Liz Lawrence (foto: marieke macklon)

Liz Lawrence

Keine Frage: Liz Lawrence gehört zu jener Art von Künstler*innen, bei denen man sich immer fragt, warum sie nicht viel bigger sind. Die britische Singer-Songwriterin hat ein Gespür für einnehmende, ja, geradezu magische Melodien. Würdigung einer Künstlerin, die bisher immer irgendwie unter dem Radar flog, damit aber eigentlich auch ganz glücklich ist.

Liz Lawrence ist eine Künstlerin, die gerne mal den ungewöhnlichen Weg geht. 2012 machte sich die Britin an ein ehrgeiziges Projekt: eine Solo-Wohnzimmer-Tour. Was verrückt klingt, machte der talentierten Multi-Instrumentalistin aber jede Menge Spaß. Auch wenn sie später in einem Interview mit „Drunken Werewolf“ zugab: „Eine Woche vor der Tournee war ich mega-nervös. Natürlich ging mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich da plötzlich ganz alleine vor einem Bank-Manager mit seiner einsamen Flasche Portwein perfomen könnte, in einem Wohnzimmer, das mit Postern von Margaret Thatcher und dem schon lange verschiedenen Dackel dekoriert ist. Und am Ende würde ich verschnürt in seinem Keller landen“. Ist zum Glück natürlich nicht passiert – und so können wir an dieser Stelle die Geschichte dieser außergewöhnlichen Musikerin erzählen, die auch mal fast vom Limo-Driver von Grace Jones überfahren wurde.

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Die frühen Jahre

Die Reise von Liz Lawrence begann 1990 in Stratford-Upon-Avon, einer heute knapp 27.500 Einwohner zählenden Markstadt in Warwickshire, mitten im Herzen Englands. Es ist die Geburtsstadt von William Shakespeare, hier liegt der berühmte Dramatiker und Lyriker auch begraben. Das Herz von Liz gehörte schon früh der Kunst und der Musik. Mit acht Jahren hielt sie das erste Mal eine Gitarre in den Händen, und glaubt man der Legende, war da sofort Liebe zu diesem Instrument. Eine Liebe, die sie auch nicht mehr loslassen sollte, auch wenn die Musik zwischenzeitlich mal in ihrer Gunst mit dem Fußball konkurrierte. „Bei meiner Familie lief ständig irgendwo Musik. Wenn ich nach Hause kam, tanzte meine Mutter wahrscheinlich gerade zu Faithless in der Küche, und später kochte mein Vater zu Tom Waite“, erinnerte sich Lawrence in einem Interview mit „Female First“. Sie selbst hat gerne Musik gehört, die sie einen gewissen Swag fühlen ließ, wie sie „The Rodeo“ verriet: The Clash, The Prodigy, Run DMC, LCD Soundsystem, J5, Rancid, Cypress Hill, Damian Marley, you name it.

Ehe die Gute sich als Solo-Performerin versuchte, spielte Lawrence in ihrer Jugend in diversen Punk- und Ska-Bands. „Ich glaube, Teil einer Band zu sein, das war für mich damals auch eine gute Entschuldigung, am Wochenende auszugehen. Natürlich wurde da später mehr draus, als ich älter wurde. Oder vielleicht auch nicht?“, sagte sie mal in einem Interview mit „Slate the disco“ augenzwinkernd.

Bedroom Hero

DIY. Do It Yourself. Drei Worte, gleichermaßen beängstigend und befreiend. Einschüchternd und motivierend. Und wahrscheinlich war das auch das emotionale Spannungsfeld, in dem sich Liz Lawrence bewegte, als sie seinerzeit noch vor dem Release ihres Debütalbums „Bedroom Hero“ von ihrer Plattenfirma EMI gedropped wurde. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, hat die Gute die Sammlung bittersüßer Folk-Pop-Songs – viele entstanden schon 2010, als Lawrence noch zur Kunstschule in Devon ging – 2012 eben in Eigenregie auf den Markt gebracht. Gut, dass sie das denn auch getan hat. Sonst wären uns Perlen wie das wunderbare „Monday Morning“ verwehrt geblieben. Das Aus bei ihrem Label hat sie Jahre später übrigens im Song „USP“ verarbeitet.

2014 erschien mit „Health & Safety“ zwar nochmal eine eigene EP. Dennoch war das Aus beim Major Label natürlich ein Schlag für Liz, von dem sie sich erst einmal erholen musste. Selbstfindung war angesagt, und eine Weile fühlte sich Lawrence wohler, wenn sie nicht alleine, sondern mit anderen Musik machte. Etwa mit ihren Kumpels vom Bombay Bicycle Club, die sie mit auf eine zweijährige Welttournee nahmen.

Außerdem gründete sie 2013 gemeinsam mit Tim Ross das Electro-Pop-Duo Cash + David, mit dem sie in den nächsten drei Jahren mehrere Singles und EPs veröffentlichen würde. 2016 fassten sie das Material zu dem Album „Side I and Side II“ zusammen, ehe Lawrence dann für sich entschied, eine Pause vom Musikbusiness einzulegen.

„I don’t think any artist worth their salt looks back on a work and goes, wow, isn’t that perfect, I am a genius. Probably Leonardo Da Vinci looked back at the Mona Lisa and thought “hum, that left eye is a bit wonky” 

Liz Lawrence, Interview mit Drunkenwerewolf.com

Pity Party

Am 25. Oktober 2019 legte Liz Lawrence endlich ihr zweites Album vor. Die Singer-Songwriterin hatte sich in ihrer selbst auferlegten Pause das Produzieren beigebracht und an ihrem Sound getüftelt. DIY – das war natürlich auch weiterhin das Konzept. Als dann wieder genug Selbstvertrauen da war, droppte die gute Liz 2017 und 2018 eine ganze Reihe von Singles, darunter „Chainsmoking“, „Circling Numbers“ und „The Good Part“. Testballons. Keine der Nummern findet sich auf „Pity Party“ wieder.

Auf dem großartigen „Pity Party“ ließ die britische Singer-Songwriterin ihre Folk-Wurzeln hinter sich und orientierte sich mehr in Richtung Indie-Pop – mit deutlichen Anleihen in den achtziger Jahren. Es ging also raus aus der Komfortzone. Inhaltlich beschäftigten sich die elf neuen Tracks vornehmlich mit dem Gefühlschaos, das man so in seinen 20ern durchlebt. Besonders stark: die Lead-Single „Navigator“.

Woosh!

Wie alle anderen Künstler auch wurde die gute Liz dann im Jahr 2020 durch Corona erst einmal ausgebremst. Touren, Auftritte – damit war durch den Lockdown erst einmal Makulatur. Dennoch hatte Liz aber auch im Jahr der Pandemie die Hände nicht in den Schoß gelegt. Den Beweis dafür erbrachte sie am 2. Oktober mit der Veröffentlichung der vier Tracks umfassenden EP „Whoosh“. „Ich habe ‚Woosh‘ (mit Ausnahme von ‚Hope‘) bereits im vergangenen Dezember geschrieben, als die Dinge noch echt glatt liefen und ich mich fühlte, als würde ich im fünften Gang umher cruisen“, schrieb Lawrence auf ihrer Facebook-Seite, und weiter: „Künstler können nicht vorhersehen, in welcher Welt ihre Musik veröffentlicht wird und das Jetzt fühlt sich natürlich ganz anders an als das späte 2019“. Die EP sollte aber nun für etwas Eskapismus sorgen, an das Gefühl der Freiheit erinnern. während man „große Pläne für 2021“ macht.

DISCOGRAPHY

2012: Bedroom Hero
2014: Health & Safety
2019: Pity Party
2020: Whoosh!

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