Sheryl Crow - Threads (foto: big machine)

Sheryl Crow – Threads

Erscheinungsdatum
August 30, 2019
Label
Big Machine
Unsere Wertung
8.5
8.5
Würdiger Abschied.
Anspieltipps
Live Wire
Tell Me When It's Over
Redemption Day
Cross Creek Road
Wouldn' Want To Be Like You
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Ist das elfte auch das letzte Studio-Album von Sheryl Crow? Möglicherweise. Sollte dem so sein, dann verabschiedet sich die amerikanische Rocksängerin mit „Threads“ auf jeden Fall mit Würde. Und mit einer ganzen Reihe hörenswerter Duette.

„This might be my last album“, verriet Sheryl Crow im vergangenen Jahr der altehrwürdigen BBC. Sie glaubt nicht mehr an die Zukunft des Formats. Was aber nicht heißt, dass die 57-Jährige in Zukunft keine neue Musik mehr veröffentlichen will. Das könnte schon so sein, vielleicht in Form von Singles oder EPs. Denn, auch das wurde in den vielen Interviews in jüngerer Zeit klar, zum alten Eisen zählt sich die gute Sheryl noch nicht. „Nur weil man älter wird, heißt das ja nicht, dass man keinen Spaß mehr haben kann“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Spaß hatte sie auf jeden Fall während der Arbeit an „Threads“. Mit der Idee, solch eine Duett-Platte aufzunehmen, ging sie schon viele Jahre schwanger. Jetzt, bei ihrem neuen Label Big Machine, hat sie es endlich in die Tat umgesetzt. Die Liste, der Leute, die sie zu sich ins Studio lud, liest sich wirklich glanzvoll. Sting, Eric Clapton, Stevie Nicks, Mavis Staples, Chris Stapleton, Gary Clark Jr., St. Vincent, Willie Nelson, Neil Young, Kris Kristofferson, Keith Richards und Vince Gill mischten hier beispielsweise (!) mit. Allesamt gute Freunde von Sheryl Crow, wie sie in den ausführlichen Liner Notes schreibt. Kann man dann mal so machen.

Ein Highlight: das Duett mit Johnny Cash

Zu den großen Glanzlichtern dieser rootsy Americana-Platte gehört aber ein Song, der schon etwas länger in der Schublade der guten Sheryl lag. „Redemption Day“, ein Duett mit dem mittlerweile verstorbenen Johnny Cash. Crow schrieb die Protest-Nummer bereits im Jahr 1996 nach einem Besuch in Bosnien mit der damaligen First Lady Hillary Clinton. „Ich war bis zu diesem Zeitpunkt noch niemals zuvor auch nur in der Nähe eines ehemaligen Kriegsgebiets gewesen,“ sagt sie. „Wir besuchten verschiedene Militärstützpunkte, spielten für die dort stationierten Truppen und haben ihre Familien getroffen.“ Als sie nach Hause zurückkehrte, waren die Nachrichten voll mit dem andauernden Völkermord in Rwanda.

„Es war sehr verwirrend,“ so Crow. „Wir hatten alle Ressourcen in Bosnien und ich musste die ganze Zeit daran denken, warum und wie entschieden wird, wo man sich einmischt. Ist es der Wunsch nach Kontrolle, die Gier nach Öl – oder was ist es? So habe ich beschlossen einen Song zu schreiben. Eigentlich wollte ich über die Trennung von meinem Freund schreiben,“ sagt sie. Daraus wurde dann „eine Hassrede irgendwo tief aus meinem Inneren“ um die Motivation und Maschinerie von Krieg 
zu hinterfragen. Crow nahm diesen Song 1996 dann auf ihr Grammy-Dreifach-Platin-Album mit dem Titel „Sheryl Crow“.

Im Jahr 2003 sang Crow auf June Carter Cashs Trauerfeier, kurz danach erhielt sie einen Anruf
von einem von Johnny Cashs Schwiegersöhnen, der ihr erzählte, dass er den Song „Redemption Day“ Johnny Cash vorgespielt hat und, dass der ‚Man in Black‘ nun gerne mit ihr darüber sprechen würde. „Er stellte mir ganz viele  Fragen über einzelne Stellen des Songs und was ich damit sagen wollte,“ so Crow. „Er wollte nicht seine Stimme dazu beisteuern, ohne wirklich dahinter zu stehen zu können.“

Cash nahm den Song auf und erzählte Crow, dass er das Gefühl hat, dass dies einer der Eckpfeiler seines nächsten Albums sein wird, aber diese Version wurde dann erst 2010 auf „American VI: Ain’t No Grave album“ veröffentlicht. Als Crow 2014 auf Tour war, performte sie „Redemption Day“ als Duett zusammen mit Cashs Aufnahme während er selbst im Hintergrund auf die Bühne projiziert wurde, was sie auch dazu inspirierte den Song neu aufzunehmen und Cashs Stimme neu zu arrangieren.

Eine Platte voller Glanzlichter

Die Nummer ist aber natürlich nicht das einzige Glanzlicht auf „Threads“. Die Liebesnummer „Live Wire“, die Crow mit Bonnie Raitt (die auch ein tolles Gitarren-Solo hinlegt, und Mavis Staples zum Besten gibt, ist etwa so eines. Geht unter die Haut. „Tell Me When It’s Over“ singt sie gemeinsam mit Chris Stapleton, der den Song auch mitschrieb – und man hofft, er würde niemals enden. „Cross Creek Road“ (mit Neil Young und Lukas Nelson) ist wunderbar gefühlig, das Duett mit St. Vincent hingegen nicht ganz ironiefrei. Hier versucht sich Crow sogar im Rap.

Nach 17 Songs, darunter auch ein Bob-Dylan-Cover, und rund 75 Minuten Spielzeit ist dann Schluss. Aus der Zauber. Crow hat mit ihrem All-Star-Album „Threads“ bewiesen: Was Ed Sheeran kann, kann sie schon lange. Und vielleicht sogar besser.

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