Shania Twain richtet den Blick zurück: Auf „Little Miss Twain“, ihrem siebten Studioalbum, gibt sich die Country-Pop-Queen persönlich wie selten.
Keine Frage: Shania Twain hat eine ikonische Karriere hingelegt. In den 1990er und frühen Nuller Jahren landete die Kanadierin jede Menge Hits. Songs wie „You’re Still the One“, „That Don’t Impress Me Much“, „I’m Gonna Getcha Good“ und „Ka-Ching!“ gelten heute zu Recht als Evergreens. Mehr als 100 Millionen Tonträgerin hat die Musikerin aus Windsor, Ontario im Laufe ihrer illustren Karriere abgesetzt. Keine Frau im County-Pop hat mehr Platten verkauft als die fünffache Grammy-Gewinnerin.
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Zwischenzeitlich warf es die mittlerweile in der Schweiz, am Genfer See, lebende Künstlerin aus der Bahn. 2003 erkrankte sie an Borreliose, verlor zwischenzeitlich sogar ihre Stimme. Viel Leben kam dazwischen, und so vergingen zwischen den beiden Alben „Up!“ (2002) und dem Nachfolger „Now“ satte 15 Jahre. Sechs Jahre waren es wiederum zwischen „Now“ und „Queen of Me“ (2023), aber da lagen auch eine längere Tournee und Las-Vegas-Residency sowie die Corona-Pandemie dazwischen.
Zurück mit dem siebten Streich
Nun also meldet sich Twain mit ihrem siebten Streich zurück. „Little Miss Twain“ heißt das gute Stück. Twain rührt darauf wieder den ihr eigenen Mix aus Country, Pop, Rock, Soul und Bluegrass an. Inhaltlich richtet sie den Blick zurück, es wird dabei durchaus persönlich.
In „Dirty Rosie“ etwa, das als erste Single ausgekoppelt wurde, geht es um Shanias frühe Jahre in Kanada. Der Song erzählt von den Hoffnungen und Träumen, die Shanias Mutter für ihre Tochter hatte. Gleichzeitig ist der Titel eine Hommage an Country-Legende Tanya Tucker, eine von Shanias ersten musikalischen Heldinnen, die auf „Little Miss Twain“ auch als Duettpartnerin mit von der Partie ist. Im Refrain erinnert sich Shania daran, wie ihre Mutter sie bereits als Achtjährige zu Auftritten in Bars fuhr und sie immer wieder dazu ermutigte, die Songs von Tucker zu lernen – als Inspiration und als Vorbild für ihre eigenen Träume. Shanias Mutter kam 1987 bei einem tragischen Autounfall ums Leben und erlebte den internationalen Durchbruch ihrer Tochter nicht mehr. Erst jetzt fühlte sich Shania bereit, den Einfluss ihrer Mutter in einem Song zu verarbeiten. Bewegend.
Die weiteren Glanzlichter
Der Titelsong „Little Miss Twain“ skizziert Shanias prägende Lebenserfahrungen und ihre künstlerische Entwicklung nach. Von Beginn ihrer Karriere an verfolgte die Gute konsequent ihre eigene Vision. Sie ebnete den Weg für den Crossover-Erfolg der Countrymusik, trug dazu bei, Genregrenzen aufzubrechen, und inspirierte eine neue Generation von Country-Künstlerinnen.
Auch „Northern Town“ bleibt haften, eine Nummer über Resilienz, hier setzt sich Twain mit ihrer rauen Kindheit auseinander. „That’s the Money“ kommt eher relaxt daher, gefällt. Ebenso wie „Faded Blue Jeans“, eine durchaus überraschende Kollaboration mit Josh Homme. Das coole „Problematic“ erinnert im besten Sinne an Prince.
Natürlich hat es zwischendrin auch ein paar Füller, geschenkt. Der Closer „Rockstar“ entschädigt aber auch für diese. Ein Song mit viel Gefühl, mit ganz viel Soul. Shania Twains Stimme mag sich über die Jahre – auch ob ihrer Erkrankung seinerzeit – verändert haben, mit dem richtigen Song-Material lässt sich daraus aber euch eine neue Stärke ableiten.
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