Marianne Faithfull - Vagabond Ways (foto: bmg)

Marianne Faithfull – Vagabond Ways

Erscheinungsdatum
März 4, 2022
Label
BMG
Unsere Wertung
7.5

Der Weg ist das Ziel: Vielleicht hätte das sozusagen der Untertitel zu Marianne Faithfulls Album „Vagabond Ways“ sein können, das im Jahr 1999 erschien. Auf diesem zeichnet Faithfull ihren Lebensweg nach, der nun ja nicht immer sehr geradlinig verlief und auf dem die Gute ja gerne mal den einen oder anderen Haken schlug. BMG hat das Album nun in einer erweiterten Version wiederveröffentlicht.

Ob man wirklich von Comeback sprechen konnte? So richtig war Marianne Faithfull, damals 52 Jahre alt, ja nie weg. Gut, damals, 1999, hatte sie mit „Vagabond Ways“ zwar nach fünf Jahren mal wieder ein Album mit Originalmaterial veröffentlicht. Aber: Eine „Pause“, in der Faithfull einfach die Hände in den Schoss legte, war das ja nun auch nicht. Immerhin erschien in diesem Zeitraum, dieser halben Dekade, ihre Autobiografie “Faithfull” und ihre Aufnahme der Kurt-Weill-Oper “The Seven Deadly Sins” (1998). Faithfull war also weiterhin umtriebig.

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Wenn man so will, ist „Vagabond Ways“ eine Verlängerung von Faithfulls Autobiografie. Viele der auf dieser Platte erzählten Geschichten stammen aus Erinnerungen, die es nicht in das Buch geschafft haben, aber der Öffentlichkeit dennoch nicht vorenthalten werden sollten. Es geht um Drogen, verunglückten Liebschaften, Hoffnungslosigkeit, Sex, das erste Kind, das Marianne schon mit 14 Jahren bekam.

Bleischwer – mit wenigen Ausnahmen

Dazu kommen Songs, die soziale Konflikte verhandelten, die Faihfull seinerzeit berührt haben. Alles sehr melancholisch, alles ziemlich düster. Weitere Titel sind zum Beispiel ihre Interpretation von Leonard Cohens „Tower of Song“, das zumindest eine gewisse Leichtigkeit in die Sache bringt; dazu ein Lied („Incarceration of a Flower Child“) wohl über Syd Barrett, das ihr Roger Waters aus den Archiven von Pink Floyd hervorkramte und „For Wanting You“, das das Songwriter-Duo Elton John und Bernie Taupin speziell für Marianne schrieb. 

Die Kritik nahm die Platte damals wohlwollend auf. Auch für Faithfull war es wohl ein besonderer Longplayer, die damals sagte, ihre Arbeit hier zeige ein Maß an Selbstakzeptanz, das sie zuvor noch nicht erkundet hatte, und dass sie „Farbe bekannt“ habe. Es enthält überdies frühe Beispiele dafür, wie sie Poesie mit Musik überlagert, etwas, das sie kürzlich auf dem 2021 erschienenen – von der Kritik gelobten – Album “She Walks In Beauty” mit Warren Ellis erneut umsetzte.

Jede Menge Extras

Als Bonusmaterial bietet das Album die unveröffentlichte Komposition „Drifting” von Marianne Faithfull und Daniel Lanois sowie Demoaufnahmen von „Vagabond Ways“, „Incarceration of a Flower Child“, „Electra“ und „Tower of Song“. Die Neuauflage präsentiert auch das von Bob Dylan geschriebene „Blood In My Eyes“, das hier zum ersten Mal – mit Ausnahme einer japanischen Edition – auf einem physischen Format enthalten ist. Dazu gibt es neue Liner Notes.

Das Album erscheint neben der CD-Version und den digitalen Formaten auch erstmals auf Vinyl.

Anspieltipps
Incarceration Of A Flower Child
Tower of Song
Blood In My Eyes
Marathon Kiss (mit Emmylou Harris)
7.5
Unterschätzt.
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