Jeff Tweedy – Warm

Jeff Tweedy - Warm (foto: warner music)

8

8 Warner Music
8

Ein Solo-Album. Und dazu noch zusammengebaut aus komplett eigenem, neuen Material: Wilco-Frontmann Jeff Tweedy macht seinen Fans mit “Warm” ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk.

Wozu sind Künstler eigentlich da? Im Waschzettel zu “Warm” hat sich US-Autor George Saunders so seine Gedanken zu dem Thema gemacht. Er, so schreibt er, sei an einem Punkt in seinem Leben angelangt, in der er Künstler schätzt, die durch ihre Kunst Trost spenden. Und Jeff Tweedy, schwärmt er, sei ein “Krieger der Freundlichkeit”. Einer, der Zärtlichkeit zum allgemein akzeptierten Rock ‘n’ Roll- Wert gemacht hat. Jeff Tweedy sei ein regelrechter Trost-Poet.

Kann man nun als reine PR-Schwärmerei abtun. Oder man hört hin, und spürt recht schnell, was Saunders an Tweedy so begeistert. “Warm”, da hat der gute Mann einfach Recht, ist eine unheimlich intime, Geborgenheit und Wärme ausstrahlende Platte geworden. Selbst, wenn Tweedy wie in “Some Birds” scharfe Attacken gegen US-Präsident Donald Trump fährt, klingt das irgendwie tröstlich.

Wenn er nicht gerade das amerikanische Staatsoberhaupt angreift, lässt Tweedy so ein bisschen das eigene Leben am geistigen Auge vorüberziehen – der Gute hat ja zwischenzeitlich mit “Let’s Go (So We Can Get Back)” auch seine Autobiografie veröffentlicht – und beschäftigt sich unter anderem mit dem Tod seiner Vaters, der kürzlich verstarb, oder seinem eigenen: “Don’t bury me … Rattle me down like an old machine”, singt er etwa in “From Far Away”. Auch sein früherer Drogenkonsum wird thematisiert (“Having Been Is No Way To Be”).

Musikalisch klingt “Warm” so ziemlich wie das bis dato letzte Wilco-Album “Schmilco” (2016), Tweedy bewegt sich ziemlich relaxt zwischen Country und Folk. Die Instrumentierung ist dabei eher sparsam (kein Vergleich zu den Wilco-Platten früherer Jahre), die meisten Songs würden auch einfach nur auf der Akustikgitarre immer noch gut funktionieren. Schade, dass Jeff Tweedy so lange damit gewartet hat, ein Soloalbum mit ausschließlich eigenem Material aufzunehmen.

Anzeige

Fazit: Perfektes Weihnachtsgeschenk für liebe Menschen.

Anspieltipps: Some Bird, From Far Away, Having Been Is No Way To Be


More from Benjamin Fiege

Gewinnspiel: “Boston” fürs Heimkino zu gewinnen

Aufmerksame Leser haben gestern unsere Rezension zu Peter Bergs “Boston” gelesen. Und...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

I agree