R.E.M.- Monster (foto: universal music)

R.E.M. – Monster

Erscheinungsdatum
November 1, 2019
Label
Universal Music
Unsere Wertung
7.5
7.5
Unterschätzt.
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Happy Birthday, „Monster“! Anlässlich zum 25. Wiegenfest der – von Fans immer irgendwie verschmähten – Platte veröffentlicht Universal Music eine erweiterte Jubiläumsauflage des neunten R.E.M.-Studioalbums.

Als das Album „Monster“ im September 1994 in die Läden kam, standen R.E.M. gerade an einem Scheideweg. Die vorangegangenen Alben „Out of Time“ (1991) und „Automatic for the People“ (1992) waren so erfolgreich gewesen, dass Sänger Michael Stipe, Gitarrist Peter Buck, Bassist Mike Mills und Schlagzeuger Bill Berry plötzlich Druck verspürten. Alternativ war die Band nun nicht mehr – sie war der Mainstream. Binnen weniger Jahre hatte es die vierköpfige Gruppe aus Athens in Georgia geschafft, zu einer der populärsten Bands der Welt zu avancieren. Dank Hits wie „Losing My Religion“, „Man On The Moon“ und „Everybody Hurts“.

Mit „Monster“ wollten R.E.M. nun die musikalische Strategie wechseln. Nach den ganzen Balladen, Akustikrock-Songs und komplexen Arrangements der beiden Vorgängeralben, wollte die Kapelle ab sofort etwas mehr Druck entwickeln. Gradliniger sollte es sein. Lauter. Das, so die Idee, würde sich auch auf der Bühne gut machen. Nach sechs Jahren Tournee-Pause hatte die Gruppe wieder Lust, live zu spielen. In seinen Liner Notes stellt Journalist Matthew Perpetua fest, dass es für „Monster“ „keinen Vorläufer gab in der Diskografie der Band“. R.E.M. hätten „noch nie dermaßen verzerrt und dreckig, auch nie zuvor so glamourös und sexy“ geklungen. In den Worten von Gitarrist Peter Buck: „Wir versuchten damals, uns wie eine andere Band zu fühlen. Wir wollten einfach weg von dem, was wir waren.“ Vielleicht lag es an diesem stilistischen Bruch, dass „Monster“ nie die Wertschätzung der Fans bekam, die die Platte eigentlich verdient gehabt hätte.

Das ewige Hadern mit dem Ruhm

Dass die Bandmitglieder auch an der plötzlichen Berühmtheit und daran, was das mit der eigenen Identität anstellt, zu knabbern hatten, hört man im Verlauf von „Monster“ immer wieder heraus. „Es steht außer Frage, dass die Figuren, denen man auf ‘Monster’ begegnet, alle in irgendeiner Form besessen sind“, schreibt Perpetua in den Liner Notes. „Angefangen beim vernarrten Erzähler von ‘Crush With Eyeliner’, über den liebestollen Protagonisten von ‘Strange Currencies’ bis hin zum schnatternden Superhelden von ‘I Took Your Name’…“ So düster manche dieser Themen auch anmuten, verhandeln R.E.M. sie immer auch mit einem Anflug von Ironie, einem Augenzwinkern am Rande der Absurdität. 

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Ein Glanzlicht der LP ist die erste Single „What’s The Frequency, Kenneth?“, mit der R.E.M. jene Medien- und Marketing-Themen auf die Schippe nehmen, die in der Popkultur der Generation-X-Ära so zentral waren. Der Titel ist dabei eine Anspielung auf den Überfall auf den US-Journalisten Dan Rather im Jahr 1986. Die zwei Täter stellten dem Journalisten immer wieder diese Frage, während sie auf ihn einschlugen. Später, Jahre nach Veröffentlichung des Songs, stellte sich heraus: Einer der beiden Angreifer hatte die krude Idee, dass TV-Sender Strahlung nutzten, um sein Gehirn anzugreifen. Er steigerte sich so sehr in diesen Wahn hinein, dass er 1994 einen TV-Mitarbeiter bei dem Versuch umbrachte, ins NBC-Gebäude zu gelangen.

Verneigung vor Kurt Cobain

„Star 69“ ist eine eingängig vertonte Detektivgeschichte, die vom gleichnamigen Telefondienst aus den Neunzigern inspiriert ist (eine Art Vorläufer zu Caller ID). Für die zweite Single „Bang and Blame“ holten sich R.E.M. Thurston Moore von Sonic Youth und die Schauspielerin Rain Phoenix ins Boot, deren Bruder River kurz davor verstorben war (weshalb das „Monster“-Album auch ihm gewidmet wurde).

Mit dem verzweifelten „Let Me In“ verneigt sich die Band vor Kurt Cobain, der sich erst wenige Monate davor das Leben genommen hatte. Mike Mills, der hier statt Bass Cobains Gitarre spielt, kommentierte später: „Ein wichtiges kathartisches Ventil war dies für Michael. Seine Reaktion auf den tragischen Verlust eines guten Freundes, eines Menschen, mit dem wir alle kreativ auf einer Wellenlänge waren.“ 

Ungeliebt, aber erfolgreich

Am Ende war „Monster“ ein ungeliebtes, aber erfolgreiches Album. Die Band wünschte sich später, sie hätte nicht so lange an der Platte herumgedoktert. Viele Fans kamen mit der Düsternis – die im Gegensatz dazu aber Kritiker begeisterte – nicht klar. Die Zahlen aber stimmten trotzdem: In den USA stieg „Monster“ direkt auf Platz eins in die Billboard-200 ein. Dazu gab es gleich vierfaches US-Platin. In Deutschland erreichte die CD Platz zwei und wurde schließlich ebenfalls mit Platin ausgezeichnet.  

Nach der Veröffentlichung startete die Band dann ihre nächste Tournee, bei der sie ein Jahr lang in Stadien und Amphitheatern rund um den Globus auftraten. Kommerziell gleich der nächste Erfolg für R.E.M., aber ein hart erkämpfter: Die Gruppe hatte unterwegs immer wieder mit größeren Gesundheitsproblemen zu kämpfen, als Stipe, Mills und Berry nacheinander krank wurden. Sie zogen ihr Programm trotzdem durch und komponierten unterwegs sogar schon wieder so viele neue Songs, dass sie nicht nur das Publikum mit brandneuen Tracks versorgten, sondern unterwegs auch bereits weite Teile des Nachfolgeralbums „New Adventures in Hi-Fi“ aufnahmen. 

Jubiläums-Edition in vielen Varianten

Pünktlich zum 25. Jahrestag der Erstveröffentlichung gibt es seit heute also eine erweiterte Neuauflage in mehreren digitalen und physischen Konfigurationen. Das Deluxe-Boxset, das aus fünf CDs und einer Blu-ray Disc besteht, vereint neben dem Originalalbum unter anderem auch ein neues Remix-Album von Produzent Scott Litt, eine CD mit bislang unveröffentlichten Demos sowie einen ungekürzten Konzertmitschnitt von 1995 in Chicago. Auf der dazugehörigen Blu-ray Disc ist „Monster“ in bester Soundqualität zu hören. Dazu gibt es viel zu sehen: alle sechs Musikvideos, die zum „Monster“-Albumzyklus produziert wurden, sowie den 90-minütigen Film „Road Movie“, der von der anschließenden Tournee im Jahr 1995 handelt.

Aufwendig verpackt als 5,5-Zoll-Portfolio-Buch besticht die Edition obendrein mit den neuen, hier bereits erwähnten Liner Notes von Journalist Matthew Perpetua, der auch ganz neue Erkenntnisse der Bandmitglieder einbringt. Eingerahmt ist sein Text von exklusiven Archiv-Fotos. Zeitgleich erscheint eine erweiterte Edition von „Monster“, die das Originalalbum mit dem neuen Remix-Album kombiniert, als 2LP (180g Vinyl) und 2CD, für die der angestammte R.E.M.-Designer Chris Bilheimer das Cover neu interpretiert hat. Schließlich ist das Remastered-Album auch als 180g-Vinyl-LP erhältlich. In dieser Variante illustriert mit dem Original-Artwork von Bilheimer. Die digitalen „Monster“-Jubiläumseditionen setzen sich ebenfalls aus den drei Kernteilen des Deluxe-Sets zusammen.

Mills über „Monster“

Die anstehende Jubiläumsneuauflage gab R.E.M. einerseits die Gelegenheit, sich noch einmal intensiv mit „Monster“ zu befassen und über die damaligen Aufnahmen nachzudenken. Darüber hinaus konnten sie selbst kreativ werden. Sie knöpften sich für das Remix-Album die Stücke ein weiteres Mal mit dem Produzent Scott Litt vor. Litt, der erzählt, dass sich die Suche nach dem perfekten Sound damals als sehr schwierig gestaltet hatte, kommentiert: „Ich hatte der Band im Laufe der Jahre immer wieder gesagt: Sollte sich mal aus irgendeinem Grund die Möglichkeit ergeben, das Album neu abzumischen, dann würde ich das gerne machen.“

Es hat zwar 25 Jahre gedauert, aber das Warten auf diese zweite Chance hat sich gelohnt. Perpetua beschreibt, wie Litt für die neuen Remix-Versionen zum Teil sogar „komplett andere Gesangsaufnahmen verwendet und Instrumentalspuren ins Spiel bringt, die entweder vergraben oder aus dem ursprünglichen Mix später wieder rausgeschnitten worden waren.“ Mills’ Kommentar: „Ich glaube, dass er über die Jahre bei ganz anderen Ansätzen gelandet ist, wie man diese Songs umsetzen kann.“

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