The Kooks (foto: Davis Factor)

Live: The Kooks in Schwetzingen – Leider kein Foto für Euch

The Kooks gehören zu den wenigen Indie-Größen der Nuller Jahre, die überdauert haben. Am Dienstag feierten die Briten ihr Frühwerk bei „Musik im Park“ in Schwetzingen.

Eigentlich, ja, eigentlich hätten Sie an dieser Stelle ein Bild vom The-Kooks-Konzert in Schwetzingen sehen sollen. Eigentlich. Denn ganz uneigentlich hat NEON GHOSTS auf ein Foto dieses Auftritts verzichtet. Die Briten gehören leider zu der Sorte Künstlern, die ein seltsames Verständnis von Pressefreiheit haben. Sie fordern von Pressefotografen, dass diese ihnen die Bilder vom Konzert vor der Veröffentlichung zur Freigabe überlassen, sprich: The Kooks wollen bestimmen, welche Bilder gedruckt werden und welche nicht. Gleichzeitig möchte die Band auch noch das Recht haben, die Fotos selbst kostenfrei zu nutzen. Mit anderen Worten: Sie will sich auch noch an der Arbeit der meist ja freischaffenden Fotografen bereichern, die mit dem Verkauf von Bildern ihren Lebensunterhalt verdienen. Ein Unding. Da machen wir  als unabhängige Tageszeitung nicht mit und zitieren ausnahmsweise Heidi Klum: „Heute habe ich leider kein Foto für dich“. Texte und Bilder, die das Objekt der Berichterstattung vorher abnickt, sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt würden, sie wären nicht glaubwürdig. Es gilt das Motto: Einem Journalisten in die Arbeit reinzuquatschen, ist so bizarr als wollte dieser Mitspracherecht bei der Erstellung der Setlist des Abends haben.

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Geburtstagssause für den Erstling

Und so musste die Geburtstagsparty also ohne fotografische Dokumentation über die Bühne gehen. Geburtstag, weil: Das Debütalbum der Briten „Inside In/Inside Out“ feiert Wiegenfest, wurde 2026 stolze 20 Jahre alt. Die 2004 gegründete Kapelle gehörte, obwohl ihr Erstling erst 2006 erschien, zur sogenannten „Class of 2005“-Welle, jener Szene also, die für ein Indie-Rock- und Post-Punk-Revival sorgte. Die letzte goldene Ära des gitarrenbasierten Rocks, angeheizt durch Bands wie den White Stripes, den Libertines, Bloc Party, Franz Ferdinand, den Arctic Monkeys – und eben auch The Kooks.

Die meist dieser in Skinny Jeans gezwängten Bands waren spätestens nach dem zweiten Album weg vom Fenster, The Kooks haben sich aber als eine der Konstanten aus jener Ära bewiesen. Seit 2006 sind nun sieben Alben erschienen, das bis dato letzte, „Never/Know“ kam 2025 auf den Markt. Im Fokus stand in Schwetzingen aber der Erstling.

Gesalzene Preise

Es war nicht so voll wie etwa bei Roxette dieser Tage, die Schweden hatten ihr Konzert ja ausverkauft. Bei The Kooks sah man durchaus mehr Wiese, den einen oder anderen hat es bei den hohen Temperaturen auch vielleicht eher an den Badesee gezogen. Zumal man sich dort sicherlich auch günstiger mit erfrischenden Getränken versorgen konnte. Die Preise in Schwetzingen waren durchaus gesalzen.

Gleich zehn Songs aus „Inside In/Inside Out“ standen auf dem Programm, praktisch die Hälfte der Setlist wurde mit dem Erstlingswerk bestritten. Es waren auch  die Nummern, auf die die Fans gewartet hatten, das war an den Publikumsreaktionen abzulesen. 

Den größten Jubel gab es dabei bei „Seaside“. Aber auch bei „Sofa Song“, „Eddie’s Gun“, „She Moves In Her Own Way“, „Matchbox“, oder „Ooh La“ gab es  Nostalgie-Kicks. „Sunny Baby“, aus dem jüngsten Album, störte nicht.

Der emotionalste Moment: die Ballade „See Me Now“, die Kooks-Sänger Luke Pritchard seinem Vater widmete, der verstarb, als Luke drei Jahre alt war.

Spielchen nicht nötig

Der unnötigste: der Song „Jackie Big Tits“. Eine Nummer, benannt nach einer Figur aus dem Film „Sexy Beast“, die von der Ehefrau des damaligen Katie-Melua-Managers Mike Batt gespielt wurde. Melua war damals mit Pritchard liiert, dieser schrieb den Song, nachdem er sich mit dem Manager und seiner Frau zerstritten hatte. Ob’s den Song 20 Jahre danach noch braucht?

Am Ende gab es noch zwei starke Zugaben, das bereits erwähnte „Ooh La“ und „Naïve“, ein starker Abschluss einer insgesamt starken Show. Schade, denkt man sich, derlei Spielchen mit Fotografen hat die Band doch eigentlich gar nicht nötig.

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