Sting trifft Rembrandt: Gerade ist mit „The Night Watch (Live at the Rijksmuseum)“ ein Live-Album des legendären britischen Musikers erschienen, das an einer ganz besonderen Location aufgenommen wurde. Mehr Kunst als in dem Amsterdamer Gemälde-Tempel geht nicht.
Nein, Sting kann zwar schon auf eine lange, illustre Karriere zurückblicken, ein Fall fürs Museum ist das frühere The-Police-Mitglied aber eigentlich noch lange nicht. Dafür ist der 74-Jährige noch zu aktiv, noch zu umtriebig. Aber: Das niederländische Museum zählt zu den bedeutendsten Kulturorte der Welt, ist unter anderem die Heimat von Meisterwerken von Rembrandt, Vermeer und Judith Leyster.
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Klar, dass es sich da Sting nicht nehmen ließ, unter den Augen der großen Meister seine eigene Kunst zu präsentieren. An solch einer außergewöhnlichen Kulisse spielt man ja nicht alle Tage, auch als 17-facher Grammy-Preisträger nicht. Das Konzert kam auf Anfrage des TV-Senders „Arte“ zustande, der den Gig für seine Reihe „Sounds Like Art“ mitschnitt. Zuletzt hat Sting ja auch jede Menge Gefallen an Live-Alben gefunden, auf „3.0“ aus dem Jahr 2025 folgt nun direkt „Live at the Rijksmuseum“.
Licht und Schatten
In der Ehrengalerie des Museums, umgeben von Gemälden, die von den dramatischen Kontrasten zwischen Licht und Schatten leben, greift Sting genau diese Ästhetik in seiner Songauswahl auf: intime Balladen und zeitlose Klassiker, deren feine Nuancen von der natürlichen Akustik des Raumes getragen werden. So wie Rembrandt für seine ausdrucksstarken Strukturen und seine Fähigkeit gefeiert wurde, die unverfälschten und verletzlichen Emotionen seiner Motive einzufangen, besitzt auch Stings Darbietung eine vergleichbare emotionale Tiefe. Seine Lieder zeichnen intime Porträts von Liebe, Verlust, Arbeit und Sehnsucht – mit der Sorgfalt eines Malers, der weiß, dass das, was unausgesprochen bleibt, ebenso bedeutend ist wie das, was sichtbar wird.
Sting sieht eine enge Verbindung zwischen Malerei und Musik: „Letztendlich geht es darum, Geschichten zu erzählen. Je länger man ein Gemälde betrachtet, desto mehr entdeckt man darin. Bei einem Lied ist es genauso: Je öfter man es hört, desto besser versteht man es.“
So lief der Gig
Sting ließ sich nicht lumpen und spielte – passend zur außergewöhnlichen Umgebung – auf einer seltenen Gitarre aus dem 17. Jahrhundert, die einst für den Hof Ludwigs XIV. gefertigt wurde. Eine Leihgabe des Museums. Begleitet wurde er dabei von seinem langjährigen musikalischen Weggefährten und Gitarristen Dominic Miller, mit dem er schon seit 1990 gemeinsame Sache macht. Mehr Instrumente brauchte es nicht, um einen magischen Abend zu schaffen.
Die Stimmung war beinahe andächtig. Sting spielte sein Repertoire souverän, obwohl er die Songs natürlich nicht so performte, wie man sie schon 1000-Mal gehört hatte. Auf der Setlist standen Songs aus seinem für den Tony Award nominierten Musical „The Last Ship“ – einer persönlichen Hommage an die Schiffbauarbeiter seiner nordostenglischen Heimat – neben Klassikern von The Police und seinen Solo-Hits. Eine runde Sache, gerade die alten Gassenhauer „Roxanne“ und „Fields of Gold“ gefielen in diesem Ambiente, auch „Message in a Bottle“ und „Every Breath You Take“ blieben haften. Schade, dass es nicht der ganze Auftritt auf die Vinyl-Variante geschafft hat.
Produziert von Martin Kierszenbaum ist „The Night Watch: Live at the Rijksmuseum“ ab sofort auf CD und Vinyl sowie auf allen gängigen Streaming-Plattformen erhältlich.
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