Pe Werner (foto: brauerphotos/bmc-dominik_beckman)

Live: Pe Werner in Eisenberg

Sängerin, Songwriterin, Komponistin, Autorin, Kabarettistin – Pe Werner wurde in ihrer langen Karriere schon in so manche Schublade gesteckt.  Am Samstag gastierte sie mit ihrem Best-Of-Programm „Von A nach Pe“ im Theatersaal des Evangelischen Gemeindehauses. Ganz voll war Eisenbergs gute Stube mit 280 Zuhörern dabei nicht. Gestört hat das am Ende aber niemanden.

Keine Frage: Irgendwann ist der große Pop-Zirkus einfach ohne Pe Werner weitergezogen. Nicht, weil die aus dem Odenwald stammende Sängerin den Anschluss verpasst hätte, nein. Vielmehr hat sie diesen niemals gesucht. Als ihr Song „Kribbeln im Bauch“ 1991 so richtig durch die Decke ging und bundesweit ein großer Hit wurde, da war die Gute nicht bereit, ihre Vorliebe für Kleinkunst und Kabarett für eine Karriere im Mainstream-Pop aufzugeben. Auch wenn sich ihre damalige Plattenfirma das damals sicher gewünscht hätte. Werner, das hat sie auch kürzlich in unserem Interview verraten, hat sich damals aber bewusst für eine Laufbahn abseits des ganz großen Rampenlichts entschieden. Und so mutete es fast schon symbolisch an, dass die mittlerweile in Köln lebende Sängerin erstmal im Dunkeln stand, als sie die Bühne im Evangelischen Gemeindehaus betrat. Bis sich jemand erbarmte und ihr endlich den Scheinwerfer anknipste. Die Gute nahm es mit Humor.

Dieser kleine technische Fauxpas sollte der einzige Fehler in einem ansonsten recht smoothen, knapp zwei Stunden dauernden Programm bleiben, das im Wesentlichen eine Retrospektive war – ein gemütlicher Streifzug durch eine musikalische Laufbahn, die 1990 mit dem Album „Weibsbilder“ begann.

Überraschend startete der Liederabend gleich mit Werners größtem Hit, dem eingangs erwähnen „Kribbeln im Bauch“. Überraschend, weil man so eine Nummer ja normalerweise aus dramaturgischen Gründen erst im Zugaben-Teil erwarten würde. Pe Werner zierte sich aber nicht, diesen Crowd Pleaser gleich an den Anfang zu stellen. „Dann können die, die eh nur diesen einen Song hören wollten, ja auch direkt gehen. Ich würde mich aber freuen, wenn sie trotzdem bleiben“, so die 58-Jährige augenzwinkernd.

Wer blieb – und das waren augenscheinlich alle -, wurde dafür belohnt. Er erlebte in den kommenden rund 120 Minuten eine gut aufgelegte Chanteuse, der bei ihrem ersten Auftritt in Eisenberg das Lächeln selten aus dem Gesicht wich. Stimmlich, das wurde schnell klar, ist Werner auch mit knapp 60 noch über alle Zweifel erhaben. Sie hat immer noch diesen gewissen Reiz, diesen gewissen Charme. Da sitzt jeder Ton, egal, ob sie es gerade samtig-weich oder kraftvoll-intensiv anging. Äußerst eindrucksvoll.

Und ihre Stimme stand auch klar im Vordergrund an diesem Abend, verzichtete sie doch auf allzu viel Tamtam drumherum. Auf eine richtige Band beispielsweise. Sie ließ sich nur von dem begabten Pianisten Peter Grabinger begleiten, ihrem „Tastentier“, wie sie den Musiker gern nennt, mit dem sie nun schon seit mehr als 20 Jahren gemeinsame Sache macht. Zumindest musikalisch. Privat ist sie noch beziehungsweise gerade „unbemannt“, wie sie dem Publikum zwischendurch verriet, um erwartungsvoll hinzuzufügen: „Ich hoffe doch sehr, morgen in Eisenberg beim Bäcker den Mann meiner Träume zu treffen.“

Immer wieder lockerte Werner den Abend durch derlei humorige Ansagen auf. Viele Gags zündeten dabei, andere wiederum wirkten dann doch etwas zu einstudiert. Was jedoch auch nicht weiter verwundert, schließlich ist Werner mit diesem Programm nun schon seit ein paar Jahren unterwegs und der eine oder andere Gag daher schon x-mal erzählt worden. Immerhin: die Darbietung der Anonyme-Giddarischde-Hymne „Palzwoi“ wirkte recht spontan.

Am Ende: „Nimm deinen Hut“ als großes Finale eines gelungenen Liederabends, bei dem natürlich auch die „Segler aus Papier“ fliegen durften. Ein Publikum, das sich zum Applaudieren erhob. Und eine Pe Werner, die versprach wiederzukommen: „Sie haben mein Herz erwärmt.“

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