellen, die „Slowhand“ in der dortigen, seit Wochen ausverkauften Movistar Arena huldigten. 15.000 feierten Claptons Rückkehr nach Spanien, und einer von ihnen offensichtlich zu doll: Er warf eine Schallplattenhülle Richtung Bühne und traf den guten Eric damit an der Brust. Clapton hatte gerade seinen Hit „Cocaine“ beendet, wollte eigentlich „Before You Accuse Me“ als Zugabe spielen, so wie er es auf dieser Tour immer macht, entschied sich dann aber zornig dafür, das Konzert zu beenden.

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Verständlich, das Werfen von Gegenständen auf Künstler ist eine Unsitte, die in den vergangenen Jahren gefühlt zugenommen hat. Vielleicht wirkt das aber auch nur so, weil sich Clips davon heutzutage eben rasant über Social Media verbreiten – und früher eben nicht. Harry Styles, Drake, Bebe Rexha hat es beispielsweise auch schon, buchstäblich, getroffen. Rexha musste sogar genäht werden, nachdem ein Smartphone sie am Kopf verletzte.

Anständiges Publikum

In Mannheim benahm sich das Publikum jedoch tadellos. So wie der Autor dieser Zeilen das Geschehen überblicken konnte, flogen keine Gegenstände Richtung Bühne. Die Zuschauer ließen den Meister in aller Ruhe seine Meisterdinge machen – und der zog sein Programm entsprechend voll durch. 

Nicht alle Plätze in der SAP-Arena waren besetzt, vor allem in den höheren Preiskategorien sind viele Sitze freigeblieben. Ein Novum, bisher waren alle Clapton-Konzerte in Mannheim ausverkauft. Aber in Zeiten wie diesen macht nicht jeder einfach so 101 Euro (die günstigste Kategorie) für Tickets locker, geschweige denn 285 Euro (die höchste Kategorie; das Business Ticket kostete sogar 449 Euro). Auch nicht für Künstler der Kategorie „Superstar“ wie Clapton. Vor der Halle stand der eine oder andere und war voller Hoffnung, eine Karte vielleicht noch unter dem regulären Preis zu ergattern, weil jemand eventuell doch noch eine  kurzfristig loszuwerden hat. Dass der Blues mittlerweile eine Sache für die eher Besserbetuchten geworden ist, entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie.

Klassiker fehlen

Clapton betrat die Bühne, nachdem der britische Gitarrist und Sänger Andy Fairweather Low als Support Act die Zuschauer erstmal eine halbe Stunde lang auf Touren gebracht hatte. Der Meister trat denkbar unprätentiös vor die Menge. Viele seiner Kollegen lassen erst der Band den Vortritt, ehe sie dann nachkommen und sich so ihren Extra-Applaus abholen. Clapton hat das nicht nötig, er mischt sich beim Einzug unter sein Team. Sein Applaus ist auch ihr Applaus.

Los legten Clapton und Kollegen dann mit dem Song „Badge“, einer rockigen Nummer, die Clapton seinerzeit in Zusammenarbeit mit George Harrison für das Cream-Album „Goodbye“ schrieb. Ein fulminanter Start in eine Show, die natürlich jede Menge Wünsche offen ließ (wie auch nicht bei einem so umfangreichen Song-Katalog), aber dennoch begeisterte.

Achterbahnfahrt der Gefühle

„Slowhand“ (1977), das Album, das Clapton seinerzeit nach seinen Drogeneskapaden wieder in die Erfolgsspur brachte, wartete seinerzeit mit drei Überhits auf, die viele auch heute noch zuallererst mit Eric Clapton verbinden: „Cocaine“, „Lay Down Sally“ und „Wonderful Tonight“ (seiner damaligen Freundin Pattie Boyd gewidmet, die kurz zuvor noch mit George Harrison zusammen war). Aus diesem eigentlich unverzichtbaren Hit-Triple ist in Mannheim nur für einen Song Platz auf der Setlist: „Cocaine“. Die von J.J. Cale geschriebene Nummer wurde immer als Anti-Drogen-Song verkauft, ob der Lyrics und des Lebenswandels Claptons seinerzeit aber nur so mittel glaubwürdig, weshalb der Gitarren-Gott das Lied früher auch nicht so oft live spielte. Mittlerweile natürlich ein Klassiker. Entsprechend reagierten die Fans auch darauf, bei der vorletzten Nummer des Abends ließen die Zuschauer im Innenraum Bestuhlung Bestuhlung sein und strömten vor die Absperrung.

Kurz zuvor hatten sie noch andächtig „Tears in Heaven“ gelauscht, jenem Song, den Clapton für seinen 1991 verunglückten, vierjährigen Sohn schrieb (er stürzte aus dem 53. Stock eines Hochhauses in New York City). Ein Lied, das immer noch unter die Haut geht. Clapton hatte es im Akustik-Teil des Abends auf „Layla“, das durchaus Stimmung in die Bude brachte, folgen lassen und so das Publikum auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle geschickt.

Wahnsinnig viele Worte verlor Clapton in Mannheim nicht, viel mehr als eine Begrüßung des Publikums war nicht, der Brite ließ lieber die Musik für sich sprechen. Songs wie „I Shot The Sheriff“ bedürfen ja auch keiner weiteren Erklärung.

Gleich mehrfach huldigte Clapton einem seiner Idole: Robert Johnson war gleich dreifach vertreten. Bei „Kind Hearted Woman Blues“, „Cross Road Blues“ und „Little Queen of Spades“ merkte man Clapton, der zuletzt immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, denn auch an, wie sehr die Liebe zum Blues noch immer in ihm brennt.

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