„Simma widda gut?“ heißt das neue Album von Gringo Mayer. Als wären wir ihm je böse gewesen! Auch auf seiner vierten Platte kann der Pfälzer Mundart-Musiker wieder überzeugen.
Ludwigshafen spielte in der Vergangenheit auf der Pop-Landkarte kaum eine Rolle. Jule Neigel hatte in den 1980ern mit „Schatten an der Wand“ mal einen landesweiten Hit, das war’s. Da wurde immer etwas neidisch auf die andere Rheinseite geguckt, wo es die Pop-Akademie hat, die schon dem einen oder anderen bekannteren Namen das kleine Einmaleins des Pop gelehrt hat. In den vergangenen Jahren ploppt der Name Ludwigshafen dann aber plötzlich häufiger im popkulturellen Diskurs auf. Im Mainstream natürlich wegen eines Apache 207, und im Indie-Bereich wegen: Gringo Mayer.
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Mayer ist mittlerweile ein bundesweites Indie-Rock-Phänomen. Und damit gleichzeitig ein inoffizieller Botschafter des Pfälzischen. Seine musikalische Reise begann 2021 mit dem Album „Nimmi normal“, das Gringo mitsamt seiner Kegelband nicht nur mehrfach in die Top 70 der Charts, zu „Inas Nacht“, in diverse Radiorotationen und Presseartikel geführt hat. 2023 folgte das Album „Ihr liewe Leit“, 2025 die Platte „Laav“.
Gringo ganz versöhnlich
„Simma widda gut?“ heißt nun der neueste Streich des Gringo M.. Der Ausspruch ist gewissermaßen eine ausgestreckte Hand. Ein Aufruf zum Vertragen, grundsätzlich, aber oft auch in anderem Kontext genutzt, wie Mayer erklärt: „Bei uns hat man das früher in der Kneipe oder im Biergarten beim Zuprosten gesagt – meistens ohne, dass es irgendeinen Streit beizulegen gab. Es war einfach eine kleine, grundsätzliche Geste des Zusammenhalts – mit Augenzwinkern.“ Man könnte auch sagen: eine kleine symbolische Erinnerung daran, dass es am Ende ja doch nur zusammen geht.
Auch wenn diese Erkenntnis trivial daherkommen mag, sie ist es in ihrer gelebten Konsequenz allzu selten. Gerade heutzutage. Und wenn eine Erkenntnis Gringos bisheriges Schaffen durchzieht, dann doch wohl die, dass es bei allem notwendigen Disput und allen Unterschiedlichkeiten unerlässlich ist, einen gemeinsamen Grund zu finden.
Keine Frage: Gringo Mayer ist einer, der mit seiner Musik Optimismus verbreitet. Das spiegelt sich schon im überaus eingängigen Opener „Irgendwie“, der gleich mit Wucht ins Album zieht. Mit einem unerschütterlichen Glauben an ein gutes Ende, im Kleinen wie im Großen, verspricht uns der gute Gringo: „Irgendwie krigge ma des hie“. Genau das will man hören. Unbedingt.
Das sind die Glanzlichter
Insgesamt kredenzt uns Gringo elf neue Songs. Zu den Glanzlichtern gehören dabei sicherlich neben dem Opener das vorab als Single veröffentlichte „Klapprad“ mit seinen NDW-Anleihen. Das überzeugt nicht nur durch seinen Schwung und seine Eingängigkeit, sondern auch durch seine Lyrics. „Samt Drohnen und Raketen flog der Putz von der Tapete. Mir war sofort klar, wohin, ich fahr mim Klapprad ins ZI“, singt er da. Das ZI ist das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Früher mal ein Ort, der symbolisch für das stand, was die „vernünftige“ Gesellschaft unbedingt wegsperren musste: den Wahnsinn. Doch was, wenn die gesamte Ordnung bröckelt? Was, wenn Drohnen und Raketen zur neuen Normalität werden? Für Gringo gibt es nur eine angemessene Antwort: Er steigt auf sein Klapprad, das Anti-Gefährt schlechthin, dreht wortwörtlich „komplett am Rad“ und fährt mit Pauken und Trompeten ins vermeintliche Herz des Wahnsinns.
Das Pfälzer Herz schlägt bei „Peng Peng“ höher: „Fühl’ mich wie Falco und kling’ wie Helmut Kohl, ich hab’ ’n Schuss wie Walter Frosch und Manni Kaltz / Peng Peng in de Palz“. Auch „Ganove“, „Nix okay“ und „Kavalier“ bleiben haften.
Überraschend: die Nummer „Es is egal, aber“. Bei dem Song handelt es sich um ein Tocotronic-Cover, dem guten Gringo geht dabei Arnim Teutoburg-Weiß von den Beatsteaks zur Hand. Die Kollaboration funktioniert prächtig, die Interpretation geht deutlich mehr nach vorn als das Original – und wird die Hamburger sicher nicht grämen. Und wenn doch, hat Mayer ja sein entwaffnendes „Simma widda gut?“ parat.
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