Tori Amos - Ocean to Ocean (foto: Decca Records)

Tori Amos – Ocean to Ocean

Erscheinungsdatum
Oktober 29, 2021
Label
Decca Records
Unsere Wertung
9.5
Anspieltipps
Speaking With Trees
Spies
Ocean to Ocean
Birthday Baby
9.5
Eindringlich.
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Unermüdlich: Mit „Ocean to Ocean“ legt die großartige Tori Amos ihr nunmehr 17. Studioalbum vor. Es ist eine Platte über Verlust und Erneuerung. Und ein waschechtes Pandemiealbum.

Man kennt Tori Amos als rastlose Person. Immer auf Achse, immer auf Tour, und das im Grunde seit ihrem 13. Lebensjahr. Eine Vagabundin, eine Pendlerin zwischen den Welten, zwischen Cornwall und Florida, deren Songs beim Reisen und beim Beobachten entstehen. Und so kann man sich vorstellen, was Corona, die Lockdowns, mit dieser Künstlerseele angestellt haben. Amos verbarrikadierte sich während der Pandemie in Cornwall und geriet in eine persönliche Krise, die jedem bekannt vorkam, der unter dem dritten Lockdown in Großbritannien litt – dem im Winter, der ewig zu dauern schien.

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Amos wäre aber nicht Amos, wenn sie diese Krise nicht irgendwie in Musik gegossen hätte. Zurückgeworfen auf sich selbst, entstand ein überaus persönliches Album. Oft eine gut klingende Phrase, hier aber tatsächlich mit Leben gefüllt. „Dies ist eine Platte über deine Verluste und wie du mit ihnen umgehst“, sagt Amos. „Wenn man lange genug gelebt hat, kann man zum Glück erkennen, dass man sich nicht wie die Mutter fühlt, die man sein möchte, die Ehefrau, die man sein möchte, die Künstlerin, die man sein möchte. Mir wurde klar, dass man von dem Ort aus schreiben muss, an dem man sich befindet, um das zu ändern. Ich befand mich in meiner eigenen privaten Hölle, also sagte ich mir, dann schreibst du eben von dort aus – du hast es ja schon mal gemacht.“ Damals, bei ihrem Debütalbum „Little Earthquakes“, auf dem sie den Blick schon einmal schonungslos nach innen richtete.

Amos‘ bis dato kornischstes Album

Amos arbeitete an „Ocean to Ocean“ zwischen März und Sommer 2021. Daheim, in Cornwall. Dort war die Gute von den Menschen umgeben, die sie liebt – ihrem Ehemann Mark und ihrer erwachsenen Tochter Tash und deren Freund. Für ein Album, das in einer eng begrenzten Umgebung entstanden ist, sind zwei Dinge auffällig – die große stilistische Bandbreite, vom Tango bis zur Breitwand-Romantik, wobei sie ihrem Instrument, dem Piano, natürlich treu bleibt und es in den Vordergrund rückt. Und dann ist da diese Großherzigkeit der Songs, die fast wie eine Reihe von Liebesbriefen an die anwesende oder abwesende Familie wirken. In gewisser Weise ist „Ocean to Ocean“ ihr bisher kornischstes Album: Die Grafik sagt es selbst, denn Amos wurde auf den Klippen und in den Höhlen an der Südwestküste der Grafschaft aufgenommen. 

„Wenn man beunruhigende Dinge normalerweise durch das Reisen verarbeitet, war das jetzt keine Option mehr“, sagt sie. „Mein Schema war es, in ein Flugzeug zu springen und in die Staaten zu reisen. Ich wollte nur reisen, um neue Erfahrungen zu machen. Stattdessen musste ich mir einen Stuhl suchen und ‚reisen‘, wie ich es mit fünf Jahren getan habe – in meinem Kopf.“ 

Die Glanzlichter

Am Ende ist „Ocean to Ocean“ aber nicht nur ihr kornischstes, sondern tatsächlich auch eines ihrer besten Alben. Weil es jede Menge kleine und große Perlen zu bieten hat. „Spies“ etwa, ein Song, inspiriert von der Furcht ihrer Tochter vor Fledermäusen, der mit einem unheimlich interessanten Arrangement daherkommt. „Speaking Trees“, das den Tod von Toris Mutter eindringlich verhandelt. Oder der Closer „Birthday Baby“, der das Gefühl der pandemiebedingten Isolation so wunderbar einfängt. Man könnte sie eigentlich fast alle aufzählen.

“Ich habe mir vorgenommen, die Dinge so zu betrachten, dass ich zu mehr Empowerment komme“, sagt Tori. „Aber was ist eigentlich Stärke? Manchmal ist man noch nicht bereit, aufzustehen. Man muss am Boden anfangen. Wir alle haben Momente erlebt, die uns zu Boden werfen können. Diese Platte begleitet dich da, wo du gerade bist, vor allem, wenn du gerade einen Verlust erlebst. Es fasziniert mich, wenn jemand eine Tragödie durchgemacht hat und wie er seine Trauer verarbeitet. Darin liegt das Gold. Wenn jemand tatsächlich an diesem Punkt ist und denkt: „Ich bin am Ende“, wie erreicht man diese Person? Es geht nicht um eine Pille oder einen doppelten Schuss Tequila. Es geht darum, gemeinsam im Dreck zu sitzen. Und dort im Dreck werde ich dich treffen.“

Wir sitzen gern mit Tori im emotionalen Schützengraben.

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