Soffie gehört zu einer ganzen Reihe vielversprechender junger Musikerinnen, die derzeit groß aufspielen. Am Freitag hat sie in Kaiserslautern Station gemacht, Open Air im Kulturgarten der Kammgarn. Die engagierte 27-Jährige hätte ein größeres Publikum verdient gehabt.
Hinter den Kulissen mag Pop immer noch ein sehr männlich dominiertes Genre sein, auf der Bühne gibt es aber derzeit so viele Solo-Künstlerinnen wie selten in der deutschen Popgeschichte. Nina Chuba, Shirin David, LEA, Ayliva, Ikkimel, Zoe Wees – sie alle bestimmten in den vergangenen Jahren die Schlagzeilen, sie alle füllen zum Teil die ganz großen Hallen.
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Ein Traum, den sicher auch Soffie hegt. Die Musikerin aus Backnang, die bürgerlich Sofie Aspacher heißt, steht noch am Anfang ihrer Karriere. Im Gegensatz zu ihren berühmten Kolleginnen füllt sie noch nicht die großen Arenen, zu ihrem Konzert am Freitagabend sind gerade mal etwa 100 Leute gekommen. Soffie performt für sie aber, als sei es die SAP-Arena, ausverkauftes Haus. Ein Energiebündel, das trotz der Hitze mit großer Lust bei der Sache ist.
Der Hitze getrotzt
Wie sehr Soffie, die auch an der Mannheimer Popakademie studiert hat, noch am Beginn ihrer Karriere steht, zeigt sich schon allein daran, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Setlist sich aus Songs speist, die auf einem Album zu finden sind, das noch gar nicht veröffentlicht ist. „Kein Streit den man nicht lösen kann“ (sic) erscheint am 23. Oktober.
Aber, wie das heute so ist, es ist das Diktat der Streamingdienste, so ganz unbekannt waren die Nummern den Fans natürlich nicht, der eine oder andere hat bereits als Single das Licht der Welt erblickt. Alben scheinen ja für Künstler aus der Generation Soffie ohnehin Liebhaberei zu sein, Geld verdienen damit die wenigsten. Sie sind eingedenk dieses Umstands aber auch ein Statement, dass es da einer ernst mit der Musik meint, dass jemand eine Leidenschaft hegt, die man mit Geld nicht aufwiegen kann.
Emotional und nostalgisch
Im Gegensatz zu den eingangs erwähnten Kolleginnen ist die Wahl-Mannheimerin Soffie eher dem Indie-Pop zuzuordnen, Gitarrensoli treffen hier auf Synthie-Pop, eine schweißtreibende Mischung, gemacht für die Live-Situation. Glanzlichter gab es an diesem Abend gleich mehrere. „Nickelodeon“ war so ein Fall, ein nostalgisch anmutendes Stück, in dem die Sängerin fast schon wehmütig auf die Zeit zurückblickt, in der Streitereien schnell gelöst waren. Herrlich unkompliziert war das alles, bis das Erwachsenwerden dazwischenfunkte.
Emotional kam auch „Dass ich gerade traurig bin“ daher, eine melancholische Nummer über Selbstzweifel, Unausgesprochenes und das Nicht-gesehen-Werden. Um Selbstzweifel ging es auch in dem kompromisslosen Titel „Räuber“. Politisch wurde es in Songs wie „Die da oben“, in denen es Soffie mit den Mächtigen aufnimmt, durchaus eingängig, dem Vernehmen nach inspiriert von Alfred Polgars Parabel „Auf dem Balkon“ (1936). Literatur trifft Pop.
Soffie genoss es sichtlich (und hörbar), in Zeiten kürzerer Festivalsets mal wieder ein eigenes, richtiges Konzert zu spielen. 90 Minuten. „Es ist schön, mal wieder so viel Zeit zu haben“, sagte sie schon eingangs und entschuldigte sich bereits im Vorfeld dafür, dass sie an diesem Tag ein erhöhtes Redebedürfnis hatte. Gut möglich, dass ein Bob Dylan in seiner ganzen Karriere nicht auf die Redezeit zwischen den Songs kam, die Soffie an diesem Abend zur Songerklärung nutzte. Dem Publikum aber gefiel diese Nahbarkeit.
Drei Zugaben
Am Ende gab es drei Zugaben, darunter natürlich auch der Song, mit dem für Soffie alles losging. „Für immer Frühling“, 2024 auf TikTok viral gegangen, eine Hymne gegen Rechts. Musik und Haltung, das gehört bei Soffie untrennbar zusammen. „Ich hab neulich geträumt … Von einem Land, in dem für immer Frühling ist … Hier gibt es Kaviar und Hummer im Überfluss … Keiner hier, der hungert, und niemandem ist kalt … Vanilleeis zum Nachtisch, alle sterben alt“, sang sie da von einem Land, in dem jeder willkommen ist und die Waffenspeicher leer sind. Und mit dieser positiven Zukunftsvision entließ die 26-Jährige ihre Fans in die Nacht.
Um die Zukunft der weiblichen deutschen Popmusik, das wurde klar, muss man sich keine Sorgen machen. Die Talente sind da. Jetzt müssen die Leute nur noch zu ihnen finden, in die kleinen Locations. Wo die Künstler am Ende noch selbst am T-Shirt-Stand stehen. Anders als in den großen Hallen.
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