Darjeeling (foto: thi thuy nhi tran)

My Soundtrack: Darjeeling

Irgendwo zwischen Psychedelic, Indie-Rock und verquerem Pop verorten sich Darjeeling. Die Wuppertaler Band, bestehend aus Jan R. Szalankiewicz  (git, voc), Markus Kresin (bass, voc) und Fabian Till (keys, voc, perc), hat im Februar mit „Maguna“ ein neues Album vorgelegt und sich dabei noch verspielter und experimenteller präsentiert als ohnehin gewohnt. Ziel war es, den Sound einer privilegierten Generation zu schaffen, die sich zwischen verpassten Chancen, Ideologie, Teilnahmslosigkeit und Realismus beziehungsweise Pessimismus verläuft. Reinhören lohnt sich. Wo sich die Gruppe die Inspiration für ihren Avantgarde-Pop herholt, verrät sie uns in dieser My-Soundtrack-Ausgabe.

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Grizzly Bear – Ready, Able 

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Till: Dieser Song darf eigentlich für das Gesamtkunstwerk Grizzly Bear und ihr Oeuvre stehen. Ich glaube, dass wenige Bands über einen so langen Zeitraum solch einen tiefen Eindruck auf uns ausgeübt haben. Das Drumming, die Harmonien, die Sounds sind ebenso virtuos wie das Songwriting. Der Gesamteindruck ist lyrisch und irgendwie erreicht es nie einen Punkt, an dem es in Kitsch umschlagen könnte oder mensch denken würde, dass sie sich zu ernst nehmen. Jede Veröffentlichung fesselt uns, zumindest kurz und irgendwie haben sie ja auch gezeigt, dass aus einer (Anti-)Folkband etwas unglaublich Schillerndes, Überraschendes erwachsen kann. Lobeshymne Ende.

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Dungen – Festival

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Till: Dungen ist eine schwedische Band um Gustav Ejstes, die in Deutschland nie wirklich Bekanntheit erlangt hat, aber weniger oder eher mehr offensichtlich der Grund dafür ist, dass der nicht-originäre Tame-Impala-Sound und das große Psychedelic-Revival der frühen 2010er Jahre salonfähig wurden. Ich denke wir haben sie vielleicht so um das Jahr 2008 oder ‘09 entdeckt, da waren aber die beiden großen Alben “Ta Det Lugnt” (Nimm es leicht)  und “4” schon erschienen. Ich glaube wir waren einfach stunned und direkt verliebt in die Attitude der Musik: Sie zeigt ganz klare Wurzeln und ist trotz viel Bekanntem innovativ und einfach nur richtig, richtig gut. Da war viel Fuzzrock, viel Jazz, dieser Gitarrengenius Reine Fiske, immer genau der richtige Pianosound und manchmal einfach nur Jamming – aber meistens ohne das Wesentliche aus den Augen zu verlieren: den Song.

2015 konnten wir die Band dann in den Niederlanden endlich live sehen – in Deutschland haben sie seit 2004 nicht mehr gespielt – und es war ein furchtbarer Auftritt. Kurz vor dem Konzert, auf dem Transport, muss die ersatzlose Gitarre kaputtgegangen sein. Sie verstimmte sich permanent während der Show. Also war das alles nicht nur ein völliges Entzauberungserlebnis, sondern auch ziemlich ernüchternd. Unsere Idole  erschienen uns als genauso kleine Fische, wie wir selbst es waren. Wir sahen uns plötzlich auf einem eigenen Konzert, wo nichts lief, wie es sollte.

Miles Davis – Tutu

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Jan: Wie oft hat Miles Davis seine Fans verblüfft, wie oft haben sich Teile seiner Verehrer*innen von ihm abgewandt, ihn als Verräter des Jazz und Sell-Out gebrandmarkt? Wahrscheinlich bei jeder Veröffentlichung ab den frühen 50ern, nachdem er sich vom Cool Jazz verabschiedete. Und trotzdem, als sich Miles Davis nach längerer Funkstille mit der Ästhetik der 80er-Jahre vertraut machte, war es vielleicht doch der radikalste Schritt aus Sicht seiner Jünger. Bis heute haftet an “Tutu” der Ruf, es sei der endgültige Beweis dafür, dass Davis ja eigentlich kein besonders genialer Trompeter gewesen wäre, technisch sowieso mittelmäßig, und das Ganze habe ja auch nichts mehr mit Jazz zu tun, das ist Pop – allerhöchstens noch Fusion.

Dabei ist die Genialität in jeder Sekunde zu spüren, vor allem in Form von Kompromisslosigkeit und Radikalität. Man denke zurück an die Achtziger, da wo der Status Quo war, dass professionelle Musiker*innen möglichst schnell und sauber spielen können müssen. Rückblickend wirkt es wie Leistungssport. Miles Davis hatte vielleicht das letzte Mal in den 40ern Trompetespielen geübt, aber an seinem Genie prallte der damalige Zeitgeist ab – mal wieder, wie schon so oft davor. Ein wahrer Meister.

Cate Le Bon – Home to you

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Jan: Das Album “Reward” von Cate le Bon ist für mich der absolut beste Abschluss der Indie-Gitarren-Musiklandschaft des letzten Jahrzehnts und ein Wegweiser für das nächste. Auf ihrem mittlerweile schon fünften Album perfektioniert die Walisierin subtile, aber doch kraftvolle Produktion, verschrobene Arrangements und eklektischen Gesang. Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie es war, das Album das erste Mal zu hören. Ich wusste direkt, das ist etwas ganz Großes, ein “instant classic”. Und ich bin mir sicher, dass man in 20 Jahren in den allerhöchsten Tönen über Cate Le Bons Schaffen berichten wird. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer (in 20 Jahren).

“Home to you”, vielleicht der beste Song des Albums, ist eine perfekte Einführung in die Soundwelt, die auf “Reward” erschaffen wird. Etwas im Jahr 2019 noch so frisch klingen zu lassen, obwohl doch schon alles irgendwann mal irgendwo da war, ist schon an sich respektabel. Aber dabei auch noch ein Meisterwerk zu erschaffen und dieser Welt zu schenken? Grandios. Danke, Cate.

Radiohead – Lotus Flower

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Markus: Radiohead spielt für meine persönliche Entwicklung als Musiker eine entscheidende Rolle. Aus einer Phase heraus, in der ich nur alte Musik gehört habe, haben sie mir gezeigt, dass es neue Klänge und Ansätze geben kann, die erfolgreich und wirkmächtig sind, ohne sich und den eigenen Sound einer Marktlogik zu unterwerfen. Das viel kritisierte 2011er Album „King of Limbs“ ist nach dem leicht verdaulichen „In Rainbows“ ein Mittelfinger an alle die, die Radiohead in die gefällige Indie-Schublade schieben wollten. Über sich selbst stolpernde Rhythmen und verschrobene Klänge beherrschen das kurze Album, das ganz ohne Promo und Marketing auskam. „Lotus Flower“ ist einer der zentralen Songs des Albums, der alle die Elemente vereint und gleichzeitig tanzbar bleibt.

Talk Talk – Taphead

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Markus: Mit ihrem letzten Album „Laughing Stock“ setzte sich die britische Band „Talk Talk“ um Sänger Mark Hollis zum Abschluss ihrer Karriere nochmal selbst ein Denkmal. Vom poppigen Klang der 80er Jahre verabschiedeten sie sich schon ein Album vorher, doch das Konzept geht auf „Laughing Stock“ nochmal mehr auf. Klassische Songstrukturen werden über Bord geworfen und weichen einem Aufbau, der sich vor allem Zeit nimmt, um den Harmonien besondere Wirkung zu verleihen. Mit diesem ständigen Spiel zwischen Spannung und Auflösung erschufen „Talk Talk“ eine Aufmerksamkeit, die nicht nach dem nächsten Höhepunkt lechzt sondern den Hörer*Innen jedes einzelne Element der Musik näher bringt. Abgerundet wird das ganze von Mark Hollis brillantem Gesang. Dieser setzt genau dann ein, wenn er muss und macht die Musik mehr interessant als repetitiv.

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