Aretha Franklin (foto: atlantic records)

Nachruf: Aretha Franklin ist tot

Aretha Franklin ist tot. Die US-amerikanische Soul-Legende und 18-fache Grammy-Preisträgerin starb im Alter von 76 Jahren in ihrer Heimatstadt Detroit an den Folgen einer langen Krebserkrankung.

Sie war eine Frau, der selbst der mächtigste Mann der Welt zu Füßen lag. Es war schon ein ikonischer Moment, als sie 2015 bei der Verleihung des Kennedy-Preises mit ihrem Gesang Barack Obama so unter die Haut ging, dass dieser in Tränen ausbrach. „American history wells up when Aretha sings“, erklärte er seinen Gefühlsausbruch später. 2008 hatte die Queen of Soul bereits bei der Amtseinführung des ersten schwarzen Präsidenten der USA gesungen. Es muss ein stolzer Moment für Franklin gewesen sein, die in den sechziger Jahren mit ihrer Interpretation des Songs „Respect“ die Hymne für den afroamerikanischen Befreiungskampf, ja, den Soundtrack für die Bürgerrechtsbewegung lieferte.

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Geboren wurde Aretha Franklin am 25. März 1942 in Memphis, Tennessee. Aufgewachsen ist die Tochter eines Baptistenpredigers jedoch in der Autometropole Detroit. Dank ihres familiären Hintergrunds kam die Gute schon früh in Berührung mit der Kirchenmusik, mit ihren Schwestern sang sie beispielsweise schon früh im Kirchenchor des Vaters. Als weibliche Bezugsperson dienten ihr zu jener Zeit ihre Großmutter und Gospellegende Mahalia Jackson. Nicht der einzige Promi, der bei den Franklins vorbeischaute: Auch Sam Cooke oder Martin Luther King Jr gingen bei Papa Franklin ein und aus.

Ihre erste Platte veröffentlichte Aretha im zarten Alter von 14 Jahren. Es war, logisch, ein Gospel-Album: „Songs of Faith“ erschien 1956 bei JVB-Records, ein paar Songs schafften es in die Rotation von Gospel-Radiosendern und Aretha reiste mit The Caravans und The Soul Stirrers (zu denen auch Sam Cooke gehörte, für den sie sehr geschwärmt haben soll) umher. Cooke war es dann auch, der Franklin dazu inspirierte, sich dem Pop zuzuwenden: Mit 18 Jahren unterschrieb Franklin bei Columbia Records. Ihre erste Single für das Label, „Today I Sing The Blues“, erschien im September 1960.

Wenige Monate später, im Januar 1961, erschien mit „Aretha: With The Ray Bryant Combo“ ihre erste Platte mit weltlicher Musik. Eine ganze Reihe weiterer Alben sollte folgen, in denen Franklin gekonnt zwischen Standards, Doo-Wop, Jazz oder auch Blues changierte. Als ihr das Ganze zu seicht wurde und sie musikalisch den nächsten Schritt gehen wollte, wechselte sie im November 1966 zu Atlantic Records – eine kluge Entscheidung. Es war der Beginn einer einmaligen Erfolgsgeschichte. Zu ihren frühsten Aufnahmen für das Label zählte das Otis-Redding-Cover „Respect“ (1967), das zum Aretha-Signature-Tune avancieren sollte. Zwei Jahre lagen zwischen den beiden Interpretationen, sie hätten unterschiedlicher kaum sein können. Reddings Version ist die eines verzweifelten Mannes, der alles für seine Frau tun würde. Ihm ist es dabei sogar egal, wie sie ihn behandelt, so lange sie ihm den nötigen Respekt erweist, wenn er das Geld abends mit nach Hause bringt. Franklins Version hingegen ist die einer starken, selbstbewussten Frau, die weiß, dass sie all das mitbringt, was ein Mann will, ihn sogar ernährt. Sie spielt ihm eben nicht übel mit, sondern verlangt einfach nur seinen Respekt. Ein musikalisches, feministisches Manifest.

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In den späten sechziger und frühen siebziger Jahren veröffentlichte Franklin eine ganze Reihe von Alben, die jede Menge Klassiker bargen: „(You Make Me Feel) Like A Natural Woman“ (1967), „Chain Of Fools“, „Ain’t No Way“, „Think“, „I Say A Little Prayer“ (alle 1968) und „Spanish Harlem“ (1970) sind wohl die bekanntesten. Ab Mitte der siebziger Jahre aber hatten ihre Alben nicht mehr den durchschlagenden Erfolg, den man gewohnt war.

In den achtziger Jahren erholte sich ihre Karriere aber langsam, durch den Wechsel zu Arista, einige sehr gelungene Cover und Duette (etwa „Love All The Hurt Away“ mit George Benson, „I Knew You Were Waiting For Me“ mit George Michael oder „Sisters Are Doing It For Themselves“ mit Annie Lennox) sowie Filmrollen (unter anderem in „Blues Brothers“). Bis ins hohe Alter sollte sie einigermaßen regelmäßig neues Material veröffentlichen. Zuletzt erschien 2017 „A Brand New Me“, eine Sammlung von Covern, die sie mit dem Royal Philharmonic Orchestra einspielte.

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Fast 40 Jahre lang hielt Aretha Franklin dabei den Rekord für die meisten Singles in den amerikanischen Charts. Es wird sie nicht weiter gestört haben: Franklin, seit 1987 Teil der Rock and Roll Hall Of Fame, gehört zu den Künstlern mit den meisten verkauften Tonträgern (75 Millionen) weltweit, das „Rolling Stone“-Magazin führt sie in der Liste der besten Sänger und Sängerinnen sogar an der Spitze.

Über die Jahre hatte Franklin aber auch immer wieder mit schweren privaten und gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Ihre Mutter verlor sie, da war sie noch ein junges Mädchen. Mit 15 hatte sie selbst bereits zwei Kinder. Alkohol- und Gewichtsprobleme zogen sich durch ihr ganzes Leben. 2010 tauchten schließlich die ersten Gerüchte auf, dass Franklin an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt sei. Gerüchte, die sie allerdings nie offiziell bestätigte. Immer wieder kämpfte sie sich auf die Bühne zurück. Jetzt ist der Kampf vorbei. Aretha Franklin hinterlässt vier Kinder.

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